AKW-Abschaltung in Japan: Die Folgen des radikalsten Atomausstiegs der Welt

AKW-Abschaltung in Japan: Die Folgen des radikalsten Atomausstiegs der Welt

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Innerhalb von 14 Monaten von 27 auf 0 Prozent Atomstromanteil: Am Samstag wurde das Reaktorblock 3 des Kraftwerks in der Stadt Tomari abgeschaltet.

Nippon hat das letzte von 50 AKWs still gelegt. Die Auswirkungen des Radikalausstiegs sind gravierend. Die Frage, ob die Meiler wieder angeschaltet werden sollen, spaltet Politik und Unternehmen.

Wie bei Goethes Faust wohnen zwei Seelen in der Brust von Yukio Edano. Einerseits ist Japans Wirtschaftsminister gegen Atomkraft. „Am liebsten möchte ich unsere Abhängigkeit vom Atomstrom auf null verringern“, gestand der 47-jährige Politiker kürzlich.

Andererseits gab sich der Minister, der auch für die Energieversorgung des Landes zuständig ist, nur wenige Tage später vom Gegenteil überzeugt. Beim gegenwärtigen Zustand der japanischen Wirtschaft sei Atomkraft eine „notwendige“ und „wichtige“ Stromquelle.

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Rein oder raus – wie Wirtschaftsminister Edano geht es dem ganzen Kaiserreich seit den Kernschmelzen von Fukushima im Frühjahr 2011. Innerhalb von 14 Monaten ist der Anteil der Atomkraft an der Stromversorgung von 27 auf 0 Prozent geschrumpft. Das erste Mai-Wochenende wird zum historischen Datum. Mit dem Abschalten von Reaktorblock 3 des Kraftwerks in der Stadt Tomari auf der Hauptinsel Hokkaido steht Japan ohne ein einziges Watt Atomstrom da. Stattdessen laufen die Turbinen in Kraftwerken für Öl, Gas und Kohle auf vollen Touren.

Doch die Folgen sind gravierend. Nicht nur, dass jede nicht dringend notwendige Reparatur an den herkömmlichen Stromfabriken verschoben wird, damit bloß der Saft reicht. Als Konsequenz aus der AKW-Abschaltung bläst die Pazifiknation in diesem Jahr nach einer offiziellen Schätzung 5,5 Prozent mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre als im Vorjahr. Dennoch zweifeln die Japaner so stark an der Sicherheit ihrer 50 Reaktoren, dass es nicht ohne Weiteres einen Neustart der Meiler geben wird.

Der totale Atomausstieg sei „Massenselbstmord“

Der Stillstand könnte das Wirtschaftswachstum des ganzen Landes bedrohen. Nach einer Berechnung des staatlichen Instituts für Energieökonomie könnte Japans Volkswirtschaft um fast zwei Prozent wachsen, wenn die Hälfte der Atomkraftwerke bis zum Sommer wieder in Betrieb genommen wird. Andernfalls stagniere die Wirtschaft. Ohne Atomenergie drohe Japan eine schwerwiegende Deindustrialisierung, warnte gar Nobuo Tanaka, Ex-Geschäftsführer der Internationalen Energieagentur. Einer der Chefstrategen der regierenden Demokratischen Partei, Yoshito Sengoku, verglich den Ausstieg aus der Atomenergie gar martialisch mit „Massenselbstmord“.

Was der weltweit radikalste Ausstieg aus der Atomkraft bewirkt, bekommen Japans Unternehmen fast täglich zu spüren. Die Stromversorger etwa stehen finanziell am Abgrund, weil die Abschaltung der Reaktoren sie zum Einkauf teurer Ersatzbrennstoffe zwingt. Die explodierenden Kosten drücken die Konzerne tief in die roten Zahlen. Als erster Versorger hat jetzt der Fukushima-Betreiber Tokyo Electric Power Company (Tepco) die Regierung um eine Milliardenkapitalspritze gebeten und muss sich im Gegenzug staatlicher Aufsicht unterwerfen. Zugleich kämpft das produzierende Gewerbe bereits zum zweiten Mal seit dem Atomdesaster mit Energiemangel. Während der Sommermonate lassen sich in wichtigen Industrieregionen Verbrauchsbeschränkungen kaum noch verhindern. Auch Blackouts hält Minister Edano für möglich. Selbst wer das für kalkulierte Panikmache hält: Allein der rasch steigende Strompreis bringt viele kleine und mittelständische Betriebe in Existenznot.

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