Anlagenbauer Gea: Wie ein Maschinenbauer vom Snack-Boom profitiert

Anlagenbauer Gea: Wie ein Maschinenbauer vom Snack-Boom profitiert

, aktualisiert 08. Februar 2017, 15:17 Uhr
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Globalen Trends wie Urbanisierung, höhere Anforderungen an die Nahrungsmittelsicherheit und verschärfte Umweltauflagen helfen Spezialmaschinenbauern wie Gea.

von Martin WocherQuelle:Handelsblatt Online

Ob Chili-Lollys oder vegane Snacks - die Herstellung von Lebensmitteln wird immer anspruchsvoller. Davon profitieren Spezialmaschinenbauer wie die Düsseldorfer Gea. Sie machen die Produktion erst möglich.

DüsseldorfSchnell noch einen kleinen Happen zwischendurch: Ob geschichtete Kekse, Cracker oder Hörnchen mit Vanillecreme – der Markt für Snacks boomt und zwar weltweit. Rund um den Globus gaben die Verbraucher nach Analysen des Marktforschers Nielsen rund 380 Milliarden US-Dollar für süße und salzige Kleinigkeiten aus.

Während in den Industriestaaten der Verbrauch moderat steigt, legen die Schwellenländer ein deutlich höheres Tempo vor. An der Spitze steht Lateinamerika mit einem jährlichen Zuwachs von neun Prozent. Herzhafte Snacks wie Weizencracker, Reiswaffeln oder Pita-Chips waren sogar noch häufiger gefragt. „Das ist ein interessanter Markt“, sagt Jürg Oleas , „er lebt von der andauernden Neuerung.“

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Oleas ist Vorstandschef des Düsseldorfer Spezialmaschinenbauers Gea, der die weltweite Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie mit entsprechenden Produktionsanlagen beliefert. Erst von anderthalb Jahren hat der Mittelständler seinen Snackbereich durch gezielte Zukäufe ausgebaut und kommt hier inzwischen auf einen Umsatz von rund 150 Millionen Euro.

Interessant sind die Zuwachsraten: Sie lägen zwischen fünf und zehn Prozent im Jahr, sagte Oleas. Geliefert wird, was gefällt: So produziert ein mexikanischer Kunde Lollipops, die er mit Chilipulver bestäubt. Im Land der scharfen Tortillas „ein Riesenrenner“, sagt der Gea-Chef.

Erst im vergangenen Herbst hat er einen italienischen Kunden besucht, der rein vegane Snacks produziert, glutenfrei und ohne Allergene. Die Gea-Maschinen stehen in Reinräumen wie bei der Computerchip-Produktion, damit sich auch ja keine Pollen auf den Keksen niederlassen. „Die Qualitätskontrolle ist extrem“, sagt Oleas. „Das Wachstum auch – und die Snacks schmecken trotzdem.“


Milchkrise macht dem Maschinenbauer zu schaffen

Die Hinwendung zu den kleinen Mahlzeiten zwischendurch hat viel mit gesellschaftlichen Veränderungen zu tun. Das Familienleben verändert sich, gemeinsame Mahlzeiten werden zur Ausnahme. In den Schwellenländern wächst die Mittelschicht rasant und konsumiert kräftig – in wachsendem Maße auch Convenience Food wie Fertig-Pizza und Tiefkühlkuchen.

In den vergangenen Jahren hat die Gea den Nahrungsmittelbereich konsequent ausgebaut und von den großen globalen Trends wie Urbanisierung, höheren Anforderungen an die Nahrungsmittelsicherheit und verschärften Umweltauflagen profitiert. Die operative Marge des Konzerns mit zuletzt 4,7 Milliarden Euro Umsatz liegt bei rund elf Prozent – trotz weltweiter Milchkrise, die auch der Gea als einem der führenden Hersteller von Melk- und Molkereianlagen zu schaffen machte. Mit diesem Ergebnis konnte sich der Konzern deutlich von vielen anderen Sparten des deutschen Maschinenbaus abkoppeln. Vor allem die Schwellenländer bauen ihren Anteil an den Bestellungen der Gea aus, er liegt inzwischen bei 38 Prozent.

Denn bei der industriellen Lebensmittelproduktion geht es nicht nur darum, eine produktive Maschine in Gang zu halten. Es braucht auch das entsprechende Know-how, den Käse in der richtigen Konsistenz oder den Keks mit dem entsprechenden Biss herzustellen. „Gerade in den Schwellenländern ist das Wissen der Gea-Ingenieure stärker gefragt als in den Firmen der Industriestaaten“, sagte Oleas. „Die haben meist genaue Vorstellungen davon, was sie machen wollen.“

Denn über die Cremigkeit eines Joghurts entscheiden weniger die Zutaten wie Milch, Sahne und Zucker als die präzise Einstellung der Maschine. Aus diesem Grund arbeiten bei der Gea mehr Verfahrens- als Maschinenbau-Ingenieure.

Quelle:  Handelsblatt Online
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