Abgas-Skandal: US-Chef Michael Horn verlässt überraschend VW

Abgas-Skandal: US-Chef Michael Horn verlässt überraschend VW

, aktualisiert 10. März 2016, 06:19 Uhr
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Michael Horn, Chef von Volkswagen in den USA, tritt zurück.

von Astrid Dörner und Martin MurphyQuelle:Handelsblatt Online

Volkswagen kommt nicht zur Ruhe. Fast sechs Monate nach Bekanntwerden des Diesel-Skandals verlässt der Amerika-Chef überraschend das Unternehmen. Horn hatte den Spitzenjob erst Anfang 2014 angetreten.

New York/FrankfurtMichael Horn werde sofort aus dem Unternehmen ausscheiden, teilte VW am Mittwochabend mit. Es geschehe „im Einvernehmen“, hieß es in einer Pressemitteilung. Einen Grund nannte VW nicht. Aus Konzernkreisen verlautet, dass Horns Ausscheiden persönliche Gründe hat. Horns Aufgaben soll nun Hinrich Woebcken übernehmen.

Der ehemalige BMW-Manager war im Januar zum neuen Chef für die gesamte Region Nordamerika ernannt worden und sollte erst zum ersten April bei Volkswagen starten. Er hätte eigentlich Horns Vorgesetzter werden sollen, übernimmt seine Aufgaben nun jedoch zunächst mit, heißt es bei VW.

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Der Wolfsburger Autobauer steht in den USA extrem unter Druck. Die US-Umweltbehörde EPA und das Justizministerium haben wegen des Skandals um Abgasmanipulationen eine milliardenschwere Klage eingereicht. Erst am Dienstag sorgte ein Bericht des „Wall Street Journal“ für Aufsehen, wonach das Justizministerium ein Gesetz gegen den Konzern anwenden will, das eigentlich für Banken gedacht war. Damit soll geprüft werden, ob bei der Finanzierung der manipulierten Fahrzeuge Schaden entstanden ist.

Michael Horn war seit Januar 2014 Amerika-Chef. Der 54-Jährige arbeitete seit 1990 bei dem Wolfsburger Konzern und hat sich dort beharrlich nach oben gearbeitet. Im Oktober, drei Wochen nach Bekanntwerden des Dieselskandals, musste er vor dem US-Kongress aussagen.

Horn hatte sich damals selbst erstaunt gezeigt, dass ein Betrug in diesem Ausmaß bei VW möglich war. „Diese Vorfälle sind sehr besorgniserregend“, hatte er damals eingeräumt und sich dafür entschuldigt. Horn galt als ein VW-Manager, der offen Probleme anspricht. In seiner Zeit als Amerika-Chef hat er sich vor allem für die Autohändler stark gemacht.

In den vergangenen Monaten hat er ein Goodwill-Programm auf die Beine gestellt, das US-Autofahrern Bargeld im Wert von 500 Dollar und einen Gutschein von weiteren 500 Dollar zukommen lässt, das sie bei ihrem Händler beispielsweise für Winterreifen ausgeben können. VW will somit auch die Kontaktdaten der Autobesitzer sichern, die das Unternehmen für den Rückruf in den USA braucht.

Die Vereinigung der amerikanischen VW-Händler reagierte mit heftiger Kritik auf Horns Ausscheiden. Das Gremium “will Michaels Führung und Stärke in dem anhaltenden Missmanagement des Diesel-Skandals anerkennen“, zitiert der Branchendienst „Automotive News“ aus einer Mitteilung der Händler-Vereinigung.

Der Manipulationsskandal treffe ihren Absatz und ihren Ruf stärker als jeden anderen Markt auf der Welt. „Wir verfolgen beunruhigt das Missmanagement des Skandals in Deutschland und wie sich das auf die Entscheidungen der Behörden in den USA auswirkt“, kritisierten die Händler. Die Personalentscheidung könne „nur dazu dienen, das Unternehmen noch weiteren Risiken auszusetzen.“

Horn ist allerdings – anders als etwa Audis Amerika-Chef Scott Keogh – bei öffentlichen Auftritten nicht besonders charismatisch. Bei seinem Auftritt auf der Automesse in Los Angeles im November – der ersten US-Automesse seit dem Skandal – wirkte er nervös und verunsichert als er seine Rede vom Teleprompter ablas und ließ sich anschließend von einem Pulk an Reportern scheinbar hilflos gegen ein Auto drängen.

Mit seinem Ausscheiden macht VW auch optisch den Weg frei für einen Neustart – ein Aspekt, der den Behörden in den USA durchaus wichtig ist. Woebcken wird zunächst keine öffentlichen Auftritte absolvieren, heißt es bei VW. Bei der Automesse in New York, die Ende März stattfindet, werden lediglich Pressesprecher vor Ort sein. Der 55-Jährige war zuletzt Nutzfahrzeug-Vorstand beim Zulieferer Knorr-Bremse.

Quelle:  Handelsblatt Online
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