21. Handelsblatt Stahltagung: Stahlkocher sorgen sich vor Abschottung

21. Handelsblatt Stahltagung: Stahlkocher sorgen sich vor Abschottung

, aktualisiert 16. Februar 2017, 12:25 Uhr
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Ein Arbeiter in Schutzkleidung vor einem angestochenen Hochofen. „Wir sehen ein anwachsen von protektionistischen Tendenzen“, sagte Hans Jürgen Kerkhoff auf der 21. Handelsblatt Stahltagung in Düsseldorf.

von Franz Hubik und Martin WocherQuelle:Handelsblatt Online

Kaum haben sich die Stahlpreise erholt und die Gewinne der Firmen stabilisiert, fürchten die deutschen Hütten einen internationalen Handelskrieg. Der grassierende Protektionismus unter Donald Trump bedroht das Wachstum.

DüsseldorfIn Europas Stahlindustrie wächst die Sorge, dass dem freien Handel schwierige Zeiten bevorstehen. Zwar lebt die Branche schon lange mit Strafzöllen und abgeschotteten Teilmärkten als Antwort auf Subventionen und Dumping-Exporte. Doch nachdem auch Europa seine Schutzmaßnahmen vor Billigstahl aus China und anderen asiatischen Anbietern in jüngster Zeit deutlich ausgeweitet hat, wächst die Gefahr eines Handelskrieges. Denn auch die Amerikaner lassen die Muskeln spielen und werfen europäischen und asiatischen Stahlhütten Dumping vor.

„Wir sehen ein anwachsen von protektionistischen Tendenzen“, sagte Hans Jürgen Kerkhoff auf der 21. Handelsblatt Stahltagung in Düsseldorf. Der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl warnt vor einer weiteren Abschottung. Sollten beispielsweise die USA auf Stahlimporte oder Produkte wie Autos, in denen große Mengen Stahl stecken, hohe Außenzölle erheben, wären die Folgen für die europäische Stahlindustrie „besorgniserregend“, erklärt Kerkhoff. 

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Der neue US-Präsident Donald Trump hat „America first“ zur obersten Devise erklärt. Für die deutschen Stahlkocher steigen damit die Risiken. Denn die Vereinigten Staaten sind einer der größten Absatzmärkte für Stahl weltweit. Rund 700.000 Tonnen Stahl liefern deutsche Konzerne wie Thyssen Krupp, Salzgitter und Co. direkt in die USA. Das entspricht einem Viertel der deutschen Stahlexporte außerhalb der EU. Noch wichtiger sind aber die indirekten Exporte der Stahlkocher. Denn Autos und Maschinen, die nach Amerika exportiert werden, beinhalten 2,5 Millionen Tonnen Stahl.

Nur ein Land ist für die deutsche Stahlkocher noch wichtiger als die USA: Großbritannien. Doch auch in England, Schottland und Wales dürften die Abschottungsmechanismen eher zu- als abnehmen, sobald Großbritannien aus dem gemeinsamen EU-Binnenmarkt austreten wird.

„Protektionismus ist die falsche Antwort auf Strukturprobleme“, sagt Kerkhoff. Dass der Stahllobbyist selbst immerzu hohe Zölle auf chinesische Stahlimporte fordert, sieht er nicht als Widerspruch. Im Gegenteil. „Wir brauchen fairen Wettbewerb“, sagt Kerkhoff. Chinas Stahlkocher würden aber den Weltmarkt mit Billigstahl weit unter Herstellungskosten fluten und so die Preise ruinieren. Sich dagegen zu wehren, sei notwendig, um gleiche Bedingungen für alle zu schaffen.

Kerkhoff fordert insbesondere China auf, seine Stahlbranche zu bereinigen und die vorhandenen Überkapazitäten abzubauen. Ansonsten würden Europas Stahlkocher weiter leiden – beispielsweise der Stahl- und Technologiekonzern Voestalpine.

Schon vor einigen Jahren haben sich die Österreicher mit einem starken Standbein im deutschen Markt für ihr Wachstum in den USA ehrgeizige Ziele gesetzt. Rund 1,2 Milliarden Euro Umsatz erzielte der Konzern zuletzt im Nafta-Raum, allein mit den USA wickelte die Voestalpine Geschäfte im Volumen von rund einer Milliarde Euro ab.


„ein Rückfall in einen neuen Provinzialismus“

Schon in drei Jahren sollen die Umsätze mit der nordamerikanischen Freihandelszone auf rund drei Milliarden Euro anwachsen – stabile politische Verhältnisse ohne größere Handelshürden vorausgesetzt. Sollte die neue Regierung von US-Präsident Donald Trump jedoch wirklich Schutzzölle erheben, „dann gibt es eine Neuordnung der Handelsströme“, fürchtete unlängst Vorstandschef Wolfgang Eder. Denn die betroffenen Länder würden mit entsprechenden Maßnahmen dagegen halten. „Das nützt niemandem, es wäre ein Rückfall in einen neuen Provinzialismus.“

Noch hat Eder Hoffnungen, dass es nicht so weit kommen wird. Vor allem große US-Konzerne würden in einem solchen Fall schnell merken, „dass ihre größten Märkte nicht in Amerika liegen“. Derzeit beobachtet Voestalpine die Lage und investiert weiter in den Ausbau der Fertigung vor Ort. Vor allem in den Sparten Auto, Luftfahrt und Eisenbahn sieht Voestalpine, die sich immer stärker als Anbieter von Hochtechnologie auf Stahlbasis versteht, noch großes Potenzial in den USA.

Man folge erst den europäischen Schlüsselkunden und gehe dann im zweiten Schritt auf die lokalen Kunden zu, sagte Eder. Dazu gehörten auch ausgewählte Zukäufe: „Dadurch wollen wir schneller wachsen.“ Das gelte auch für Mexiko: Die geplanten Investitionsvorhaben blieben aufrecht – auch weil nur ein Drittel der Produkte in die USA, der Rest aber in andere Märkte gehe.

Quelle:  Handelsblatt Online
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