100 Prozent Grupp: ThyssenKrupp: Wo bleibt der Beitrag des Herrn Cromme?

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Gerhard Cromme - ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender von ThyssenKrupp und Noch-Aufsichtsratschef bei Siemens. Er haftet nicht für die Fehler in der Unternehmensführung. "Skandalös", findet Trigema-Chef Wolfgang Grupp.

Kolumne von Wolfgang Grupp

Kahlschlag im Ruhrgebiet, eine dicke Abfindung für den Falschen an der Konzernspitze. Viele Betroffene bezahlen für die Fehlentscheidungen bei ThyssenKrupp und Siemens, nur einer nicht: Gerhard Cromme, der Chefkontrolleur beider Traditionsunternehmen.

Die schlechten Nachrichten für die ThyssenKrupp-Beschäftigten reißen nicht ab. Erst wurde vorige Woche klar, dass die Probleme des Essener Konzerns im Stahlbereich zu einem Desaster im Ruhrgebiet führen können, dem industriellen Kern Nordrhein-Westfalens. Dann kam am Mittwoch heraus, dass ThyssenKrupp sein Feinblechwerk in Neuwied am Rhein dicht machen und in der Sparte 420 Arbeitsplätze streichen will. Auch wenn das alles sozialverträglich erfolgen und niemandem betriebsbedingt gekündigt werden soll: Die Jobs sind weg, ein für alle Mal. Jeder künftige arbeitslose Metallarbeiter wird wissen, wem er das mit zu verdanken hat.

Tausende Stellen weniger auch bei Siemens. Und als ob das nicht genug wäre, erhielt Anfang August Konzernchef Peter Löscher kurzerhand die Mitteilung, er sei nicht mehr gewollt. Die Abfindung plus Pensionsansprüche, die ihm dank seines bis 2017 laufenden Vertrages winken, summiert sich im Extremfall auf einen mittleren Betrag zwischen zehn und 20 Millionen Euro. Das wird jeder Aktionär erfahren, wenn er sich auf der nächsten Hauptversammlung in München danach erkundigt.

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Nur einer muss  nicht bezahlen: Deutschlands Superaufsichtsrat Cromme, der als Chefkontrolleur beider Konzerne das alles die ganze Zeit lang sah, abwinkte und deshalb mit zu verantworten hat. 560.000 Euro hat er allein im vergangenen Jahr für seine Tätigkeit als Oberaufseher von den Siemens-Aktionären kassiert. Bei ThyssenKrupp waren es 210.000 Euro nach 251.000 im vorherigen Geschäftsjahr.

Unglaubliche Arroganz

ThyssenKrupp wird aufgrund milliardenschwerer Fehlinvestitionen in Brasilien und den USA langsam zum Spielball der Banken, die zwecks Besicherung ihrer Kredite durchaus die Zerlegung des Traditionskonzerns verlangen können. Und was schreibt der Aufsichtsrat und damit auch Cromme zu dem Debakel bei den sogenannten Steel-Americas-Projekten im Geschäftsbericht? „Die Mitglieder des Aufsichtsrats sind auch persönlich betroffen darüber, dass es trotz aller Anstrengungen und der Erfüllung der ihnen obliegenden Pflichten nicht gelungen ist, die Fehlentwicklungen bei den Steel-Americas-Projekten zu verhindern.“ Und: „Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang, dass der Aufsichtsrat schon in der Entscheidungsphase mit zahlreichen kritischen Fragen die wesentlichen Punkte adressiert hat, die sich später als Problemursachen herausgestellt haben.“

Eine größere Arroganz kann man sich kaum vorstellen. „Persönlich betroffen sein“ und „mit zahlreichen kritischen Fragen die wesentlichen Punkte adressiert“ zu haben, ist  zu wenig. Hätte der Aufsichtsrat und damit Cromme auf eigene Rechnung gehandelt, hätte dieser sicher anders agiert. Während die Aktionäre, Arbeitnehmer und die Steuerzahler für die Folgen aufkommen müssen, werden die Aufsichtsräte und damit auch Herr Cromme für keine seiner Entscheidungen auch  nur mit einem Cent haften.

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