AKW Philippsburg: Die wichtigsten Fragen zur Atom-Panne

AKW Philippsburg: Die wichtigsten Fragen zur Atom-Panne

, aktualisiert 14. April 2016, 14:38 Uhr
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Wie gefährlich sind die deutschen Kernkraftwerke?

von Jürgen FlaugerQuelle:Handelsblatt Online

Die Betreiber von Atomkraftwerken betonen stets die hohen Sicherheitsanforderungen in ihren Anlagen. Im AKW Philippsburg von EnBW ist jetzt aber eine bedenkliche Panne passiert. Die wichtigsten Fragen zu dem Fall.

DüsseldorfVor mehr als zehn Jahren gab der damalige Chef der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW), Utz Claassen, ein markiges Versprechen ab. In den Kernkraftwerken des Konzerns gelte ab sofort eine „Null-Fehler/Null-Toleranz-Politik“. Kurz zuvor hatte es eine Panne in einem Kernkraftwerk gegeben. Kontaminiertes Wasser war in den Neckar gelangt. Die Botschaft von EnBW damals war klar: So etwas wird nicht wieder vorkommen, der Konzern gewährleiste ein Höchstmaß an Sicherheit in ihren Reaktoren.

Jetzt ist der Energiekonzern mit einer neuen Panne konfrontiert. Ein Prüfer hat bei der Kontrolle von Sicherheitseinrichtungen geschummelt. Das wirft Fragen auf, wie ernst es EnBW tatsächlich mit der Sorgfalt nimmt.

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Was genau ist passiert?

Im Atomkraftwerk Philippsburg hat ein Techniker bei den regelmäßigen Prüfungen der Messeinrichtungen für Strahlenschutz die Kontrolle mehrfach nur vorgetäuscht. Nach Angaben des Energiekonzerns handelte es sich um den Mitarbeiter eines externen Dienstleisters. Er soll die Prüfung in acht Fällen nur vorgetäuscht haben. Gegen den Mitarbeiter werden nun rechtliche Schritte geprüft.

Wie ist das aufgefallen?

Die EnBW hatte im April bei einer eigenen Überprüfung festgestellt, dass der Mitarbeiter im vergangenen Dezember eine Prüfung nur vorgetäuscht hatte. Bei anschließenden Kontrollen seien sieben weitere Fälle aufgefallen. Der Konzern betont, dass er den Vorfall unmittelbar dem zuständigen Umweltministerium von Baden-Württemberg gemeldet habe.

Wie gefährlich war der Vorfall?

Nach Angaben von EnBW waren die Messeinrichtungen vor und nach der Prüfung intakt. Dies sei „durch frühere und spätere korrekt durchgeführte Prüfungen sowie durch weitere Indikatoren nachgewiesen“ worden. Das Kernkraftwerk, das seit 1984 in Betrieb ist, ist aktuell ohnehin nicht in Betrieb. Es ist seit dem achten April zur jährlichen Revision vom Netz.


Wie gefährlich sind die deutschen Meiler?

Welche Konsequenzen hat der Vorfall?

Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft von Baden-Württemberg als zuständige Aufsichtsbehörde reagierte mit einer „aufsichtlichen Anordnung“. Es will den Betrieb der derzeit stillstehenden Anlage auch bis auf Weiteres untersagen, wie es mitteilte. Als nächstes folgt nun eine Anhörung. Umweltminister Franz Untersteller sprach von „schwerwiegenden Verfehlungen“: „Das ist nicht akzeptabel. EnBW hat jetzt zunächst für Aufklärung zu sorgen – schnell und umfassend.“ Bis Montag muss der Energiekonzern seinen Bericht vorlegen. Auch das für die Bundesaufsicht zuständige Bundesumweltministerium wurde über die vorgesehene Anordnung und die Vorfälle informiert.

Ist so etwas schon einmal vorgekommen?

„Meines Wissens nach ist es das erste Mal,  dass eine vorgeschriebene Prüfung in einem deutschen Kernkraftwerk offenbar bewusst vorgetäuscht wurde", sagte der Minister. Das sei „hochgradig beunruhigend und nicht akzeptabel“.

Warum schaffen es die Betreiber nicht, solche Pannen zu vermeiden?

Bei aller Technik werden Kernkraftwerke letztlich von Menschen bedient. Die Politik der deutschen Betreiber ist es deshalb auch nicht, Pannen komplett zu vermeiden. Sie wollen sie nur beherrschen können und schwerwiegende Fälle vermeiden. Deshalb sind die alle sicherheitsrelevanten Anlagen auch immer so ausgelegt, dass ein System ausfallen kann.

Wie gefährlich sind die deutschen Anlagen?

Das Bundesamt für Strahlenschutz hat in den vergangenen Jahrzehnten schon rund 6000 meldepflichtige Ereignissen notiert, allerdings waren darunter die ganz überwiegende Anzahl zu vernachlässigen. Nur in elf Fällen wurde Radioaktivität oberhalb der Grenzwerte freigesetzt – bedenklich waren indes selbst diese Fälle nach Einschätzung der Behörde nicht. Allerdings gab es wiederholt Pannen, die die Sorgfalt der Betreiber in Frage stellte.

Am 28. Juni 2007 stieg über dem Kernkraftwerk Krümmel bei Hamburg dichter Rauch auf. Nach einem Kurzschluss war der Transformator in Brand geraten. Der Reaktor wurde per Schnellabschaltung heruntergefahren. Fast zeitgleich kam es im nur 80 Kilometer entfernten Brunsbüttel ebenfalls zu einem Kurzschluss und einer Reaktorschnellabschaltung. Besonders peinlich wurde es für Betreiber Vattenfall, als sich zwei Jahre später in Krümmel, kurz nachdem der Reaktor den Betrieb erneut aufgenommen hatte, wieder eine folgenschwere Panne ereignete. Wieder wurde eine Schnellabschaltung des Reaktors ausgelöst.

Quelle:  Handelsblatt Online
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