Allianz für grüne Energie: Lichtblick tut sich mit Niederländern zusammen

Allianz für grüne Energie: Lichtblick tut sich mit Niederländern zusammen

, aktualisiert 19. Januar 2017, 13:03 Uhr
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Der Ökostromanbieter wächst auch im Bereich der Energiedienstleistungen.

von Jürgen FlaugerQuelle:Handelsblatt Online

Deutschlands führender Ökostromanbieter Lichtblick gibt 50 Prozent an den niederländischen Versorger Eneco ab. Gemeinsam haben die beiden Unternehmen große Ziele bei der Energiewende – nicht nur in Deutschland.

HamburgEnde der 90er-Jahre wagte sich Lichtblick als einer der ersten neuen Wettbewerber auf den deutschen Energiemarkt – und hat sich in knapp zwei Jahrzehnten als größter unabhängiger Ökostromanbieter etabliert. Jetzt holt sich das Unternehmen einen Partner aus dem Ausland dazu: Das niederländische Energieunternehmen Eneco übernimmt 50 Prozent der Anteile.

Das Lichtblick-Management sieht in dem Investor den idealen Partner, um den Energiemarkt weiter aufzumischen: Die Niederländer setzen ebenfalls auf erneuerbare Energien und haben eine ähnliche Philosophie. Die Partner wollen nun gemeinsam grüne Energieprodukte und Dienstleistungen anbieten – in Deutschland, den Niederlanden, aber auch in anderen europäischen Ländern.

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„Mit der Partnerschaft zwischen Eneco und Lichtblick entsteht eine starke Kraft im europäischen Energiemarkt“, sagte Jeroen de Haas, CEO der Eneco Group: „Gemeinsam verfügen wir über substantielle Investitionsmittel, Erfahrungen in wichtigen Energiemärkten Europas und eine breite Kundenbasis.“ Sein Unternehmen habe bewusst nicht die Mehrheit übernehmen. „Es ist eine Kooperation – und dafür sind 50 Prozent ideal.”

Wilfried Gillrath, der gemeinsam mit Gründer Heiko von Tschischwitz Lichtblick führt, betonte auf einer Pressekonferenz die Gemeinsamkeiten: „Wir haben ein Unternehmen gefunden, das dieselben Visionen und Werte hat wie wir.“ Bei den Geschäftsaktivitäten gebe es „eine große Übereinstimmung”. „Wir mögen eine unterschiedliche Geschichte haben, aber wir haben dieselben Ziele”, ergänzte de Haas. Zum Kaufpreis wollten die beiden Parteien keine Angaben machen.

Lichtblick ist mit 650.000 Kunden nach eigenen Angaben Deutschlands größter unabhängiger Ökostromanbieter. Das Unternehmen setzt jährlich knapp 700 Millionen Euro um und schreibt nach eigenen Angaben seit Jahren schwarze Zahlen. 2015 erreichte es ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 36,2 Millionen Euro und einen Überschuss von 16,8 Millionen Euro.

Eneco ist in den Niederlanden Marktführer in der Erzeugung und im Handel nachhaltiger Energie und versorgt mehr als zwei Millionen Kunden. Das Unternehmen ist komplett in Besitz von gut 50 niederländischen Kommunen, darunter Rotterdam und Den Haag. Es ist auch in Belgien, Frankreich und Großbritannien aktiv und setzt etwas mehr als vier Milliarden Euro um. 2015 erreichte das Unternehmen einen Nettogewinn von 208 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter ist mit 6700 gut zehn mal so hoch wie die von Lichtblick.

Lichtblick war bislang im Besitz der Gründer Michael Saalfeld, der noch gut 25 Prozent hielt, und Heiko von Tschischwitz, der knapp fünf Prozent besaß, sowie vermögender Kaufleute. Alle Gesellschafter gaben nun die Hälfte der Anteile ab, bleiben aber engagiert. Eneco übernimmt zwar die Hälfte, aber nicht die Mehrheit. Denn Lichtblick soll unabhängig bleiben. Der Vorstand bleibt im Amt, der Verwaltungsrat wird paritätisch besetzt.


AKW-Störfall beflügelte Geschäft

Das Unternehmen wurde 1998 von Saalfeld und von Tschischwitz gegründet. Der Unternehmer Saalfeld stellte das Kapital und führte den Aufsichtsrat, von Tschischwitz übernahm die operative Führung. Damals war der Energiemarkt gerade erst geöffnet worden. Mit Ökostrom wollte Lichtblick den etablierten Versorgern Kunden abjagen. Der Anfang war allerdings schwierig, die bisherigen Monopolisten erschwerten dem neuen Konkurrenten den Zugang zu ihren Netzen. Lichtblick musste Pionierarbeit leisten und klagte bis zum Bundesgerichtshof bessere Rahmenbedingungen ein. 2006 erreichte der Newcomer aber die Gewinnzone. Spätestens 2007, als das Kernkraftwerk Krümmel mit einem Störfall in die Schlagzeilen kam, wechselten Tausende Kunden zum Ökostromanbieter.

Seit einigen Jahren erweitert Lichtblick das klassische Geschäft um Energiedienstleistungen. Das Unternehmen will insbesondere mit seiner IT die dezentrale Energie der Kunden vernetzen. Die Verbraucher, die zunehmend mit Photovoltaik und Blockheizkraftwerken Strom selber erzeugen und teilweise selber speichern, sollen den Strom untereinander handeln können.

Gemeinsam mit Eneco will Lichtblick nun prüfen, ob das Unternehmen die Services künftig auch in weiteren Ländern anbieten kann. Eine gemeinsame Produktentwicklung sei aber beispielsweise auch bei Solarenergie und Speichern oder dem intelligenten Laden von Elektromobilien denkbar.

Lichtblick wolle aber auch im Stammgeschäft, dem Vertrieb von Ökostrom, wachsen, sagte Gillrath: „Unsere Mission lautet profitables Wachstum. Wir wollen auch in Deutschland weiter Kunden gewinnen.” Dabei seien insbesondere Zukäufe geplant. Es gebe hier die Chance, von einer Konsolidierung zu profitieren.

„Der deutsche Markt ist für uns schon lange interessant, wir konnten ihn aber nicht alleine in Angriff nehmen”, sagte Eneco-CEO de Haas. Er habe Respekt davor, was Lichtblick in diesem schwierigen Markt, mit all den großen Spielern, erreicht habe.

Lichtblick hatte in den vergangen Monaten mit verschiedenen Interessenten gesprochen – unter anderem auch mit dem italienischen Enel-Konzern. Beraten wurde das Unternehmen bei den Verhandlungen von Greentech Capital Advisors.

2009 hatte Lichtblick mit einer Kooperation mit Autokonzern Volkswagen für Aufsehen gesorgt. Lichtblick bot auf Basis von VW-Motoren kleine Blockheizkraftwerke an. Das Projekt scheiterte aber und war für den Stromanbieter ein Verlustgeschäft.

Quelle:  Handelsblatt Online
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