100 Jahre Fresenius: Eine Apotheke wird zum Weltkonzern

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100 Jahre Fresenius: Eine Apotheke wird zum Weltkonzern

von Jürgen Salz

Der Dax-Konzern Fresenius wird 100 Jahre alt. Seinen Erfolg verdankt das Medizinunternehmen einer Frau und einem gewagten Übernahmemanöver.

Die Hirsch-Apotheke gibt es heute noch, mitten in der Frankfurter Innenstadt, auf der Zeil 111.  Vor genau 100 Jahren war die Pharmazie dem Inhaber, Dr. Eduard Fresenius, nicht mehr genug:  Fresenius erweiterte seine Hirsch-Apotheke um einen kleinen Produktionsbetrieb für Infusionslösungen und andere Arzneimittel und gründete zum 1.Oktober 1912 das Unternehmen Dr. E. Fresenius.

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Aus der kleinen Apotheke von damals ist mittlerweile ein Weltkonzern geworden: Im Geschäftsjahr 2011 setzte Fresenius mit weltweit 160 000 Mitarbeitern mehr als 16 Milliarden Euro um  und erwirtschaftete einen Gewinn von rund 770 Millionen Euro. Aktionäre haben seit langem Freude an ihrem Unternehmen: Umsatz und Gewinn steigen kontinuierlich – die Dividende auch. Selbst während der Finanzkrise legte Fresenius noch zu. Fresenius liefert nach wie vor Infusionslösungen, betreibt Dialysezentren und Krankenhäuser – und hat sich damit erfolgreich in Nischen etabliert.

Den Grundstein für den Erfolg legte eine Frau: Else Kröner, eine der bedeutendsten Unternehmerinnen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Als Dr. Fresenius 1946 überraschend starb wäre es um ein Haar mit der Existenz von  Apotheke und Produktionsbetrieb vorbei gewesen. Beides erbte seine Ziehtochter Else Fernau, die später den Unternehmensberater Hans Kröner heiratete. Mit gerade mal 21 Jahren stand die junge Frau, deren Mutter Haushälterin bei Dr. Fresenius war, auf einmal in der Verantwortung.

Dank ihres Förderers hatte die Apotheken-Erbin ein Pharmaziestudium absolviert. Kröner machte sich an die Arbeit: Sie baute das Pharma-Laboratorium aus, investierte in künstliche Ernährung und begann in den sechziger Jahren mit dem Verkauf von Dialysegeräten. 1981 wandelte sie Fresenius in eine Aktiengesellschaft um. 1983 gründete die Matriarchin  die Else Kröner-Fresenius Stiftung, um das Unternehmen für die Zeit nach ihrem Tod abzusichern. Bis heute ist die Stiftung der wichtigste Anteilseigner bei Fresenius. 1988 starb Else Kröner.

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In den Neunzigerjahren wandelte sich Fresenius durch eine Reihe von Übernahmen. Der spektakulärste Coup war 1996 die Übernahme des ungleich größeren US-Unternehmen National Medical Care. „Hering frisst Hai“, schrieb die WirtschaftsWoche damals. Die treibende Kraft hinter der Übernahme war der damalige Vorstandschef Gerd Krick. Aus dem US-Zukauf entstand die Tochtergesellschaft Fresenius Medical Care, die ebenfalls, wie der Mutterkonzern, im Dax notiert ist. Das Geschäft mit Dialysegeräten und –zentren ist bis heute der wichtigste Umsatzbringer im Konzern. 1998 erwarb Krick das Infusionsgeschäft des Pharmaunternehmens Pharmcia & Upjohn.

Sein Nachfolger Ulf Schneider, der 2003 im Alter von 37 Jahren die Führung von Fresenius übernahm, setzte den Expansionskurs fort. 2005 erwarb Fresenius die Klinikkette Helios, die zu den führenden privaten Krankenhausbetreibern in Deutschland zählt. 2006 kam der US-Dialyseanbieter Renal Care Group dazu, 2008 der US-Generikaanbieter APP Pharmaceuticals. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr 2012 scheiterte Schneider allerdings mit der Übernahme der Rhön-Kliniken, eines weiteren privaten Krankenhausbetreibers, an Widerständen bei Konkurrenten und im Rhön-Aufsichtsrat.

Am heutigen Abend lädt Schneider anlässlich des Hundertsten zum Festakt in die Frankfurter Festhalle – nicht allzu weit von der Hirsch-Apotheke entfernt, wo alles begann.

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