Airbus, Siemens, Maschinenbau: Der Iran geht wieder auf Einkaufstour

Airbus, Siemens, Maschinenbau: Der Iran geht wieder auf Einkaufstour

, aktualisiert 27. Februar 2017, 10:07 Uhr
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Seit dem vergangenen Sommer legt die iranische Nachfrage nach deutschen Exporten rasant zu.

Quelle:Handelsblatt Online

Maschinen, Kompressoren und Flugzeuge: Nachdem die Sanktionen aufgehoben sind, geht der Iran wieder auf Einkauftour. Die Nachfrage nach deutschen Produkten wächst stark. Nur mit dem Bezahlen könnte es schwierig werden.

FrankfurtEin Jahr nach Aufhebung der Atom-Sanktionen nimmt der deutsche Export in den Iran allmählich Fahrt auf. Die Nachfrage nach Maschinen „Made in Germany“ wächst, und mit dem steigenden Ölpreis verdienen die Iraner bald auch wieder das notwendige Geld für ihre Einkäufe. Aber jetzt kommt Donald Trump.

Der US-Präsident wettert gegen das Atom-Abkommen mit der Islamischen Republik, diese reagiert mit einem Raketentest. „Die deutsche Wirtschaft blickt mit Sorge auf die verbalen Attacken zwischen den USA und Iran. Eine Verschärfung der Rhetorik kann jetzt dazu führen, dass Investitionen nicht getätigt werden“, sagt Volker Treier, Außenwirtschaftschef des Industrie- und Handelskammertages (DIHK).

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Waren im Wert von 1,2 Billionen Euro haben deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr exportiert. Nur zwei Promille davon gingen in den Iran. Aber immerhin stiegen die Ausfuhren von 2,0 auf 2,6 Milliarden Euro, und seit dem vergangenen Sommer legt die Nachfrage rasant zu. „Wenn es weiter so läuft, könnten dieses Jahr 3,5 Milliarden erreicht werden“, sagt Ifo-Außenhandelsexperte Erdal Yalcin.

Airbus hat soeben das erste von 100 bestellten Flugzeugen an Iran Air ausgeliefert - die Fluggesellschaft will dafür insgesamt 18 Milliarden Euro überweisen. Dass der Iran im Dezember auch in den USA 80 Boeing-Flugzeuge bestellt hat, macht Experten Hoffnung: „Mit dem Auftrag haben 100.000 Menschen in Seattle und bei Zulieferern mittelfristig Arbeit. Das muss Trump mit abwägen“, sagt Yalcin.

Stark angezogen hat die iranische Nachfrage nach deutschen Maschinen und Anlagen. Der Nachholbedarf ist enorm. Siemens zum Beispiel lässt demnächst Gasturbinen und Lokomotiven im Iran in Lizenz bauen und hat eine Absichtserklärung für die dringend notwendige Modernisierung der Bahn-Infrastruktur unterzeichnet - das Volumen wird auf 1,4 Milliarden Euro geschätzt.

Ölraffinerien sind „so marode, dass der Iran sogar Benzin aus den Vereinigten Arabischen Emiraten importieren musste“, sagt Yalcin. Da hat sich einiges aufgestaut. Die deutschen Ausfuhren sind laut Verband der Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) schon um etwa 30 Prozent auf rund 700 Millionen Euro gestiegen.

Allerdings ist der Iran knapp bei Kasse. „Das Land fährt seit Jahren Defizite“, sagt Yalcin. „Für Kunden in dem Land ist es nicht so einfach, Kredite zu bekommen“, sagt Klaus Friedrich, Außenwirtschaftsexperte des VDMA. „Nachfrage und Interesse an deutschen Maschinen sind groß, aber die Umsetzung ist auch auf iranischer Seite oft schwierig.“


Viele Banken fürchten US-Strafen

Gerne würden die Iraner mehr auf Pump einkaufen. Seit das Land seine Altschulden endlich beglichen hat, gibt die Bundesrepublik auch wieder Hermes-Bürgschaften für Exporte – das löste im vergangenen Sommer einen Schub aus. Aber viele Banken geben für Iran-Geschäfte keine Kredite und wickeln den Zahlungsverkehr nicht ab. Sie befürchten Strafen in den Vereinigten Staaten, wo einige Sanktionen weiter in Kraft sind. „Unternehmen haben es daher nach wie vor schwer, Finanzierungsquellen für ihr Investitionsgeschäft in schwierigen Märkten aufzutreiben“, sagt Treier.

Vor allem mittelständische Betriebe könnten einen größeren Auftrag aus dem Iran jedoch kaum allein stemmen, heißt es aus Industriekreisen. Das Ausfallrisiko ist laut OECD und Euler Hermes immer noch hoch. Und wenn Trump eine härtere Gangart einschlägt, könnten die Zahlungsströme abrupt abbrechen, erklärt Yalcin.

Nach dem Maschinen- und Anlagenbau hat die Chemie- und Pharmaindustrie den größten Anteil am deutschen Iran-Export. „Im Pharmasektor ist eine gewisse Stagnation da“, sagt der Ifo-Forscher. Anders als bei der Infrastruktur habe sich beim Arznei-Bedarf keine Nachfrage aufgestaut. Und Investitionen in Werke im Iran stünden wegen des unsicheren Umfelds nicht im Vordergrund.

Deutschlands Wirtschaft ist noch weit davon entfernt, wieder einer der wichtigsten Handelspartner des Landes zu sein. China, Indien, die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate haben in den Sanktions-Jahren ihre Geschäfte mit dem Iran ausgebaut. Ob sich die Hoffnung der deutschen Wirtschaft erfüllt, ihre Exporte in den nächsten Jahren auf zehn Milliarden Euro zu steigern, scheint fraglich. Theoretisch vielleicht, wenn sämtliche Sanktionen vom Tisch wären - „entscheidende Bedingung ist dann aber, dass der Ölpreis von heute 50 auf 90 Dollar steigt“, sagt Yalcin. „Das ist ein fundamentales Problem. Denn 60 Prozent des iranischen Staatshaushalts sind vom Öl und Gas abhängig.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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