Auf Jahrestagung: VW schwört US-Händler auf bessere Zeiten ein

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Auf Jahrestagung: VW schwört US-Händler auf bessere Zeiten ein

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Die Händler in den USA fordern eine ganze Reihe von neuen Maßnahmen aus Wolfsburg.

Quelle:Handelsblatt Online

Markenchef Diess sucht nicht nur in Las Vegas die Nähe seiner US-Händler: Er will enger mit Autohändlern zusammenarbeiten und peilt nach Dieselgate „konsistentes Wachstum“ in Amerika an. Doch viele Details bleiben offen.

Ohne Bodyguards, ohne Entourage: Auf einem Empfang der amerikanischen VW-Händler in Las Vegas mischen sich der VW-Markenchef Herbert Diess und der neue Nordamerika-Chef Hinrich Woebcken unters Volk. Ganz „Down to Earth“ wie man in Amerika sagt.

Bei den Händlern, die am Wochenende zur Jahrestagung nach Las Vegas gereist sind um mit den VW-Managern über die Zukunft zu diskutieren, kommt das gut an. „So etwas hat es unter Winterkorn nicht gegeben“, sagt Auto-Händler Miles Brandon, der bereits seit 19 Jahren in San Juan Capistrano südlich von Los Angeles VWs verkauft.

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Diess und Woebcken sind gekommen, um die 652 unabhängigen Händler in den USA zu beruhigen. Die Lage ist nach dem Diesel-Skandal angespannt. Der überraschende Abgang von US-Chef Michael Horn hat die Händler zusätzlich verunsichert.

Einige überlegen gar, Volkswagen zu verklagen, um für die finanziellen Einbußen durch die Abgasmanipulationen entschädigt zu werden – ein Schritt, der in der Branche als Hofverrat gilt und nur im äußersten Notfall denkbar ist. Ein auf Autobauer spezialisierter Anwalt hat einen Klageentwurf bereits vorbereitet. Nur für den Fall der Fälle und als Drohkulisse. „Der überwältigende Mehrheit der Händler ist sich einig, dass es derzeit nicht in unserem Interesse ist, über den Weg einer Klage zu gehen“, sagt Jason Kuhn, ein Autohändler aus Tampa im US-Bundesstaat Florida. Kuhn gehört zu einem neuen, fünf-köpfigen Investment Komitee, das stellvertretend für die Autohändler Entschädigungszahlungen mit VW aushandeln soll. Eine Summe wurde am Wochenende noch nicht genannt. Gespräche mit VW sollen „so schnell wie möglich“ beginnen, versicherte Kuhn.

Händler drängen auf neue Modelle

Das Geschäft ist seit Beginn des Skandals im September um durchschnittlich 25 Prozent eingebrochen, sagt der Chef des US-Händlerverbandes Alan Brown. Dabei wächst er Automarkt gerade so schnell wie selten zuvor.

Die Folgen von Dieselgate

  • Neue Entwicklungs-Policy

    Die Entwicklung der Motorsteuergeräte-Software erfolgt in Zukunft unter strikter Einhaltung des Vier-Augen-Prinzips.

  • Emissionstests

    Emissionstests werden künftig grundsätzlich extern und unabhängig überprüft.

  • Real-Life-Tests

    Die Prüfstandswerte sollen stichprobenartig mit Real-Life-Test zur Emissionseinhaltung auf der Straße überprüft werden.

  • Vorstandspersonalien

    Seit Beginn des Jahres 2015 sind 6 von 10 Vorstandsposten neu besetzt worden. Zudem wurden neue Posten außerhalb des Vorstands – etwa der des Chefstrategen oder Leiter der Digitalisierung – geschaffen.

  • Markenchefs

    Sieben von dreizehn Markenchefs inklusive der Konzernspitze wurden im Laufe des Jahres 2015 ausgetauscht.

Die Händler fordern eine ganze Reihe von neuen Maßnahmen aus Wolfsburg. Immer noch ist ungeklärt, wie die gut 500.000 betroffenen Fahrzeuge in den USA repariert werden sollen. Diess und Woebcken dürfen darüber selbst mit den Händlern nicht sprechen – der zuständige Richter hat VW bis zum 21. April Stillschweigen verordnet. Dann soll der Autobauer eine umfassende Einigung mit den Umweltbehörden und den betroffenen Autofahrern präsentieren. Auch fordern sie dringend neue Modelle.

Woebcken und Diess blicken derweil optimistisch nach vorn. „Wir arbeiten daran, die Marke Volkswagen in den USA neu zu definieren“, sagte Diess nach dem Händlertreffen. Der Absatz soll konstant und „über die Niveaus der Vergangenheit hinauswachsen.“ Dabei will Diess eng mit den Händlern zusammenarbeiten. „Mehr denn je wollen wir ihre Ideen und Bedürfnisse bei unseren Entscheidungen berücksichtigen“, versicherte er. Es ist ein wichtiges Signal. VW wurde in den vergangenen Jahren immer wieder vorgeworfen, den US-Markt nicht gut genug zu kennen. So hat VW in den vergangenen Jahren den Trend zu SUVs in den USA verpasst.

Kunden lieben ihren Diesel

Doch viele Details bleiben offen. Der Händlerverband fordert, den Absatz in den USA so schnell wie möglich auf 500.000 Stück pro Jahr hochzufahren. Nur so könnten sowohl VW als auch die Händler in den USA profitabel sein. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Im vergangenen Jahr verkaufte VW knapp 350.000 Fahrzeuge in den USA. Unter dem ehemaligen Chef Martin Winterkorn waren ursprünglich 800.000 Fahrzeuge angepeilt – bis 2018. Ob die Produktion auf 500.000 Fahrzeuge pro Jahr angekurbelt wird, darauf wollte sich Diess nicht festnageln lassen, berichten Teilnehmer der Konferenz. Er habe jedoch versichert, die Händler kurzfristig mit deutlich mehr zu versorgen.

VW-Abgas-Skandal Anlegeranwalt kündigt weitere Milliardenklage an

Ist Volkswagen seinen Auskunftspflichten im Zuge des Abgas-Skandals gegenüber Funktionären nachgekommen? Nein, sagen viele Anleger und klagen gegen den Konzern.

File photo of traffic light showing red next to the Volkswagen factory in Wolfsburg, Germany November 20, 2015. REUTERS/Ina Fassbender/Files Quelle: REUTERS

Besonders gut verkauften sich im März der Golf Sportwagen, ein Kombi-Modell und der SUV Tiguan. Insgesamt sind die Absätze in den USA jedoch weiter eingebrochen. Bereits im März hatte VW bestätigt, künftig stärker auf SUVs zu setzen. Ende des Jahres soll ein Siebensitzer-Geländewagen im Werk in Chattanooga gebaut werden. Zudem soll der Tiguan als Langversion auf den US-Markt kommen.

Unklar ist die Zukunft der Diesle-Fahrzeuge in den USA, die vor der Krise gut ein Viertel der Verkäufe in ausgemacht hatten. Derzeit kann VW keine Diesel-Modelle mehr anbieten, solange mit den Umweltbehörden keine Einigung gefunden ist. Händler Miles Brandon hofft darauf, dass die Diesel zurückkommen. „Viele meiner Kunden lieben ihren Diesel und statt auf Benziner oder E-Autos umzuschwenken, warten sie erst einmal ab, was passiert.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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