Alstom-Übernahme: Paris schockt Siemens mit Plan C

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Alstom-Übernahme: Paris schockt Siemens mit Plan C

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Noch hat Siemens kein offizielles Angebot für Alstom abgegeben. In München scheint man ernsthaft interessiert, doch das Verhalten der Pariser Regierung irritiert zunehmend.

von Rebecca Eisert

Der französische Wirtschaftsminister nennt die Angebote von GE und Siemens "inakzeptabel" - und hat eine andere Idee. Nun will Frankreich Alstom selbst retten. Wie lange macht Siemens das Spiel noch mit?

"Weder das Angebot von GE noch das von Siemens entspricht unseren Vorstellungen", sagte der französische Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg nach Angaben von Philippe Pillot, Sekretär der Gewerkschaft FO beim Treffen mit Arbeitnehmervertretern. Führt der Minister Deutsche und Amerikaner an der Nase herum oder will Montebourg lediglich den Preis für den Technologiekonzern Alstom hochtreiben?

Hintergrund zum Übernahme-Poker um Alstom

  • Warum soll Alstom seine Unabhängigkeit verlieren?

    Das Unternehmen wird für zu klein gehalten, um langfristig auf dem Weltmarkt bestehen zu können. Aktuell gibt es keine großen Probleme, aber bereits für das vergangene Geschäftsjahr musste der Konzern einen Gewinneinbruch um mehr als ein Viertel auf 556 Millionen Euro verbuchen. Weiter schwächen könnte Alstom ein Korruptionsverfahren in den USA, das mit einer Rekordstrafe enden könnte. Dieser Punkt spielt auch bei der laufenden Risikoprüfung durch Siemens eine Rolle.

  • Warum scheint die Alstom-Führung gegen Siemens zu sein?

    Konzernchef Kron wird eine hartnäckige Abneigung gegen Siemens nachgesagt. Angeblich nimmt er dem deutschen Unternehmen bis heute Ereignisse aus dem Alstom-Krisenjahr 2004 übel. Die Münchner hatten über Einflussnahme in Brüssel versucht, einen mit Staatsgeldern finanzierten Rettungsplan für Alstom zu stoppen, weil sie schon damals Teile des Konzerns übernehmen wollten. Kron ist zudem der Ansicht, dass Siemens und Alstom in zu vielen Bereichen direkte Konkurrenten sind. Für die letztlich entscheidenden Großaktionäre könnte eine Rolle spielen, dass Genral Electric die Alstom-Energietechnik etwas höher bewertet, als Siemens es in einer ersten Schätzung getan hat.

  • Welche Schritte stehen als nächstes an?

    Sobald Siemens seine Karten auf den Tisch gelegt hat, ist wieder der Alstom-Verwaltungsrat am Zug. Sollten die Münchner ein Angebot machen, würde die GE-Führung noch einmal einige Tage Zeit bekommen, um ihre Offerte nachzubessern. Eine schnelle Entscheidung ist allerdings nicht zu erwarten. Die Amerikaner ließen am Donnerstagabend mitteilen, dass sie auf Wunsch der französischen Regierung die Laufzeit ihres ersten Angebots um knapp drei Wochen bis zum 23. Juni verlängert haben. Damit dürfte sich das ganze Verfahren weiter in die Länge ziehen.

Derzeit liegt das Gebot von General Electric bei 12,4 Milliarden Dollar für die Übernahme der Energie-Sparten von Alstom. Siemens veranschlagt rund 10 Milliarden, hat aber noch kein offizielles Angebot abgegeben.

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Am Donnerstag haben die Amerikaner der Alstom-Chefetage nun mehr Bedenkzeit eingeräumt. Jetzt kann Chef Patrick Korn bis zum 23. Juni statt bis zum zweiten des Monats überlegen, ob er die Offerte annimmt.

Die Fristverlängerung kann als Zeichen gewertet werden, wie ernst es den Amerikanern mit ihrem Angebot ist. Die Entscheidung sei auf Ersuchen der Regierung in Paris erfolgt und solle dabei helfen, "die laufenden Diskussionen zu erleichtern", teilte der US-Konzern mit.

Widersprüchliche Signale

Die Amerikaner müssen sich jetzt bereits wie das ungeliebte Stiefkind fühlen, das mit Pralinen und Blumenstrauß bewaffnet vor der verschlossenen Haustür der Eltern steht. Dafür hat Paris Siemens zur Alstom-Party geladen - und scheint nun mit dem Betragen des deutschen Gastes ebenfalls nicht zufrieden. Siemens prüft die Bücher der Franzosen und hat mehr Informationen angefordert.

Warum Siemens mehr Informationen will

  • Korruptionsermittlungen

    Die Zeitung "Le Monde" berichtete, Siemens wolle besser die Folgen abschätzen können, die durch Korruptionsermittlungen gegen Alstom in den USA, Brasilien und Großbritannien drohen. Die Strafe gegen Alstom könnte höher ausfallen als bei Siemens seinerzeit für die milliardenschwere Schmiergeldaffäre. Die zahlten 2008 knapp 600 Millionen Euro an die US-Behörden.
    Frankreich reagiert irritiert auf die Forderung. Siemens habe die gleichen Daten bekommen wie GE. Alstom-Chef Kron werde höflich antworten, das Begehren aber abschmettern, hieß es. Die Schritte gehörten zum üblichen Geschacher bei Großübernahmen. GE wolle laut Gebot alle offenen Forderungen gegenüber Alstom übernehmen, betonte eine Alstom-Sprecherin.

Alstom-Chef Patrick Kron reagierte genervt und bat die französische Regierung, die GE-Offerte zu unterstützen. Paris kann den gesamten Deal zum Platzen bringen, denn erst vor wenigen Tagen hat sie ein Dekret verabschiedet, nach dem die Regierung die Übernahme durch ausländische Konzerne in strategisch wichtigen Sektoren wie etwa im Energiemarkt, blockieren darf. Montebourg habe sich bereit gezeigt, das Dekret auch zu nutzen.

Der französische Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg. Vergrätzt er am Ende beide GE und Siemens? Quelle: REUTERS

Der französische Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg. Vergrätzt er am Ende beide GE und Siemens?

Bild: REUTERS

Die französische Regierung wirkt uneins. Energieministerin Ségolène Royal sagte im Interview mit "Paris Match": "General Electric ist eine sehr gute Möglichkeit für Alstom. Es ist das beste Industrieprojekt. Warum sollte man das nicht aussprechen?" Präsident Francois Hollande bezeichnete allein das GE-Angebot als “nicht akzeptabel” und forderte das US- Unternehmen auf, die Arbeitsplatzgarantien zu verbessern.

Montebourg ist nun offensichtlich auch das deutsche Angebot nicht gut genug. "Wir haben mit der Prüfung von Plan C begonnen", sagte der sozialistische Politiker. "Plan A ist GE, Plan B ist Siemens und Plan C ist eine einheimische Lösung." Dabei sei eine finanzielle Beteiligung von Privatfirmen wie auch von Staatskonzernen vorstellbar. Alstom hat bereits vor rund zehn Jahren schon einmal Staatshilfe erhalten. Damals war Paris mit 720 Millionen und 21 Prozent bei Alstom eingestiegen.

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