Agco-Chef Richenhagen: "Man ist wirklich am Lenkrad"

InterviewAgco-Chef Richenhagen: "Man ist wirklich am Lenkrad"

Bild vergrößern

Martin Richenhagen - der 61-Jährige ist seit 2004 Chef des drittgrößten Landmaschinenherstellers der Welt "Agco". Der gebürtige Kölner war früher Religionslehrer.

von Martin Seiwert und Angela Hennersdorf

Einst war er Religionslehrer, heute ist Martin Richenhagen Chef des drittgrößten Landmaschinenherstellers der Welt. Der Agco-Chef über deutsche Wurzeln und amerikanische Freiheiten.

WirtschaftsWoche: Herr Richenhagen, seit zehn Jahren arbeiten Sie in den USA. Vor zwei Jahren haben Sie die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen. Warum?

Richenhagen: Als Staatsbürger sind meine Erbschaftsteuern geringer. Außerdem bin ich flexibler. Ich habe jetzt beide Staatsbürgerschaften und kann mich so lange ich will in der EU und in den USA aufhalten.

Anzeige

Also nur ganz praktische Gründe, keine emotionalen?

Es ist schon gut, wenn man als CEO einer US-Firma Amerikaner ist. Noch immer werde ich von Amerikanern beglückwünscht, wenn ich erzähle, dass ich die Staatsbürgerschaft bekommen habe.

Fühlen Sie sich eher als Deutscher oder als Amerikaner?

Früher habe ich mich als Europäer gesehen, heute eher als Weltbürger. Ich bin ja immer irgendwo in der Welt unterwegs. Im Süden der USA fühle ich mich sehr wohl, das Leben ist angenehm. Man muss nur akzeptieren, dass man nicht in einem mittelalterlichen Ambiente einkaufen geht, sondern in einer Mall.

Stimmt das Bild von Amerika als Land der unbegrenzten Möglichkeiten?

Mir hat das Land viel geboten. Ich durfte hier zum ersten Mal ein börsennotiertes Unternehmen führen. Ich bin Chairman und CEO, also Vorstands- und Aufsichtsratschef in einer Person. Das ist sehr praktisch. Man ist wirklich am Lenkrad, kann gestalten. Wenn es nicht klappt, ist man allerdings schnell wieder weg, wie man bei den früheren deutschen Chefs von Blackberry oder SAP gesehen hat. Die durchschnittliche Haltbarkeitsdauer eines CEO hier ist zweieinhalb Jahre. In Deutschland ist es nicht so volatil.

Für Sie wurde der American Dream wahr. Als Religionslehrer gingen Sie in die Wirtschaft, heute sind Sie ein erfolgreicher Fortune-500-CEO. Wäre das auch in Deutschland möglich gewesen?

Das glaube ich schon. Es ist aber tatsächlich so, dass man in den USA offener ist für Menschen mit anderem Hintergrund. Unser deutscher Bäcker in Atlanta ist eigentlich Kfz-Mechaniker. So etwas haben Sie in Deutschland nicht, wo die Handwerksberufe strikt reglementiert sind. Der Nachteil hier ist, dass viele Handwerker keine Ahnung haben von dem, was sie tun.

Finden Sie bei Agco genügend qualifizierte Mitarbeiter in den USA?

Man muss etwas genauer hinschauen als in Deutschland, wo die Mitarbeiter in der Regel ihr Handwerk beherrschen, wenn sie eine Ausbildung absolviert haben.

Der Börsenwert von Agco hat sich seit Ihrem Amtsantritt 2004 verfünffacht. Wäre das auch passiert, wenn Agco seinen Sitz in Deutschland hätte?

Das ist möglich, so unterschiedlich sind die Verhältnisse nicht. Aber die Aktienkultur in den USA hat uns sicherlich geholfen. In Zukunft werden die niedrigeren Energiekosten auch ein Vorteil sein. Eine Reihe ausländischer Unternehmen wollen deshalb hier ihre Kapazitäten ausbauen.

Sind auch die bürokratischen Hürden für Unternehmen in den USA niedriger?

Baugenehmigungen zum Beispiel bekommt man schneller. Es gibt insgesamt weniger Bürokratie, aber die Lage verschlechtert sich gerade: Die Steuern steigen, der bürokratische Aufwand auch, die Gesundheitsreform bringt zusätzliche Lasten für Unternehmen. Ich bin dafür, dass jeder Amerikaner eine vernünftige Krankenversicherung bekommt, aber das darf nicht zulasten der Unternehmen gehen. Insgesamt hat sich unter Präsident Barack Obama die Stimmung in der Wirtschaft verschlechtert. Amerika ist heute kein Niedrigsteuerland mehr. Und es gibt wenig Hoffnung, dass Washington die Probleme angeht, denn die Regierung ist weitgehend blockiert. Das liegt vor allem an den Tea-Party-Leuten, die lieber über Glaubensfragen streiten, als sich mit politisch wichtigen Dingen zu befassen. Man muss befürchten, dass das bis zur nächsten Wahl so bleibt.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%