Anlegerschützer zu Kartell-Vorwürfen: „Die Volkswagen-Aktionäre rufen an und sagen 'jetzt reichts'“

Anlegerschützer zu Kartell-Vorwürfen: „Die Volkswagen-Aktionäre rufen an und sagen 'jetzt reichts'“

, aktualisiert 26. Juli 2017, 17:49 Uhr
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„Die Volkswagen-Aktionäre rufen an und sagen 'jetzt reichts'“, berichtet Anlegerschützer Marc Tüngler.

Quelle:Handelsblatt Online

Nicht nur die Kunden laufen Sturm – auch die Aktionäre von VW bringen die neuen Kartell-Vorwürfe in Rage. Anlegerschützer attestieren dem Konzern „einen fehlenden Willen zur Transparenz“ – und drohen Sammel-Klagen.

FrankfurtDie jüngsten Kartellvorwürfe gegen die deutschen Autobauer befeuern auch die Klagen gegen den VW-Konzern. „Die Volkswagen-Aktionäre rufen an und sagen 'jetzt reichts'“, sagte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) am Mittwoch in Frankfurt. Nach langem Zögern schlössen sie sich dem in Braunschweig anhängigen Musterverfahren gegen Volkswagen wegen des Dieselskandals an.

Bislang sind in Braunschweig rund 1400 Schadenersatzklagen anhängig, der Streitwert beläuft sich auf mehr als acht Milliarden Euro. Diese Summe werde steigen, sagte DSW-Vizepräsident Klaus Nieding, dessen Anwaltskanzlei selbst zahlreiche Kläger vertritt. Um Ansprüche im Rahmen des Musterverfahrens anzumelden, haben Anleger noch bis zum 8. September Zeit. Vor dem Fristende würden auch viele institutionelle Anleger noch einmal aktiv, sagte Nieding.

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Tüngler moniert bei der Aufarbeitung von Dieselgate bei Volkswagen „einen fehlenden Willen zur Transparenz“. Daneben bleibe die Frage, inwieweit der Konzern für eine möglicherweise zu späte Veröffentlichung der Ad hoc-Mitteilung zum Einsatz der Manipulationssoftware in VW-Dieselfahrzeugen haften muss.  

„In beiden Themenfeldern scheint Volkswagen sich entschieden zu haben, die Wolfsburger Wagenburg möglichst hermetisch abzuriegeln und ansonsten auf Zeit zu spielen“, so der Anlegerschützer. Auch bei den aktuellen Vorkommnissen – also dem Vorwurf, dass fünf der großen Hersteller sich heimlich abgesprochen haben – seien die betroffenen Anteilseigner in den letzten Tagen leider erneut negativ überrascht worden.

Der Hintergrund: Nach Bekanntwerden des Abgasskandals hatte die DSW auf der Hauptversammlung 2016 einen Antrag auf Sonderprüfung gestellt, der keine Mehrheit gefunden hat. Die Anlegerschützer versuchen nun, diese gerichtlich einzuklagen. Zwar hat das Landgericht Hannover den Antrag in erster Instanz abgelehnt, die DSW will aber zeitnah Beschwerde einlegen.

Daneben mussten VW-Aktionäre nach der Ad hoc-Mitteilung vom 18. September 2015, in der der Einsatz der Betrugssoftware offiziell bestätigt wurde, einen massiven Kursverlust hinnehmen. Die DSW und die involvierten Rechtsanwälte der Kanzleien Nieding + Barth sowie Müller Seidel Vos gehen davon aus, dass diese Mitteilung zu spät kam – und dass daher viele Anleger damals noch VW-Aktien zu überhöhten Kursen gekauft hätten.

Im Rahmen eines Kapitalanleger-Musterverfahrens soll nun geklärt werden, wann VW die Ad hoch veröffentlichen hätte müssen und ob den Aktionären Schadensersatz zusteht. Bis 8. September haben Anleger Zeit, sich diesem Verfahren per Antrag anzuschließen. Auch für die Aktionäre der Porsche Automobil Holding dürfte noch in diesem Jahr ein solches Musterverfahren eröffnet werden.

„Wir haben immer wieder versucht, mit VW eine außergerichtliche Lösung zu finden. Der Konzern hat das aber bisher abgelehnt. Deshalb müssen die Aktionäre sich nun wehren“, betont Tüngler. Klaus Nieding, Vorstand der Kanzlei Nieding + Barth, sieht in den Skandalen der Autoindustrie eine Art Finanzkrise 2.0. „Bei den Banken hat es auch gedauert, bis ein Kulturwandel eingeleitet und Topmanager ausgetauscht wurden. Darauf hoffen wir bei den Automobilkonzernen auch.“ Er ist jedoch zuversichtlich, dass die Anleger „am Ende Geld sehen werden“.

Auch beim Kartellverdacht gegen die führenden deutschen Autokonzerne forderte Tüngler eine schnelle Aufklärung. Erst dann könne geprüft werden, wer überhaupt Ansprüche geltend machen kann. Nach einem Bericht des „Spiegel“ sollen sich Daimler, BMW und Volkswagen in mehr als 60 Arbeitsgruppen seit den 90er Jahren über Technik, Lieferanten und Märkte abgesprochen haben. „Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, werden wir alle juristischen Register ziehen“, sagte der DSW-Hauptgeschäftsführer.

Quelle:  Handelsblatt Online
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