Abgas-Skandal: EU sieht kein Fehlverhalten anderer Autobauer

Abgas-Skandal: EU sieht kein Fehlverhalten anderer Autobauer

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Ein Messschlauch eines Gerätes zur Abgasuntersuchung für Dieselmotoren steckt im Auspuffrohr eines VW Golf 2.0 TDI.

Der Betrug bei Abgastests erschüttert den Autobauer VW. Doch auch die Politik muss sich Fragen stellen - schließlich blieb der Betrug in Europa lange unbemerkt.

Vom Skandal um manipulierte Abgaswerte ist nach Aussage von EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska bisher nur Volkswagen betroffen. „Ich habe keine Belege, dass ein anderes Unternehmen davon berührt ist“, sagte sie in Luxemburg. Dort hatten die für Wettbewerbsfähigkeit und Industrie zuständigen Minister der EU-Staaten über die Affäre beraten.

Bienkowska pochte allerdings erneut auf Aufklärung. „Wir brauchen ein sehr gutes Bild davon, was im europäischen Automobilsektor vor sich geht.“ Bis spätestens Ende November wolle sich ihre Behörde einen Überblick verschaffen.

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Luxemburgs Minister Etienne Schneider, dessen Land derzeit den Vorsitz der EU-Staaten führt, sagte, er vertraue dem Krisen-Management der deutschen Regierung und von VW.

Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

  • 18. September

    Die US-Umweltbehörde EPA teilt in Washington mit, Volkswagen habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren. In den Tagen darauf wird klar, dass weltweit Fahrzeuge von VW und der Töchter betroffen sind – darunter auch Audi und Porsche. Die VW-Aktie bricht ein.  

  • 23. September

    VW-Chef Martin Winterkorn tritt nach einer Krisensitzung der obersten Aufseher zurück. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig prüft die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen VW. Anlass dafür seien auch eingegangene Strafanzeigen von Bürgern, heißt es.

  • 24. September

    Der VW-Aufsichtsrat tagt. Nach langer Sitzung beruft das Gremium Porsche-Chef Matthias Müller zum neuen Konzernchef und trifft einige weitere Personal- und Strukturentscheidungen. Verantwortliche Motorenentwickler werden beurlaubt.

  • 28. September

    Nach mehreren Strafanzeigen startet die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugsvorwürfen. Entgegen einer ersten Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig gibt es keine Ermittlungen gegen Ex-Chef Martin Winterkorn persönlich.

  • 1. Oktober

    Das Aufsichtsrats-Präsidium beschließt, Hans Dieter Pötsch per registergerichtlichen Anordnung in den Aufsichtsrat zu berufen. Das ist möglich, weil mehr als 25 Prozent der Aktionäre Pötsch favorisiert haben. Die Familien Porsche und Piëch, die Pötsch gegen die Bedenken des Landes Niedersachsens und der Arbeitnehmer durchgesetzt haben, halten über die Porsche SE rund 52 Prozent der VW-Anteile. Julia Kuhn-Piëch, die erst dieses Jahr nach dem Rücktritt von Ferdinand und Ursula Piëch in das Kontrollgremium aufgerückt war, verlässt den Aufsichtsrat wieder.

  • 6. Oktober

    Es ist klar, dass die betroffenen VW-Fahrzeuge in die Werkstatt müssen, damit die Schummel-Software verschwindet. Bei einigen Motorenwerden die Techniker selbst Hand anlegen müssen. Eine Rückruf-Aktion, so wird es am nächsten Tag bekannt werden, soll 2016 starten. Die geschäftlichen und finanziellen Folgender Krise sind nicht absehbar. Die Kosten der Abgas-Affäre werden jedoch enorm sein. Der neue Chef muss sparen: "Deshalbstellen wir jetzt alle geplantenInvestitionen nochmal auf denPrüfstand", kündigt Müller an.

  • 15. Oktober

    Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ordnet einen verpflichtenden Rückruf aller VW-Dieselautos mit der Betrugssoftware an. In ganz Europa müssen 8,5 Millionen, in Deutschland 2,4 Millionen Wagen in die Werkstatt. VW hatte eine freiwillige Lösung angestrebt.

  • 28. Oktober

    Der Skandal beschert dem Konzern im dritten Quartal einen Milliardenverlust. Vor Zinsen und Steuern beläuft sich das Minus auf rund 3,5 Milliarden Euro.

  • 3. November

    Der Skandal erreicht eine neue Dimension. VW muss - nach weiteren Ermittlungen der US-Behörden - einräumen, dass es auch Unregelmäßigkeiten beim Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) gibt. Rund 800.000 Fahrzeuge könnten betroffen sein. Die VW-Aktie geht erneut auf Talfahrt.

  • 20. November

    Der Diesel-Skandal in den USA weitet sich aus. Erneut. Es seien mehr Drei-Liter-Diesel der Marken Volkswagen und Audi betroffen, als bislang angenommen, erklärt die US-Umweltbehörde EPA. Die Autobauer bestreiten dies zunächst. Wenige Tage später, am 24. November, müssen sie allerdings  einräumen, ein sogenanntes „Defeat Device“ nicht offengelegt zu haben. Die Software gilt in den USA als illegal.

    Die Auswirkungen des Skandal zwingen VW zudem zum Sparen: VW fährt die Investitionen für das kommende Jahr runter. 2016 sollen die Sachinvestitionen um eine Milliarde Euro verringert werden. „Wir fahren in den kommenden Monaten auf Sicht“, sagt VW-Chef Müller. Weitere Ausgaben bleiben auf dem Prüfstand.

  • 24. November

    Neuer Ärger für Volkswagen: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nun auch wegen mögliche Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit falschen CO2-Angaben. Die könnten dazu geführt haben, dass zu wenig Kfz-Steuer gezahlt wurde.

  • 25. November

    Zumindest etwas Positives für die Wolfsburger: Zur Nachrüstung der millionenfach manipulierten Dieselmotoren mit 1,6 Litern Hubraum in Europa reicht nach Angaben von Volkswagen ein zusätzliches, wenige Euro teures Bauteil aus. Bei den 2,0-Liter-Motoren genügt ein Software-Update. Das Kraftfahrtbundesamt genehmigt die Maßnahmen. Auch wenn VW keine Angaben zu den Kosten macht – es hätte schlimmer kommen können.

Der deutsche Staatssekretär Matthias Machnig aus dem Bundeswirtschaftsministerin sagte auf die Frage, was er von VW erwarte: „Klarheit, Transparenz und auch Wiederherstellung des Verbrauchervertrauens und schnelles Handeln, wenn es darum geht, Dinge, die technisch falsch gelaufen sind, auch sofort abzustellen.“ Spekulationen, dass die deutschen Aufsichtsbehörden ein Auge zugedrückt hätten, wies er zurück: „Es gibt keinen Hinweis von unserer Seite, dass es eine Art Kollaboration gab.“

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Machnig beschrieb die Diskussion im Kreis der Minister als „solidarisch“. Es gehe um Volkswagen, aber auch um Zulieferer und um viele Produktionsstätten von VW - sei es in der Slowakei, Spanien und anderswo. Alle seien an einer raschen Aufklärung interessiert, um unter anderem den Zulieferern eine Perspektive zu geben.

EU-Industriekommissarin Bienkowska zufolge gibt es den politischen Willen im Kreis der Staaten, die ursprünglich erst für Herbst 2017 für neue Typzulassungen vorgesehenen realistischeren Abgastests auf der Straße (RDE-Tests) vorzuziehen. Die technischen Details, an denen derzeit noch gearbeitet wird, würden wahrscheinlich bis Jahresende ausgearbeitet.

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