Angst vor Zerschlagung: Alstom lehnt Siemens-Offerte offenbar ab

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Angst vor Zerschlagung: Alstom lehnt Siemens-Offerte offenbar ab

, aktualisiert 18. Juni 2014, 10:02 Uhr

Siemens und Mitsubishi stoßen mit ihrem Gebot für das Gasturbinengeschäft auf wenig Gegenliebe. Alstom bezeichnet es laut einem Bericht als Versuch der Zerschlagung. Derweil bereitet GE ein neues Angebot vor.

Alstom lehnt einem Zeitungsbericht zufolge das Gebot von Siemens und Mitsubishi Heavy ab. Die Führung des französischen Konzerns sehe darin den Versuch einer Zerschlagung, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". "Wie könnte man die vorgesehene Trennung des Gasturbinengeschäfts vom Rest des Unternehmens anders sehen?", zitiert die Zeitung Alstom-Kreise. Auch die technische Machbarkeit des deutsch-japanischen Plans stehe in Frage.

Am Dienstag hatten Siemens-Chef Joe Kaeser und Mitsubishi-Chef Shunichi Miyanaga in Paris für Ihr Gebot geworben. Doch der französischen Regierung ist diese Offerte genauso wenig ausreichend wie das Gebot des US-Rivalen General Electric, den Siemens und Mitsubishi ausstechen wollen. Ein Insider aus dem Umfeld von Präsident Francois Hollande sagte, "die Angebote müssen aufgebessert werden."

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Das Tauziehen um Alstom

  • April

    Am 24. April wird bekannt, dass GE Alstom kaufen will. Der Schritt gilt als Frontalangriff auf Siemens. Am nächsten Tag rufen die Übernahmegerüchte die französische Regierung auf den Plan. Sie will einen Verkauf in die USA mit allen Mitteln verhindern. Am 27. April greift Siemens in den Übernahmepoker ein. Man habe der Alstom-Führung „Gesprächsbereitschaft über strategische Fragen zukünftiger Zusammenarbeit“ signalisiert. Am 28. April schaltet sich Frankreichs Präsident Hollande in das Tauziehen ein. Bei getrennten Treffen berät er mit den Chefs von Siemens und GE. Einen Tag später kündigt Siemens ein Angebot für Alstom an. Bedingung dafür: Siemens will die Alstom-Bücher vier Wochen lang prüfen und Managementinterviews führen. Am 30. April empfiehlt der Verwaltungsrat von Alstom den Aktionären eine bindende Offerte von GE. Dieser will für die Energietechnik-Sparte von Alstom 12,35 Milliarden Euro zahlen.

  • 7. bis 11. Mai

    Siemens-Chef Kaeser betont „ernsthaftes“ Interesse an Alstom. Zugleich sagt der Manager, er wolle mit dem Übernahmeplan auch die Handlungsfähigkeit der Siemens-Führung unter Beweis stellen. Einen Tag später lehnt Montebourg das GE-Angebot für Alstom öffentlich ab. Am 9. Mai berät Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) mit seinem Kollegen Montebourg über einen möglichen Alstom-Siemens-Deal. Am 11. Mai werden Medienberichte bekannt, laut denen Siemens Alstom neben der eigenen Bahnsparte auch das Geschäft mit Signaltechnik anbieten will.

  • 14. und 15. Mai

    Frankreichs Regierung sendet widersprüchliche Signale. Energieministerin Ségolène Royal bezeichnete das GE-Angebot in einem Interview als „sehr gute Gelegenheit“. Nach einem Treffen mit Kaeser teilt sie mit, das deutsche-französische Projekt komme gut voran. Einen Tag später erweitert Paris seine Eingriffsrechte bei internationalen Deals. Mittels Verordnung könne ohne die bei „nationalem Interesse“ nötige Zustimmung eine ungewünschte Alstom-Übernahme gekippt werden.

  • 18. Mai

    Der Siemens-Betriebsrat fordert für den Fall einer Alstom-Übernahme erneut den Erhalt der Arbeitsplätze in der Bahnsparte des Konzerns, die dann an die Franzosen gehen soll.

  • 20. Mai

    Nach Angaben der französischen Regierung hat Siemens um zusätzliche Informationen über das Unternehmen gebeten. Paris wertet dies als Hinweis auf ein bevorstehendes Übernahmeangebot.

  • 24. und 28. Mai

    Hollande lässt erneut ein Treffen mit GE-Chef Jeff Immelt anberaumen. Der Präsident hatte das GE-Angebot zuletzt als nicht ausreichend bezeichnet. Am 28. Mai bessert GE das eigene Angebot nochmals etwas nach.

  • 30. Mai

    Kaeser betont nochmals, dass Siemens keinen Zeitdruck verspüre und bis zum 16. Juni alle Optionen prüfen werde.

  • 11. Juni

    Überraschend geben Siemens und der japanische Konkurrent Mitsubishi Heavy Industries (MHI) bekannt, ein gemeinsames Angebot für Alstom zu prüfen.

  • 16. Juni

    Siemens und MHI legen ihr Angebot für Alstom vor. MHI will sich mit bis zu zehn Prozent an Alstom beteiligen und eine umfassende industrielle Allianz, aber keine Übernahme. Das Gasturbinen-Geschäft der Franzosen soll an Siemens gehen. Insgesamt beinhaltet die Offerte Barzahlungen von Siemens über 3,9 Milliarden Euro und von MHI über 3,1 Milliarden Euro.

Siemens und Mitsubishi Heavy Industries wollen das GE-Angebot mit einem komplexen Gegenentwurf kontern. Während sich MHI an Alstom direkt und mehreren Sparten beteiligen will und 3,1 Milliarden Euro an Bargeld mitbringt, will sich Siemens allein die Gaskraftwerkssparte für 3,9 Milliarden Euro einverleiben - ohne Anteile an Alstom zu erwerben.

Die beiden Partner locken zudem mit 1000 neuen Stellen sowie 1000 neuen Ausbildungsplätzen in Frankreich. GE bietet für die gesamte Energietechnik und hat ebenfalls 1000 neue Jobs vor Ort zugesichert.

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Nach Informationen der Tageszeitung „Le Figaro“ bereitet GE inzwischen ein neues Angebot vor. Die Amerikaner wollen demnach unter anderem akzeptieren, nur einen Teil des Stromnetzgeschäfts der Franzosen zu bekommen. Zudem sind sie angeblich bereit, ihr eigenes Bahnsignaltechnik-Geschäft ganz oder teilweise an Alstom zu überführen. Damit könnte die von den GE-Kaufplänen nicht betroffene Bahntechniksparte der Franzosen gestärkt werden, zu der auch der Bau von Hochgeschwindigkeitszügen vom Typ TGV zählt. Die Sparte von GE ist etwas kleiner als die der Franzosen, dafür aber profitabler. Ursprünglich hatte GE angeboten, für 12,35 Milliarden Euro die komplette Energietechniksparte von Alstom zu übernehmen.

Bevor der Alstom-Verwaltungsrat sich für eines der beiden Gebote ausspricht, berät ein unabhängiges Industriegremium über die Offerten und reicht sein Urteil an das Management um Patrick Kron weiter. Die Japaner halten sich nach der Werbetour ihres Chefs am Dienstag in Paris nun bedeckt. MHI warte ab, was GE bis zum Ablauf der Gebotsfrist am Montag mache.

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