Airbus-Chef Tom Enders: "In freien Gesellschaften gibt es keine absolute Sicherheit"

InterviewAirbus-Chef Tom Enders: "In freien Gesellschaften gibt es keine absolute Sicherheit"

von Rüdiger Kiani-Kreß

Nach dem Attentat auf Charlie Hebdo fordert Airbus-Chef Tom Enders von allen deutschen Unternehmen, klar Stellung zu beziehen und ihre Sicherheitsvorsorge zu verbessern.

WirtschaftsWoche: Herr Enders, was geht das Attentat Ihr Unternehmen und die deutsche Wirtschaft an?

Tom Enders: Angriffe auf Journalisten oder Publikationen sind Angriffe gegen die Pressefreiheit und Demokratie. Das richtet sich gegen uns alle, gegen die Grundlagen unserer Ordnung und damit auch gegen unsere Wirtschaftsverfassung. Deshalb können sich Unternehmen nicht wegducken, sondern müssen klar Position beziehen.

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Welche Folgen hat das Attentat für Ihr Unternehmen oder die deutsche Wirtschaft?

Etwa ein Drittel unserer Belegschaft lebt und arbeitet in Frankreich. Deshalb ist die Betroffenheit bei uns besonders groß. Aber darüber hinaus sind wir ein Unternehmen mit vielen internationalen Mitarbeitern, auch außerhalb Europas. Wir fühlen uns der Idee multinationaler und multikultureller Kooperation besonders verpflichtet. Insofern ist der Schock über das Attentat und das Mitgefühl mit den Angehörigen der Opfer und der Redaktion von Charlie Hebdo bei uns überall zu spüren.

Über die Folgen des Anschlags möchte ich jetzt nicht weiter spekulieren. Aber es ist klar, dass wir unsere eigene Sicherheitsvorsorge auf den Prüfstand stellen müssen. Fest steht aber auch: in freien und offenen Gesellschaften gibt es keine absolute Sicherheit. Das sollten wir uns von niemandem vorgaukeln lassen.

Die wichtigsten Fakten zu "Charlie Hebdo"

  • Die Satire-Zeitung

    Die französische Satire-Zeitung im Zentrum des Terroranschlags von Paris arbeitet mit Provokationen: „Charlie Hebdo“ macht sich über Päpste und Präsidenten lustig - und auch über den Propheten Mohammed. Die Wochenzeitung, die am Mittwoch einem Angriff mit mindestens zwölf Toten zum Opfer fiel, rief mit Karikaturen des hoch verehrten Propheten in der islamischen Welt immer wieder Empörung hervor.

  • Der erste Anschlag

    Im November 2011 waren die Büros der Zeitung Ziel eines Brandbombenangriffs, nachdem sie eine Ausgabe publiziert hatte, in der Mohammed „eingeladen“ wurde, ihr Gastredakteur zu werden. Auf der Titelseite: eine Karikatur des Propheten.

  • Weitere Karikaturen

    Ein Jahr später veröffentlichte die Zeitung inmitten der Aufregung über einen islamfeindlichen Film weitere Mohammed-Zeichnungen. Die Karikaturen stellten Mohammed nackt und in erniedrigenden oder pornografischen Posen dar. Während die Emotionen hochkochten, nahm die französische Regierung die Redefreiheit in Schutz. Gleichzeitig warf sie „Charlie Hebdo“ vor, Spannungen zu schüren.

  • Die politische Orientierung

    Die Zeitung mit niedriger Auflage tendiert politisch betrachtet zum linken Spektrum. Sie ist stolz, mit Karikaturen und parodierenden Berichten Kommentare zum Weltgeschehen abzugeben. „Wir gehen mit den Nachrichten wie Journalisten um“, sagte ein Karikaturist mit Namen Luz 2012 der Nachrichtenagentur AP. „Einige nutzen Kameras, einige nutzen Computer. Für uns ist es ein Papier und Bleistift“, sagte er. „Ein Bleistift ist keine Waffe. Er ist einfach ein Äußerungsmittel“, meinte er.

  • Der Chefredakteur über Karikaturen

    Chefredakteur Stéphane Charbonnier, der bei dem Anschlag am Mittwoch getötet wurde, hatte die Mohammed-Karikaturen ebenfalls verteidigt. „Mohammed ist mir nicht heilig“, sagte er 2012. „Ich mache Muslimen keine Vorwürfe dafür, dass sie nicht über unsere Zeichnungen lachen. Ich lebe unter französischem Gesetz“, ergänzte er. „Ich lebe nicht unter Koran-Gesetz.“

  • Charbonniers letzte Karikatur

    Eine von Charbonniers letzten Karikaturen, die in der dieswöchigen Ausgabe von „Charlie Hebdo“ veröffentlicht wurde, scheint in Anbetracht der Ereignisse wie eine unheimliche Vorahnung. „Noch immer keine Anschläge in Frankreich“, sagte ein Extremisten-Kämpfer darin. „Warte - wir haben bis Ende Januar, um unsere Neujahrswünsche vorzubringen.“

Was kann Ihr Unternehmen oder die deutsche Wirtschaft dazu beitragen, die Einhaltung der westlichen Freiheiten zu fördern?

Es wäre jetzt zunächst ein wichtiges Zeichen, das Überleben von Charlie Hebdo zu sichern. Westliche Freiheiten fördert man nämlich am besten, indem wir sie täglich leben und dabei keine Kompromisse machen. Dazu gehört auch Offenheit gegenüber anderen Kulturen. Denn: Wir global tätigen Unternehmen brauchen Menschen und Ideen aus unterschiedlichen Kulturkreisen, um erfolgreich zu sein.

Weitere Artikel

Was kann Integration dazu beitragen, was kann Ihr Unternehmen/die deutsche Wirtschaft hier leisten?

Wenn es uns gelingt, Menschen mit Respekt zu behandeln, ihnen Jobs anzubieten, Integration in Wirtschaft und Gesellschaft zu schaffen, dann hätten wir schon einen wichtigen Beitrag gegen Terror geleistet. Denn mit Polizei und Justiz allein wird es nicht gehen.

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