
Herr Krogner, Sie haben Esprit zum Vorzeigekonzern gemacht. Was läuft heute falsch?
Esprit hat den schlimmsten Fehler begangen, den es gibt: Die Firma hat den Kunden vernachlässigt.
Wie meinen Sie das?
Esprit stand für ein Qualitätsversprechen. Esprit hatte eine Handschrift. Beides wurde aufgegeben. Esprit hat die alten Kunden vergrault und neue nicht schnell genug gewonnen.
Woran lag das?
Esprit stand für moderne Klassik, für hohe Qualität. Jetzt sehe ich: Modisches Zeug, das kommt und geht. Da weiß keiner, dass es von Esprit kommt oder wofür Esprit steht.
Warum haben Sie da als Aufsichtsrat nicht eingegriffen?
Ich habe versucht, was ich konnte. Aber man hat nicht mehr auf mich gehört. Ronald van der Vis kam als neuer Chef und wollte alles anders machen. Man hat ihn gelassen.
Was passierte dann?
Van der Vis hat lauter neue Leute reingeholt. Die alten, diejenigen, die die Marke aufgebaut haben, waren von dem neuen Kurs enttäuscht und sind gegangen. Was war ein großes Übel. So ein radikaler Wechsel ist sehr gefährlich.
Warum?
Eine Marke muss aufpassen, nicht in die Beliebigkeit zu rutschen. Wer gewinnt denn am Markt? Die Qualitätsunternehmen. Der Kunde fordert von Esprit Qualität. Sonst kann er ja gleich zu Kik gehen. Die Erfolgsformel ist, den Verbraucher zu verstehen, ihn zu beobachten, auf ihn zu hören.
Und das wollten Sie Ihrem Nachfolger vermitteln?
Van der Vis hatte keine Erfahrung in der Branche. Aber er ist kein dummer Mensch. Ich wollte einen weichen Übergang, ihn in den Job einführen. Aber er hörte nicht zu und hatte einen extremen Machtanspruch. Und der Aufsichtsrat hat ihn machen lassen. Man hat hier praktisch einem Piloten das Flugzeug übergeben, bevor er fliegen konnte.
Aber Sie waren doch auch im Aufsichtsrat.
Aber ich war dort allein. Mir wurde gesagt: Was Du sagt, ist ja alles schön und gut. Aber Du bist ja nicht mehr lang da. Wir müssen auf den Neuen setzen. Dann habe ich mich aus dem Gremium zurückgezogen. Ich spiele doch nicht den einsamen Mahner und kämpfe im Aufsichtsrat gegen meine Kollegen. Was soll das?
„Ich habe meine Aktien rechtzeitig verkauft“
Van der Vis sagt, er habe die Probleme von Ihnen geerbt.
Ich denke, die Zahlen sprechen für sich. Als ich 1993 zu Esprit kam, haben wir 100 Millionen Euro Umsatz gemacht, als ich ging 3,2 Milliarden. Der Aktienkurs erreichte unter meiner Führung zwölf Euro. Heute, nach knapp drei Jahren van der Vis, liegt er bei einem Euro.
Haben Sie viel Geld verloren?
Ich habe meine Aktien rechtzeitig verkauft. Als van der Vis keinen Rat annehmen wollte, bin ich als Aufsichtsrat gegangen. Ich gebe meinen guten Namen nicht für ein schlechtes Konzept her.
Was passierte seitdem?
Ich habe andere Aufgaben gefunden. Nach einer Weile haben mich immer mehr Großkunden von Esprit angerufen. Kaufhäuser, bei denen Esprit wie Blei im Regal lag. Und natürlich Investoren. Die hatten viel Geld investiert. Alle wollten wissen, was los ist. Und ob ich helfen kann.
Was haben Sie geantwortet?
Nein. Ich hatte ja nichts mehr zu sagen.
Lässt Sie Esprit also kalt?
Im Gegenteil. Mir blutet das Herz, wenn ich sehe, was aus der Marke geworden ist. Wenn ich das jetzt von außen beobachten muss, ist das sehr schmerzhaft.
Sehen Sie denn noch Hoffnung?
Esprit ist eine tolle Marke. Als ich 1993 kam lag Esprit auch am Boden. Nach 12 Monaten hatten wir das erste Wachstum. Wenn man an den richtigen Stellschrauben dreht ist, das kein Problem. Auch jetzt kann Esprit wieder aufsteigen. Das Gerüst ist da, der Name ist da, die Kunden sind da. Man kann die Marke wieder zurückbringen. Das Schlimme ist, dass Esprit drei Jahre verloren hat.
Würden Sie heute helfen?
Wenn ich gefragt würde? Es würde mir nicht leicht fallen, nein zu sagen. Man ist immer bereit wenn zu helfen, wenn man etwas aufgebaut hat, und das kommt in Probleme. Wichtig ist, wer der neue CEO wird. Ich kann das alleine nicht mehr, ich bin70 Jahre alt. Aber natürlich habe ich ein Wissen, das man nutzen kann.
























