Affäre um Sturmgewehr G36: Heckler & Koch wirft Bundesregierung Rufschädigung vor

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Affäre um Sturmgewehr G36: Heckler & Koch wirft Bundesregierung Rufschädigung vor

Der Waffenhersteller Heckler & Koch musste in den vergangenen Tagen wegen angeblich schief schießender Gewehre in erhitztem Zustand mächtig einstecken. Jetzt schlägt das Unternehmen zurück.

Der Waffenhersteller Heckler & Koch hat dem Verteidigungsministerium in der Affäre um das Sturmgewehr G36 Rufschädigung vorgeworfen und will nun das Bundeskriminalamt einschalten. Das BKA solle „alle erhobenen Vorwürfe und angeblichen Fachexpertisen“ zur Treffsicherheit des Gewehrs kriminaltechnisch überprüfen, verlangte das Unternehmen am Freitag in einer Stellungnahme. Ansprüche wegen Rufschädigung und Kreditgefährdung gegen die Bundesregierung würden geprüft.

„Nebulöse Vorwürfe schaden nicht nur dem Ruf unseres Unternehmens, sondern verunsichern vor allem unsere Soldatinnen und Soldaten im Einsatz und unterminieren die Glaubwürdigkeit unserer Einsatzkräfte gegenüber Deutschlands Alliierten“, heißt es in der Erklärung.

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Die Debatte um das G36

  • Das Gewehr

    Das Sturmgewehr G36 ist die Standardwaffe der Bundeswehr. Der Hersteller, das deutsche Rüstungsunternehmen Heckler & Koch, hat nach eigenen Angaben 178.000 Gewehre des Typs G36 an die deutsche Armee verkauft. Der Preis: Mehr als 180 Millionen Euro. Das Gewehr zeichnet sich nach Angabe der Bundeswehr durch „seine einfache Bauweise aus, sämtliche Hauptbaugruppen sind mit nur drei Haltebolzen am Waffengehäuse befestigt.“
    Quellen: Bundeswehr, Unternehmen, dpa

  • Die technischen Daten

    Das G36 wiegt 3,63 kg    und verfügt über ein Zielfernrohr sowie ein Reflexvisier. Es handelt sich um einen automatischen Gasdrucklader mit Drehkopfverschluss im Kaliber 5,56 x 45 Millimeter. Mit dem Gewehr können sowohl einzelne Schüsse als auch Feuerstöße abgegeben werden.

  • Der Vorgänger

    Das G36 löste das G3 ab, das sich seit 1959 im Einsatz bei der Bundeswehr befindet. Bei dem G3 handelt es sich um eine schwerere Waffe im größeren Kaliber 7,62 x 51 Millimeter.

  • Die Debatte

    Ende März 2015 hat die Bundeswehr Probleme bei der Treffsicherheit des G36 eingeräumt. „Das G36 hat offenbar ein Präzisionsproblem bei hohen Temperaturen aber auch im heißgeschossenen Zustand“, erklärte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen.  In den Jahren zuvor hatte es mehrere widersprüchliche Berichte über die Treffsicherheit des G36 gegeben. Unter anderem war die Munition für Ungenauigkeiten verantwortlichgemacht worden. Daraufhin hatte von der Leyen im Frühsommer 2014 eine Expertenkommission mit Vertretern der Bundeswehr, des Bundesrechnungshofs und des Fraunhofer-Instituts eingesetzt, um Klarheit zu schaffen. Der Abschlussbericht stand zum Zeitpunkt der Äußerungen noch aus.

  • Wo das G36 noch eingesetzt wird

    Das Sturmgewehr G36 von Heckler & Koch wird nicht nur von der Bundeswehr verwendet, sondern auch von Armeen anderer Staaten. In Lettland, Litauen und Spanien ist die Waffe nach Angaben der Bundeswehr ebenfalls als Standardgewehr der Armee im Einsatz. Verwendet wird das G36 zudem von Spezialeinheiten in Jordanien, Norwegen und Mexiko. Aus Bundeswehr-Beständen sind kürzlich G36-Sturmgewehre an die kurdischen Peschmerga-Einheiten im Nord-Irak geliefert worden. Die Kurden sollen damit gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kämpfen.

    Im spanischen La Coruña wurde das G36 in Lizenz von General Dynamics Santa Bárbara Sistemas hergestellt. 2008 erteilte die Bundesregierung außerdem eine Genehmigung zur Ausfuhr von Technologie für die Herstellung des Gewehrs in Saudi-Arabien. Diese Genehmigung sieht allerdings nach Angaben der Regierung nur eine Produktion für den Eigenbedarf der saudischen Sicherheitskräfte vor und keine autonome Fertigung ohne Zulieferung von Schlüsselkomponenten aus Deutschland.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte in der vergangenen Woche erklärt, dass bei einer gemeinsamen Untersuchung des Bundesrechnungshofs, des Fraunhofer Instituts und der Bundeswehr mangelnde Treffsicherheit des G36 in erhitztem Zustand festgestellt worden sei. Die Studie soll in den nächsten Tagen veröffentlicht werden. Die Bundeswehr hat in den vergangenen 20 Jahren 176 544 Sturmgewehre G36 bei Heckler & Koch gekauft, von denen nach Angaben des Ministeriums noch 166 619 genutzt werden.

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Das G36, die Standardwaffe der Bundeswehr, macht Schlagzeilen. Negative, natürlich. Viele Soldaten können die Aufregung nicht nachvollziehen. Doch die Debatte um das Gewehr zeigt, was bei der Armee schief läuft.

Bundeswehr-G36 auf einem Übungsplatz Quelle: dpa

Heckler & Koch wirft dem Ministerium vor, durch keine Stelle der Bundeswehr über die Vorwürfe informiert worden zu sein. Die Anschuldigungen weist das Unternehmen komplett zurück: „Es gilt unverändert, dass eine erhöhte Erwärmung des G36 nicht zu Funktionsstörungen oder gar dem Ausfall der Waffe führt.“

Das Unternehmen kritisiert auch die vom Ministerium geplante Kommission zur Aufklärung der Mängel. Ihr sollen der Grünen-Politiker Winfried Nachtwei und der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus angehören. Königshaus hatte die Affäre um das G36 durch Äußerungen zur Treffsicherheit mit ins Rollen gebracht.

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Heckler & Koch erklärt nun zur Zusammensetzung des Gremiums: „Mitglieder der Kommission sind aufgrund ihrer Nähe zur Bundeswehr nicht unabhängig und haben sich zum Teil bereits negativ in der Öffentlichkeit zum G36 geäußert.“ Deswegen sei eine vom Ministerium unabhängige Untersuchung notwendig.

Auch der Opposition reicht eine interne Untersuchung des Ministeriums nicht aus. Die Linke fordert einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss, die Grünen schließen die Einsetzung eines solchen Gremiums nicht aus. Die Opposition könnte einen Untersuchungsausschuss ohne Unterstützung der Koalition beschließen.

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