Arcelor-Mittal und Co.: Die Stahlhütten feiern ein Comeback

Arcelor-Mittal und Co.: Die Stahlhütten feiern ein Comeback

, aktualisiert 21. März 2017, 19:20 Uhr
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Die Stahlhütten sind derzeit hoch ausgelastet.

von Martin WocherQuelle:Handelsblatt Online

Nach einem tiefen Tal der Tränen läuft es bei den Stahlkonzernen wieder rund. Die Nachfrage aus der Autoindustrie und der Bauwirtschaft ist hoch, die Preise erholen sich. Schon tauchen die ersten Lieferengpässe auf.

DüsseldorfWie schnell sich doch die Vorzeichen ändern: Vor einem Jahr noch sah sich die europäische Stahlindustrie kurz vor dem Abgrund stehen. Die Importoffensive der Konkurrenz aus China drückte die Preise ins Bodenlose, kaum eine Stahlhütte schrieb schwarze Zahlen. Doch binnen weniger Monate hat sich die Situation komplett gedreht: Anti-Dumping-Verfahren der EU-Kommission halten die Billig-Einfuhren aus Asien im Zaum, die gut laufende Konjunktur vor allem in der Auto- und Bauindustrie als größte Kundengruppen sorgen für eine hohe Auslastung der Hütten.

Die liegt mit rund 90 Prozent bei den deutschen Stahlproduzenten inzwischen an der Grenze des technisch Machbaren. Ein Rückschlag ist derzeit kaum in Sicht. „Wir bleiben optimistisch, was die weitere Erholung der Stahlnachfrage in Europa und Deutschland betrifft“, sagte denn auch am Dienstag Frank Schulz, Deutschland-Chef des weltgrößten Stahlproduzenten Arcelor-Mittal.

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So hat der europäische Branchenverband Eurofer inzwischen seine Prognosen leicht nach oben korrigiert: Für die europäische Stahlindustrie wird im laufenden Jahr ein Plus von einem Prozent erwartet, 2018 sollen es 1,5 Prozent sein. Die deutschen Hersteller können sich dank der gut laufenden Binnenkonjunktur sogar Hoffnung auf einen Schlag obendrauf machen.

Inzwischen tauchen in einigen Nischenbereichen schon Lieferengpässe auf: Kunden müssen bei bestimmten Sorten feuerverzinkter Stähle länger warten und auch höhere Preise akzeptieren. „Es gibt temporäre Engpässe“, räumte auch Schulz ein, „das ist aber kein strukturelles Problem.“ Schon immer sei das zweite Quartal das umsatzstärkte der Branche mit vielen Arbeitszeiten und hoher Nachfrage, da könne es schon mal zu Lieferproblemen kommen.

Zumal wichtige Abnehmerbranchen ihre in den vergangenen Jahren stark abgebauten Lagerbestände wieder auffüllen und für zusätzliche Bestellungen sorgten. Wichtige Kunden wie die Stahlverarbeiter klagen inzwischen über einen „Stahlpreis-Schock“. Vor allem Mittelständler sehen sich durch den Kostenschub bedroht.

Die Stahlbranche sieht das naturgemäß ganz anders und verweist auf die nach wie vor niedrigen Margen. Zwar seien die Preise für viele Stahlsorten durchaus zweistellig in den vergangenen Monaten gestiegen – darin eingerechnet sind aber auch die gestiegenen Aufwendungen für Rohstoffe wie Kokskohle oder Eisenerz. „Wir haben bei der Marge zwar zugelegt, wir kommen aber auch von einem sehr niedrigen Niveau“, sagte Schulz. Das reiche nicht aus, um Investitionen zu bezahlen, Abschreibungen vorzunehmen und Schulden zu begleichen. „Davon ist die Stahlindustrie noch weit entfernt.“


Mehr Zusammenschlüsse und Fusionen gefordert

Der Deutschland-Chef von Arcelor-Mittal machte trotz des schnellen Comebacks seiner Branche klar, mit wie vielen Unsicherheiten dieser Aufschwung behaftet ist: Brexit, stark schwankende Rohstoffpreise, aber auch die ungelöste Frage nach den chinesischen Überkapazitäten und mögliche Belastungen durch den europäischen Emissionshandel können dem positiven Trend für die Branche schnell wieder die Luft abdrehen.

Schulz sprach sich daher für weitere Zusammenschlüsse und Fusionen in der Stahlindustrie aus. „Wir glauben, dass weltweit und nicht nur in Europa eine Konsolidierung vorankommen sollte“, sagte er. Auch die angestrebte Übernahme des italienischen Stahlwerks Ilva durch den Mutterkonzern sei ein Teil der Konsolidierung, weil dabei Synergien geschaffen werden sollten. „Wir sind auch überzeugt, dass andere Unternehmen in die Richtung gehen sollten.“

So verhandelt Konkurrent Thyssen-Krupp schon seit fast anderthalb Jahren mit Tata Steel Europe ernsthaft über eine Fusion der beiden europäischen Stahltöchter zur Nummer Zwei hinter Arcelor-Mittal. Doch die Gespräche gestalten sich schwierig, viele Detailfragen sind noch ungeklärt, die deutschen Arbeitnehmer wollen das ganze Projekt nicht, weil sie um viele Arbeitsplätze fürchten.

Für das laufende Jahr kündigte Schulz Investitionen von über 100 Millionen Euro in die deutschen Produktionsstandorte des Unternehmens an, darunter die Modernisierung eines Hochofens in Bremen für 44 Millionen Euro. Weitere Investitionen seien in die Werke in Duisburg, Eisenhüttenstadt und Hamburg geplant. 2016 hatte der Konzern insgesamt 113 Millionen Euro in seine deutschen Werke investiert. Der hohe Wettbewerbsdruck zwinge das Unternehmen, trotz der gut laufenden Konjunktur die Effizienz an den Standorten weiter zu verbessern, kündigte Schulz an. „Es wäre fatal und falsch, diese Phase der Verbesserung überzuinterpretieren“, sagt er.

Arcelor-Mittal beschäftigte im vergangenen Jahr in Deutschland knapp 9100 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Umsatz von 5,6 Milliarden Euro. Die Rohstahlproduktion der vier deutschen Werke lag bei rund 7,8 Millionen Tonnen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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