Aurubis-Chef: Stromnetze sind bis an die Grenze strapaziert

ThemaEnergiewende

InterviewAurubis-Chef: Stromnetze sind bis an die Grenze strapaziert

Bild vergrößern

Peter Willbrandt sieht die Energiewende als Risiko für energieintensive Industriezweige wie die Kupferherstellung. Allerdings brauchen die erneuerbaren Energiezweige vermehrt Kupfer - und bieten damit gute Aussichten für das Geschäft

von Andreas Wildhagen

"Ich habe mir ganz erhebliche Sorgen gemacht" - im Interview erzählt der Chef der Kupferschmelze Aurubis, Peter Willibrandt, warum die Risiken der Energiewende größer sind als die Chancen.

WirtschaftsWoche: Herr Willbrandt, Siemens-Chef Peter Löscher trommelte vor wenigen Tagen in ganzseitigen Zeitungsanzeigen für die Energiewende. Rechnen Sie sich selbst zu den Promotoren oder zu den Skeptikern, die große Zweifel am Gelingen des Projekts Energiewende haben?

Peter Willbrandt: Sowohl als auch. Einerseits bedeutet die Energiewende, auf die Deutschland nicht vorbereitet war, für uns als energieintensive Industrie ein Risiko, denn wir sind auf eine sichere und bezahlbare Energieversorgung angewiesen. Das heißt, dass insbesondere Strom rund um die Uhr stabil zur Verfügung stehen muss. Auf der anderen Seite profitieren wir davon, denn die erneuerbaren Energien erfordern den vermehrten Einsatz von Kupfer. Allein in einem Windrad sind es rund acht Tonnen – hinzu kommen die Kabel, die das Windrad an das Stromnetz anschließen. Müsste ich gewichten, würde ich die Risiken der Energiewende für Aurubis höher einschätzen als die Chancen.

Anzeige

Knapp 30 Prozent der Kosten zur Herstellung von Kupfer mithilfe von Elektrolyse, wie Sie sie betreiben, entfallen auf Energie. Hatten Sie seit Fukushima schlaflose Nächte?

Das nicht, aber ich habe mir in der vergangenen Kälteperiode im Februar doch ganz erhebliche Sorgen gemacht. Wir hier oben in Norddeutschland haben viel Windkraft, aber wenig Grundlastkraftwerke, die gleichmäßig und ohne Unterbrechung rund um die Uhr laufen. Mit den Beschlüssen der Bundesregierung vor einem Dreivierteljahr, acht Atomkraftwerke stillzulegen, wurden wir von den beiden Grundlastmeilern Brunsbüttel und Krümmel abgenabelt. Grundlastfähig in unserer Region ist deshalb eigentlich nur noch ein Kraftwerk, das AKW Brokdorf. Uns bleibt nur, auf die Inbetriebnahme des Kohlekraftwerks Moorburg in zwei Jahren zu warten, das die Stromnetze in unserer Region stabilisieren wird.

Wieso reichen Ihnen die zahlreichen Windstromanlagen in Ihrer Region nicht?

Für die Kupferproduktion brauchen wir eine kontinuierliche Bedarfsdeckung, das ist mit der mal ab- und mal zunehmenden Windkraft allein nicht zu bewerkstelligen. Und ausreichend Zwischenspeicher für Strom stehen nicht zur Verfügung.

Hatten Sie während der großen Kälte im Februar und der hohen Belastung der Netze Stromunterbrechungen?

Zum Glück nicht. Trotzdem war die Stromversorgung, wie ich hörte, sehr brenzlig, eine echte Zitterpartie. Wir haben offenbar unsere Netze bis an die Grenze der Belastbarkeit strapaziert. Ein Blackout konnte in einigen Fällen wohl nur durch das Eingreifen des Netzbetreibers in letzter Sekunde noch abgewendet werden. Die Kupferproduktion verträgt keine Unterbrechungen der Stromproduktion, nicht einmal ein kurzes Flackern.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%