Aktie auf Talfahrt: Airbus schockt mit A350-Verspätung

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Aktie auf Talfahrt: Airbus schockt mit A350-Verspätung

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Die Airbus-Aktie ging am Mittwochabend mit minus zehn Prozent aus dem Handel und war Schlusslicht im deutschen MDax und im französischen Index CAC 40.

Hiobsbotschaften von Airbus: Erst verspätet sich die Auslieferung des A350, dann spricht der Vorstand beim Investorentag vom möglichen Ende für den weltgrößten Passagierjet A380. Die Aktie fällt um zehn Prozent.

Airbus hat sich unerwartet zurückhaltend zur kommenden Gewinnentwicklung geäußert und seine Aktien damit auf Talfahrt geschickt. Konzernchef Tom Enders sagte auf einer Investorenkonferenz, Zuwächse beim operativen Kern-Gewinn seien wohl ab 2017 zu erwarten. Einige Analysten gingen bislang davon aus, dass der Boeing-Rivale die Früchte aus Neuentwicklung und Überarbeitung seiner Flugzeuge schon ein Jahr früher ernten kann. Airbus erklärte zudem, der neue Langstreckenflieger A350 werde entgegen der Planung noch nicht am Samstag an Qatar Airways ausgeliefert, wohl aber noch in diesem Jahr. Der Kunde hatte erklärt, die Maschine am Samstag nicht abzunehmen. Die Zukunft des Großraumfliegers A380 blieb zudem offen.

Die Problemzonen der Airbus Group

  • Geschäftsfeld Großraumflugzeuge

    Im Kerngeschäft Ziviljets lebt Airbus fast nur von den A320-Mittelstreckenfliegern. Auf der Langstrecke bringt nur das älteste Modell A330 Geld. Der neue A350 wird netto erst nach 2020 Gewinn abwerfen, der Superjumbo A380 wohl nie.

  • Geschäftsfeld Rüstung

    Kampfjets und Raketen bringen viel Profit. Doch ab 2018 fehlen neue Aufträge. Für die Drohne Talarion fand Airbus keine Kunden, und das Geschäft mit Grenzsicherung wirft weniger ab als erwartet.

  • Organisation

    Die Airbus Group wurde 2000 als EADS gegründet. Dabei wurden völlig unterschiedliche Unternehmen zusammengeworfen, die schon in ihren vier europäischen Heimatländern kaum kooperierten. Trotz mehrerer Umstrukturierungen werkeln Firmenteile weiter vor sich hin, gibt es Doppelarbeiten und kaum Synergien.

  • Politik

    Seit der Airbus-Gründung kämpfen Frankreich und Deutschland darum, mehr High-Tech-Jobs als der andere zu bekommen. Dazu vergeben sie Aufträge und Anlauffinanzierungen. Paris versuchte auch schon, die Mehrheit am Konzern zu erlangen.

  • Enders' Fehler BAE

    Eine Fusion mit dem britischen Rüstungskonzern BAE schien ideal: Sie rettete Airbus das Waffengeschäft und half bei der Globalisierung. Doch Enders hatte unterschätzt, wie viel politisches Porzellan er mit seiner schroffen Art in Berlin zerschlagen hatte. Berlin legte sein Veto ein.

  • Enders' Übermut

    2008 wollte Enders Airbus-Werke an Zulieferer verkaufen. Der Deal platzte, weil er den Käufern auch einen Teil des Wechselkursrisikos aufbrummen wollte.

Airbus-Aktien verloren 10,4 Prozent - der größte Tagesverlust der vergangenen sechs Jahre.

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Der A350 soll den A330 ersetzen. Airbus hatte bereits angekündigt, die A330-Produktion um zehn Prozent auf neun Stück pro Monat zu senken. Nun hieß es, es könne 2016 zu einer weiteren Kürzung kommen, deren Umfang noch unklar sei. Das deutet darauf hin, dass es Airbus schwer fällt, Käufer für das aktuelle Modell zu finden, bevor 2017 das überarbeitete Modell A330neo kommen soll. "Die kritischen Jahre sind 2016 und 2017", sagte Enders auf der Investoren-Konferenz. Einige Analysten hatten bei Airbus schon 2016 prozentual zweistellige Gewinnzuwächse erwartet. Der Branchenexperte Rob Stallard sagte, die Übergangsphase von alten zu neuen Modellen habe offenbar größere Auswirkungen als bislang gedacht.

Zur Verzögerungen beim A350 sagte Enders, die Maschine sei fertig und stehe auf dem Rollfeld. Er sei zuversichtlich, dass sie schon bald ausgeliefert werde. Qatar ist der wichtigste Kunde für das extrabreite Flugzeug. In der Vergangenheit hat die Fluggesellschaft mehrfach aus Qualitätsgründen die Annahme neuer Maschinen von Airbus oder Boeing abgelehnt. Auch beim Airbus-Riesenjet A380 gab es bei Qatar einst eine dreimonatige Verzögerung.

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Mit Blick auf das größte Flugzeug der Welt ist Airbus aber weiterhin nicht euphorisch. Enders sagte, eine Entscheidung über die Zukunft des A380 werde es kurz- bis mittelfristig geben und sie werde sich an wirtschaftlichen Erwägungen orientieren. Reuters hatte bereits vor einem Jahr berichtet, Airbus ziehe drei Möglichkeiten für den Großraumflieger in Betracht: eine Kürzung der Produktion, Investitionen in eine verbesserte Version oder die Einstellung jeglicher weiterer Verkaufsversuche. Das würde bedeuten, dass nur noch die Maschinen gebaut werden, für die es schon Aufträge gibt.

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