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Absatzkrise: Kommunen wollen Frankreichs Autokonzerne retten

Quelle: Handelsblatt Online

Mit einem dramatischen Appell an Präsident Hollande werben Frankreichs Industriestädte um Unterstützung für die heimische Automobilindustrie. Doch die ist sich selbst nicht einig, ob sie gerettet werden will.

Renault ist gefangen in der Strategiefalle. Quelle: ap
Renault ist gefangen in der Strategiefalle. Quelle: ap

ParisFranzösische Industriezentren haben die neue Regierung von Präsident Francois Hollande in einem dramatischen Appell zur Rettung der strauchelnden Autobranche aufgerufen. 60 Kommunen mit Standorten der Automobil-Industrie fordern die Unterstützung des Staates bei einem grundlegenden Kurswechsel ihrer Branche, der sie im europäischen Wettbewerb wieder auf die Überholspur bringen soll. Die Regierung müsse den Verkauf von sparsamen Fahrzeugen energisch fördern und umweltschädliche Modelle deutlich höher besteuern, schrieben die Kommunalpolitiker in einem 67-seitigen Bericht, den die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte. Ansonsten drohe der Industrie mit rund 600.000 Beschäftigten ein fataler Niedergang.

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Der neue französische Industrieminister Arnaud Montebourg hat vor kurzem erklärt, die Regierung denke über weitere Hilfen für die angeschlagenen Autobauer nach, habe jedoch noch keine Entscheidung getroffen. Renault hatte zuvor angesichts der Branchenkrise die Wiedereinführung einer Abwrackprämie gefordert.

In ganz Europa befinden sich die Verkaufszahlen wegen der Schuldenkrise im Sinkflug. Darunter leiden vor allem Hersteller, die auf hohe Stückzahlen zu günstigen Preisen setzen - wie Renault und Peugeot. Diese beiden stecken auch auf ihrem Heimatmarkt in der Zange - die deutschen Hersteller haben den Luxusmarkt fest im Griff, während osteuropäische und asiatische Hersteller zunehmend das Billigsegment besetzen.

Auch Opel wird von der Branchenkrise schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die Bundesregierung wies jedoch den Vorstoß Montebourgs in der vergangenen Woche umgehend zurück. Höhere Steuern auf Premium-Fahrzeuge in Frankreich würden vor allem deutschen Herstellern wie Daimler und BMW das Geschäft erschweren.

In dem Bericht der Kommunen heißt es explizit, die Regierung müsse den französischen Automarkt "eindeutig feindseliger gegenüber großen Fahrzeugen mit hohem CO2-Ausstoß einstellen". "Wenn wir nicht energisch handeln, werden wir einen kritischen Punkt erreichen, an dem der Abschwung der Industrie in einen fatalen unumkehrbaren Teufelskreis mündet", schreibt die Gruppe der Auto-Kommunen, in der Finanzminister Pierre Moscovici den Vorsitz hat. "Großbritannien hat dies vor 20 Jahren erlebt und Italien erlebt es jetzt. Der französischen Autoindustrie droht diese Situation 2012."

Neue Hilfen für die Autoindustrie wären inmitten der Schuldenkrise eine zusätzliche Belastung für die öffentlichen Haushalte. Frankreich soll seine Neuverschuldung spätestens 2013 auf drei Prozent der Wirtschaftsleistung reduzieren. Auch die Hersteller selber sind sich jedoch nicht über den besten Weg einig. So lehnte etwa Peugeot eine neue Abwrackprämie als "künstliche" Hilfe ab.

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