Alstom-Übernahme: Siemens kämpft um Klassenerhalt und buhlt um Alstom

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Alstom-Übernahme: Siemens kämpft um Klassenerhalt und buhlt um Alstom

von Karin Finkenzeller und Matthias Kamp

Nach der Devise ‚Angriff ist die beste Verteidigung’ hat Siemens-Chef Joe Kaeser den Hut in den Ring geworfen. Er will verhindern, dass der französische Konkurrent Alstom in die Hände des mächtigen US-Konzerns GE fällt und den Münchnern somit praktisch vor der Haustür ein starker Widersacher heran wächst. Anders als vor zehn Jahren, als Siemens schon einmal nach dem damals kurz vor der Pleite stehenden Alstom-Konzern griff, scheint ein Gebot der Deutschen diesmal in Paris willkommen.

Für die Münchner ist eine mögliche Übernahme von Alstom blanke Notwendigkeit. Denn im Verbund mit Alstom würde GE dem bedeutendsten deutschen Technologiekonzern gefährlich nahe kommen, vor allem beim Transport- und Energiegeschäft. Für Siemens kommt die Übernahmeschlacht zu einem heiklen Zeitpunkt. Zuletzt war das Unternehmen bei der Rendite und der Innovationskraft gegenüber Wettbewerbern wie GE und ABB zurückgefallen. Am 7. Mai will Kaeser sein Umbauprogramm vorlegen, mit dem er Siemens wieder ganz an die Spitze führen will. Jetzt wird man die Pläne wohl noch mal umschreiben müssen.

Zur Debatte stehen für die Deutschen offenbar eine komplette Übernahme Alstoms, aber auch eine Art Tausch: Siemens könnte von Alstom das Energiegeschäft übernehmen. Im Gegenzug erhielten die Franzosen von Siemens die Sparte mit den Hochgeschwindigkeitszügen und Lokomotiven. Das soll Kaeser in einem Brief an Alstom-Chef Patrick Kron geschrieben haben, aus dem die französische Zeitung „Le Figaro“ zitiert.

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Frankreichs Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg lässt derweil keinen Zweifel daran, dass der französische Staat auch bei der Verhandlung über die Zukunft von privaten Wirtschaftsunternehmen das letzte Wort hat. "Angesichts der strategischen Bedeutung für die französische Industrie und Wirtschaft wird die Regierung nicht hinnehmen, dass eine wie auch immer geartete Entscheidung voreilig und ohne Kenntnis von Alternativen im Interesse der Nation getroffen wird", teilte Montebourg am Sonntagmittag mit.

Zwar ist der französische Staat seit 2006 nicht mehr an Alstom beteiligt. Doch Montebourg weiß auch, wo er die Daumenschrauben ansetzen kann: "Muss man daran erinnern, dass Alstom vor allem von öffentlichen Aufträgen und von der Unterstützung des Staates beim Export lebt? Die Regierung wünsche deshalb, dass Konzernführung und Aktionäre "sämtliche Angebote prüfen, die auf dem Tisch liegen". Er nennt das Siemens-Angebot als Möglichkeit, "zwei europäische Champions in den Sparten Energie und Transport zu gründen, einen unter der Führung von Siemens, und den anderen unter der Ägide von Alstom".
Dies entbehrt nicht einer guten Portion Ironie. Und zwar deshalb, weil Siemens schon einmal Interesse an einem Einstieg bei Alstom hatte, der französische Staat damals aber gegen die Münchner intervenierte.

2004 war das, als Alstom kurz vor der Pleite stand. Der damalige Wirtschafts- und Finanzministerminister und spätere Staatschef Nicolas Sarkozy rettete Alstom damals mit dem Einstieg des Staates und ließ Siemens abblitzen. Zwei Jahre später trat der französische Staat seinen Anteil mit Gewinn an den heimischen Mischkonzern Bouygues ab. Der hilft seither die nationalen Interessen an einem der letzten großen Aushängeschilder der französischen Industrie bewahren, möchte aber den fast 30 Prozent schweren Klotz am Bein loswerden.

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