Airbus: Tom Enders baut um

, aktualisiert 27. Februar 2015, 08:00 Uhr
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Airbus-Chef Tom Enders stellt am Freitag die Bilanz vor

von Stephan Happel

Bei Airbus fliegt auch, was keine Flügel hat - und zwar raus. Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern baut um, will Abteilungen ausgliedern oder verkaufen. Am Tag der Bilanzpräsentation warnt der Betriebsrat vor den Umbauplänen.

In der Öffentlichkeit kam die Airbus Gruppe 2014 nicht nur gut weg: Beim Transportflieger A400M und dem Helikopter NH90 häufen sich die Pannen. Bei der Frage, wer an den Debakeln schuld sei, liefert sich das europäische Rüstungsunternehmen öffentliche Schlagabtausche mit der Bundesregierung. Den Riesenflieger A380 wollen bislang so wenig Kunden, dass führende Manager laut über dessen Aus nachdenken - nur damit die Konzernspitze kurz darauf eilig und vehement zurückrudern kann.

Auf dem Papier sieht es besser aus: Airbus kann 2014 ein Rekordjahr verbuchen. Der Umsatz legte um fünf Prozent auf 60,7 Milliarden Euro zu, der operative Gewinn (Ebit) stieg um gut die Hälfte auf rund vier Milliarden Euro. Der Gewinn nach Steuern kletterte binnen Jahresfrist auf gut 2,3 Milliarden Euro von zuvor 1,5 Milliarden. Die Aktionäre sollen 1,20 Euro je Aktie an Gewinnbeteiligung bekommen, fast zwei Drittel mehr als zuletzt.

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Nicht nur der vergleichsweise schwache Euro macht dieses Ergebnis möglich. Zugleich fielen 2014 auch teure Einmaleffekte für den Konzernumbau und die Fertigstellung des A350 weg. Auch der Verkauf von Anteilen am französischen Luftfahrtkonzern Dassault glich Verluste aus.

Gut läuft es für die Airbus Gruppe vor allem im Bereich der zivilen Luftfahrt. Für das vergangene Jahr verzeichnete Airbus Rekorde, sowohl bei der Produktion neuer Flieger als auch beim Eingang von Aufträgen. Ende des Jahres lieferte der Konzern das erste Exemplar seines neuen Hoffnungsträgers A350 an Qatar Airways aus.


Kleiner Wermutstropfen: Auch bei Konkurrent Boeing brummt das Geschäft. In manchen Bereichen vergrößert der US-Konzern seinen Vorsprung sogar. Und bis Airbus mit seinem A350 den Erfolg des Konkurrenzprodukts Dreamliner 787 erreicht, werden noch Jahre vergehen.

Schlechter steht es um die Rüstungssparte. Qualitätsmängel und Auslieferungsverzögerungen bei Milliardenprojekten wie dem Militärhubschrauber NH90 und den Transportfliegern machen dem Unternehmen zu schaffen, weil es auf die Bezahlung warten und Fehler zunächst auf eigene Kosten ausmerzen muss. Konzernchef Tom Enders sah sich kürzlich gezwungen, sich öffentlich für die Pannen beim Militärtransporter A400M zu entschuldigen. „Wir haben nicht die Leistung abgeliefert, die wir uns gewünscht haben“, sagte Enders jüngst. Bei der Bilanzvorstellung am Freitag wurden nun die Kosten offengelegt: Sie schlagen mit 551 Millionen Euro im vierten Quartal zu Buche.

Der Streit ums Geld tobt an mehreren Fronten: Beim A400M etwa denkt die deutsche Bundesregierung über die Forderung von "Kompensationsleistungen" für die verzögerte Lieferung nach. Airbus fordert derweil Entschädigung, weil die Bundeswehr weniger Kampfjets des Typs "Eurofighter" nimmt, als einst geplant.

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Klar ist, dass sich der Konzern vom gleichberechtigten Nebeneinander von Zivil- und Rüstungssparte verabschieden will. Standorte sollen geschlossen, ganze Bereiche neu aufgestellt werden. Der Fokus verschiebt sich in Richtung Verkehrsluftfahrt. Airbus will Segmente und Technologien aus dem Bereich Verteidigungs- und Sicherheitselektronik ausgliedern und teilweise an ausländische Investoren verkaufen.

Davon wären in Deutschland die Standorte Ulm, Friedrichshafen und Unterschleißheim betroffen, an denen tausende Mitarbeiter des Konzerns tätig sind. Nun werden die Pläne offenbar konkreter. Wie die ARD berichtet, sorgt sich der Betriebsrat in einem Schreiben, dass an den Standorten "gewachsene und funktionsfähige Strukturen in Gefahr sind."

Airbus beschäftigt weltweit mehr als 144.000 Menschen. Für das laufende Jahr peilt Vorstandschef Thomas Enders erneut mehr Umsatz und Gewinn an. Auch die Dividende soll weiter steigen.

Mit Material von dpa und Reuters

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