Alles auf Zucker: Bitterer Beigeschmack

Alles auf Zucker: Bitterer Beigeschmack

, aktualisiert 02. Juli 2016, 17:22 Uhr
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Heute essen die Menschen drei Mal so viel Zucker wie noch vor 50 Jahren. Amerikaner essen durchschnittlich 58 Kilogramm pro Jahr, Deutsche immerhin 36 Kilogramm oder einen 132 Meter hohen Zuckerwürfelturm. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen nicht mehr als sechs Teelöffel Zucker pro Tag zu konsumieren, wenn sie gesundheitliche Probleme vermeiden wollen. Zucker gilt nach wie vor als Nahrungs- und Genussmittel, das Suchtpotential ist umstritten.

von Regine Palm und Christoph KapalschinskiQuelle:Handelsblatt Online

In dieser Woche ist der Zuckerpreis auf den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren gestiegen. Das trifft vor allem die Süßwarenhersteller in Deutschland hart. Werden sie den Preisaufschlag auf die Verbraucher abwälzen?

Düsseldorf/HamburgFür Süßwarenhersteller sind bittere Zeiten angebrochen. Allein im zurückliegenden Jahr hat sich der Rohstoff Zucker um rund 50 Prozent verteuert. In der vergangenen Woche haben ein knappes Angebot und die Aufwertung der brasilianischen Währung den Zuckerpreis auf den höchsten Stand seit etwa dreieinhalb Jahren getrieben. Der US-Kontrakt auf Rohzucker verteuerte sich um bis zu 3,4 Prozent auf 20,11 US-Cent je Pfund. In London legte der Future auf raffinierten Zucker zeitweise 0,9 Prozent auf 573,20 Dollar je Tonne zu.

Nach Jahren der Überproduktion gehen Börsianer davon aus, dass die Nachfrage das Angebot bald wieder übersteigen wird. Investoren, die auf fallende Kurse gesetzt hätten, seien daher gezwungen, sich mit Zucker einzudecken, um ihre Verluste zu minimieren. Gleichzeitig ist der Real, die Währung des weltweit wichtigsten Zuckerproduzenten Brasilien, so teuer wie zuletzt vor etwa einem Jahr.

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Noch ist am Markt keine Entspannung in Sicht. Sollten die Preise weiter ansteigen, könnten das auch die Verbraucher spüren. „Rohstoffpreiserhöhungen können tendenziell zu höheren Preisen führen“, räumt der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) ein.

Entscheidend sei dafür aber allein der Wettbewerb. Und selbst die höheren Preise schlagen nicht sofort bis zu den Abnehmern durch. Denn im Süßwarenbereich schließen die Unternehmen in der Regel längerfristige Lieferverträge ab, die meist über ein Jahr laufen. Viele Süßwarenhersteller betrachten daher die Entwicklung an den Rohstoffmärkten noch mit einer gewissen Ruhe.

Doch in Branchenkreisen heißt es auch, dass die relativ geringen Lagerbestände des Süßstoffs Zucker einigen der Gesellschaften bereits Sorgen bereiten. Sie sind nach Angaben des Analysehauses F.O. Licht im vergangenen Jahr gesunken. Wurden 2014/15 noch 78,4 Millionen Tonnen gehortet, wird für die Saison 2015/16 ein Rückgang auf rund 72 Millionen Tonnen erwartet.

„Wir haben uns für dieses Jahr noch zu alten Preisen gedeckt“, sagt Hermann Bühlbecker, Chef der Lambertz-Gruppe. „Uns sind jetzt aber schon für weitere Zukäufe deutliche Preiserhöhungen avisiert worden, und wir müssen auch für das nächste Jahr von Preiserhöhungen ausgehen. Dies ist für uns als Süßwarenhersteller schon ein erheblicher Faktor, der auch zur Preiserhöhung der Produkte führen könnte.“

Die Krux dabei: Nicht nur Zucker wird teurer. Die Unternehmensgruppe Lambertz hatte bereits im Oktober vergangenen Jahres mitgeteilt, dass auch andere für sie wichtige Rohstoffe deutlich teurer geworden sind. Sowohl Schokolade, als auch Haselnüsse, Mandeln, Marzipan, Persipan und Honig hätten Höchststände markiert. Ganz ähnlich ergeht es dem Kekshersteller Bahlsen: „Für uns hat das einen doppelten Einfluss: Der direkt eingekaufte Zucker wird teurer, aber auch Zutaten wie Schokolade und Sirup“, sagte ein Sprecher. Das komme eben zusätzlich zu hohen Kakaopreisen.


Schuld an der Misere: Regen und Frost

In der Süßwaren-Branche heißt es allerdings auch, in der Vergangenheit seinen die Zuckerpreise schon wesentlich höher gewesen. Wirklich bedenklich sei die Lage daher noch nicht. Doch mit fast 20 US-Cents je Pfund (lb) hat sich Zucker allein in den vergangenen drei Monaten um mehr als ein Drittel verteuert.

Ein lb entspricht etwa 0,45 Kilogramm. Die Akteure an den Märkten blickten zuletzt vor allem auf Brasilien, wo Wetterturbulenzen für Ernteeinbußen sorgen. Brasilien ist weltgrößter Exporteur von Arabica-Kaffee, Zucker und Sojabohnen. Noch ist aber gar nicht klar, wie hoch die Ausfälle sein werden. Schäden sind sowohl durch Starkregen als auch durch Frost entstanden.

Laut Aussage eines Direktors des Zuckerindustrieverbands Unica betraf der jüngste Frosteinbruch in Brasilien größere Gebiete als zunächst angenommen. Andererseits soll es nun trocken bleiben. „Das würde eine Fortführung der zuletzt immer wieder unterbrochenen Erntearbeiten und der Verarbeitung erlauben“, heißt es bei der Commerzbank.

Eine nachhaltige Entspannung zeichnet sich also nicht ab, denn auch beim zweitgrößten Zuckerproduzenten und in der Europäischen Union fällt die Produktion geringer aus. Zudem nimmt weltweit der Konsum von Zucker noch zu. Laut F.O. Licht wurden 2014/15 knapp 179 Millionen Tonnen Zucker verbraucht. Für 2015/16 lautet die Prognose auf knapp 182 Millionen Tonnen. Gleichzeitig soll die Produktion von bisher 182 Millionen Tonnen auf 177 Millionen Tonnen schrumpfen. Experten gehen mehrheitlich von einem Defizit am Zuckermarkt aus, die Prognosen reichen von sieben bis zu elf Millionen Tonnen.

Die Unternehmen agieren entsprechend vorsichtig. „Die Lieferanten kommen noch nicht proaktiv mit Preisforderungen, nutzen die aktuelle Zuckerpreisentwicklung aber als Argument in den laufenden Verhandlungen“, erklärt Marcus Schwarz, Experte für die Lebensmittelindustrie bei der Einkaufsberatung Inverto. Für seine Kunden gibt er auch eine leichte Entwarnung mit Blick auf steigende Verbraucherpreise: „Wir haben die Zucker- oder Kakaopreise langfristig über mehrere Kontrakte mit unterschiedlichen Laufzeiten für unsere Kunden abgesichert. So sind diese in der Lage, volatile Zuckerpreise eine Zeit lang auszusitzen, ohne die Preise für den Handel und somit für die Endverbraucher zu erhöhen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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