Alstom-Übernahme: Siemens und Mitsubishi prüfen gemeinsames Gebot

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Alstom-Übernahme: Siemens und Mitsubishi prüfen gemeinsames Gebot

, aktualisiert 11. Juni 2014, 15:32 Uhr

Nächste Runde im Übernahmepoker um Alstom: Der Elektrokonzern Siemens prüft, mit dem japanischen Unternehmen Mitsubishi ein gemeinsames Angebot abzugeben.

Siemens sichert sich für ein Alstom-Gebot Schützenhilfe aus Japan. Gemeinsam mit Mitsubishi Heavy Industries (MHI) wäge Siemens eine Offerte für die Energietechnik des französischen Alstom-Konzerns ab, teilte der Münchner Konzern am Mittwoch mit. "MHI und Siemens werden bis zum 16. Juni entscheiden, ob ein Angebot an den Verwaltungsrat von Alstom abgegeben wird", hieß es. Ziel sei eine Stärkung der künftigen Position der drei Unternehmen. Die mehr als zwölf Milliarden Euro schwere Alstom-Offerte von General Electric (GE) läuft noch bis 23. Juni.

"MHI wurde von Siemens eingeladen, sich zusammenzuschließen", erklärte Mitsubishi-Chef Shunishi Miyanaga. "Wir sind davon überzeugt, dass wir einen substanziellen Beitrag zu einer partnerschaftlichen Lösung für Alstom leisten können, der einen Mehrwert für alle beteiligten Parteien inklusive des Landes Frankreichs schaffen wird."

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Das Tauziehen um Alstom

  • April

    Am 24. April wird bekannt, dass GE Alstom kaufen will. Der Schritt gilt als Frontalangriff auf Siemens. Am nächsten Tag rufen die Übernahmegerüchte die französische Regierung auf den Plan. Sie will einen Verkauf in die USA mit allen Mitteln verhindern. Am 27. April greift Siemens in den Übernahmepoker ein. Man habe der Alstom-Führung „Gesprächsbereitschaft über strategische Fragen zukünftiger Zusammenarbeit“ signalisiert. Am 28. April schaltet sich Frankreichs Präsident Hollande in das Tauziehen ein. Bei getrennten Treffen berät er mit den Chefs von Siemens und GE. Einen Tag später kündigt Siemens ein Angebot für Alstom an. Bedingung dafür: Siemens will die Alstom-Bücher vier Wochen lang prüfen und Managementinterviews führen. Am 30. April empfiehlt der Verwaltungsrat von Alstom den Aktionären eine bindende Offerte von GE. Dieser will für die Energietechnik-Sparte von Alstom 12,35 Milliarden Euro zahlen.

  • 7. bis 11. Mai

    Siemens-Chef Kaeser betont „ernsthaftes“ Interesse an Alstom. Zugleich sagt der Manager, er wolle mit dem Übernahmeplan auch die Handlungsfähigkeit der Siemens-Führung unter Beweis stellen. Einen Tag später lehnt Montebourg das GE-Angebot für Alstom öffentlich ab. Am 9. Mai berät Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) mit seinem Kollegen Montebourg über einen möglichen Alstom-Siemens-Deal. Am 11. Mai werden Medienberichte bekannt, laut denen Siemens Alstom neben der eigenen Bahnsparte auch das Geschäft mit Signaltechnik anbieten will.

  • 14. und 15. Mai

    Frankreichs Regierung sendet widersprüchliche Signale. Energieministerin Ségolène Royal bezeichnete das GE-Angebot in einem Interview als „sehr gute Gelegenheit“. Nach einem Treffen mit Kaeser teilt sie mit, das deutsche-französische Projekt komme gut voran. Einen Tag später erweitert Paris seine Eingriffsrechte bei internationalen Deals. Mittels Verordnung könne ohne die bei „nationalem Interesse“ nötige Zustimmung eine ungewünschte Alstom-Übernahme gekippt werden.

  • 18. Mai

    Der Siemens-Betriebsrat fordert für den Fall einer Alstom-Übernahme erneut den Erhalt der Arbeitsplätze in der Bahnsparte des Konzerns, die dann an die Franzosen gehen soll.

  • 20. Mai

    Nach Angaben der französischen Regierung hat Siemens um zusätzliche Informationen über das Unternehmen gebeten. Paris wertet dies als Hinweis auf ein bevorstehendes Übernahmeangebot.

  • 24. und 28. Mai

    Hollande lässt erneut ein Treffen mit GE-Chef Jeff Immelt anberaumen. Der Präsident hatte das GE-Angebot zuletzt als nicht ausreichend bezeichnet. Am 28. Mai bessert GE das eigene Angebot nochmals etwas nach.

  • 30. Mai

    Kaeser betont nochmals, dass Siemens keinen Zeitdruck verspüre und bis zum 16. Juni alle Optionen prüfen werde.

  • 11. Juni

    Überraschend geben Siemens und der japanische Konkurrent Mitsubishi Heavy Industries (MHI) bekannt, ein gemeinsames Angebot für Alstom zu prüfen.

  • 16. Juni

    Siemens und MHI legen ihr Angebot für Alstom vor. MHI will sich mit bis zu zehn Prozent an Alstom beteiligen und eine umfassende industrielle Allianz, aber keine Übernahme. Das Gasturbinen-Geschäft der Franzosen soll an Siemens gehen. Insgesamt beinhaltet die Offerte Barzahlungen von Siemens über 3,9 Milliarden Euro und von MHI über 3,1 Milliarden Euro.

Damit würde Siemens-Chef Joe Kaeser Kartellprobleme umschiffen. Die Japaner könnten etwa jene Alstom-Teile übernehmen, bei denen den Münchnern Ärger durch die Wettbewerbshüter droht, etwa die Übertragungstechnik. Zudem könnte Kaeser seinem Partner jene Geschäftsfelder überlassen, die er für wenig zukunftsträchtig hält, etwa Dampfturbinen für große Kohlekraftwerke. Für Siemens blieben Filetstücke wie die Gasturbinensparte und deren Wartung.

In Frankreich rührt sich bereits Widerstand gegen Kaesers jüngsten Winkelzug. "Das würde in eine Zerlegung münden, was die französische Regierung kaum akzeptieren wird", hieß es im Umfeld von Alstom. Bisher hätten Siemens und Mitsubishi nichts vorgelegt. Mitsubishi hätte zudem keinen Zugang zum Datenraum gehabt. Alstom lehnte eine Stellungnahme ab.

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Der Zeitrahmen ist knapp bemessen. Am Sonntag tagt bereits der Siemens-Aufsichtsrat. Ob sich Siemens letztendlich überhaupt zu einem Gebot durchringt, ist weiter offen. In der Münchener Konzernzentrale gibt es viele Bedenken. Dort herrscht die Angst, eine Alstom-Übernahme könne das Management überlasten, eine Integration würde das Unternehmen über Jahre beschäftigen. Kaeser selbst hatte sich zurückhaltend geäußert. Investoren hatten sich gegen eine Offerte ausgesprochen.

Mitsubishi dringt unterdessen stärker nach Europa. Der Mischkonzern verbündete sich mit dem dänischen Windradbauer Vestas. Mit Siemens machte das japanische Traditionsunternehmen erst vor wenigen Wochen Geschäfte. Die Münchner überließen Mitsubishi mehrheitlich ihre Sparte für Stahlwerksausrüstung.

Der japanische Mischkonzern Mitsubishi Heavy Industries (MHI) mit Hauptsitz in Tokio ist ein weltweit operierender Hersteller von Schwerindustrie-Anlagen. Die Produkt- und Dienstleistungspalette umfasst nach Unternehmensangaben Schiffbau, Kraftwerke, Chemieanlagen, Umweltausrüstung, Stahlkonstruktionen, industrielle und allgemeine Maschinen, Luftfahrzeuge, Weltraumsysteme und Klimaanlagen. In den knapp 400 Einzelfirmen der Gruppe waren im März 2014 gut 80.000 Mitarbeiter beschäftigt. Für das am 31. März beendete Geschäftsjahr 2013/2014 gibt MHI einen konsolidierten Konzernumsatz von rund 3350 Milliarden Yen (gut 24 Milliarden Euro) an. Der Autobauer Mitsubishi Motors ist seit längerem ein eigener Konzern.

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