Air Berlin: Mehdorn bleibt Chef, Verlust steigt

16. März 2012
Der Vorstandsvorsitzende der Fluggesellschaft Air Berlin, Hartmut Mehdorn. Mehdorn bleibt bis Ende 2013 Vorstandschef von Air Berlin. Quelle: dapdBild vergrößern
Der Vorstandsvorsitzende der Fluggesellschaft Air Berlin, Hartmut Mehdorn. Mehdorn bleibt bis Ende 2013 Vorstandschef von Air Berlin. Quelle: dapd

Die Fluggesellschaft Air Berlin hat das abgelaufene Jahr mit einem höheren Verlust als erwartet abgeschlossen. Grund sind gestiegene Kosten für Sprit und die höhere Steuerbelastung.

Wegen höherer Treibstoffpreise und der schnellen Expansion der vergangenen Jahre ist Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin im vergangenen Jahr noch tiefer in die Verlustzone gerutscht. Zugleich wurden höhere Kosten für die Einführung eines Restrukturierungsprogramms bilanziert, mit dem die Kostenbasis insgesamt verbessert werden soll. Wie das Unternehmen am Freitag mitteilte, vergrößerte sich der Nettoverlust auf 265,6 Millionen Euro nach 97,2 Millionen Euro im Vorjahr, und zwar bei einem um 14 Prozent gewachsenen Umsatz von 4,23 Milliarden Euro. Im Mittel hatten von Bloomberg befragte Analysten einen Jahresverlust von 169 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Der operative Verlust (EBIT) erhöhte sich den Angaben zufolge von 9,3 auf 247 Millionen Euro.

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Air Berlin gehört mittlerweile zu fast 30 der Fluggesellschaft Etihad Airways aus Abu Dhabi. Im Dezember hatte sich die stark wachsende Gesellschaft mit einem Finanzierungspaket von 350 Millionen Dollar an Air Berlin beteiligt. Etihad setzt damit für den Eintritt in den scharf regulierten deutschen Markt auf einen etablierten Anbieter. Eine Aktieninvestition von 105 Mill. Euro soll sich für Etihad innerhalb von zwei Jahren auszahlen.
Air Berlin hat auf die höheren Kosten bereits mit Streckenstreichungen und weniger Flügen reagiert, kappte die Kapazität um mehr als eine Mill. Sitze und will damit 250 Mill. Euro einsparen sowie Schulden im Umfang von 50 Mill. Euro bedienen. Zugleich war die Lieferung von 19 bestellten Flugzeugen in den Jahren 2012 und 2013 zunächst auf Eis gelegt worden. Überdies soll die Schließung der Standorte in Dortmund und Erfurt weitere 508 Mill. Euro an Ausgaben einsparen.

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Der Marktführer Deutsche Lufthansa AG hatte bereits am 7. Februar wegen der hohen Kosten für Treibstoff einen Gesamtjahresverlust von 13 Millionen Euro verzeichnet.

Unternehmenschef Hartmut Mehdorn hatte angekündigt 2013 wieder schwarze Zahlen schreiben zu wollen. Der ehemalige Bahn-Chef, der im Spätsommer das Steuer von Firmengründer Joachim Hunold übernommen hatte, hat dem Konzern dazu einen scharfen Sparkurs verordnet. Die Fluglinie, die nach Jahren schneller Expansion einen Schuldenberg von mehr als 800 Millionen Euro zum Jahresende angehäuft hat, dünnt ihr Streckennetz aus und verschiebt die Bestellung neuer Flugzeuge.

Für 2012 hat Air Berlin bislang noch keine Prognose abgegeben. Das Unternehmen kündigte jedoch an, im ersten Quartal trotz höherer Belastungen durch den Kerosinpreis ein besseres Ergebnis als im Vorjahresquartal erzielen zu wollen. „Die Performance in allen Bereichen steigt sichtbar, die Talsohle ist damit durchschritten“, sagte Mehdorn.

Mehdorn bleibt Chef
Gleichzeitig wurde bekannt, dass Hartmut Mehdorn bis Ende 2013 Vorstandschef von Air Berlin bleibt. Diesen Beschluss des Aufsichtsrats der Air Berlin gab Mehdorn selbst am Freitag in einem Mitarbeiterbrief bekannt,
der der Nachrichtenagentur dapd vorliegt. Der Aufsichtsrat habe „meinen Executive-Kollegen und mir“ am vergangenen Montag das Vertrauen ausgesprochen, schrieb der 69-Jährige. Das Gremium stehe zu den vom Vorstand eingeleiteten Maßnahmen zur Steigerung der Profitabilität. „Um diesen eingeschlagenen Kurs erfolgreich und konsequent weiterzuführen, wurde ich gebeten, meine Funktion als CEO der Air Berlin bis Ende
2013 fortzusetzen.“ Damit solle auch Ruhe in die öffentliche Diskussion gebracht werden.

Mehdorn saß seit 2009 selbst im Aufsichtsgremium von Air Berlin. Als Firmengründer Joachim Hunold im Sommer 2011 als Chef der Fluggesellschaft zurücktrat, übergab er das Amt an Mehdorn. Der frühere Bahnchef hatte die Dauer des Verbleibs im Amt bisher offen gelassen, was Nachfolgespekulationen genährt hatte. Nun schrieb er: „Bis zur Wahl meines Nachfolgers werde ich Sie alle bei den anstehenden Herausforderungen mit aller Kraft unterstützen.“

dapd

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