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Aus der Kanone geschossen: Wenn der Schnee zum teuren Vergnügen wird

Quelle: Handelsblatt Online

Kein Schnee, keine Skifahrer - viele Wintersportorte müssen daher in teure Schneekanonen investieren. Davon profitieren die Hersteller der Anlagen. Die Rechnung für den Kunstschnee zahlt letzten Endes der Urlauber.

Der Einsatz von Schneekanonen kommt letztlich den Wintersportler teuer zu stehen. Quelle: dpa
Der Einsatz von Schneekanonen kommt letztlich den Wintersportler teuer zu stehen. Quelle: dpa

DüsseldorfAuf Frau Holle ist kein Verlass mehr. Um genug Schnee zu gewährleisten sind Europas Wintersportorte zwingend auf Beschneiungsanlagen angewiesen. Denn ohne Schnee bleiben die Skifahrer weg, und das könnte fatale Folgen haben: Allein in Bayern sichert ein Arbeitsplatz bei den Bergbahnen bis zu sieben weitere Stellen in den Zulieferbetrieben.

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Der Kunstschnee bleibt trotz der hohen Kosten und ökologischer Bedenken auf unbestimmte Zeit fester Bestandteil des Wintersports, glaubt Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP). „Eine ausreichende Beschneiung ist für unsere Wintersportgebiete auch mittelfristig wichtig, denn die Unabhängigkeit vom Schnee ist nicht von heute auf morgen erreichbar“, sagt Zeil.

Die Pistenbetreiber stecken demnach in einem Dilemma: Um schneesichere Pisten zu garantieren, müssen sie Millionenbeträge in Beschneiungsanlagen investieren.

Ein Kubikmeter Schnee kostet bis zu vier Euro. Bevor ein Skigebiet mittlerer Größe unter einer Schneedecke liegt, sind Investitionen von bis zu drei Millionen Euro nötig. Von diesem Investitionszwang profitieren vor allem die Hersteller der Beschneiungsanlagen. Vier große Unternehmen teilen sich das Geschäft mit künstlichem Schnee.

Weltmarktführer mit einem Marktanteil von rund 40 Prozent ist die Südtiroler TechnoAlpin AG. 260 Mitarbeiter erwirtschafteten 2011 knapp 100 Millionen Euro Umsatz, Schneekanonen aus dem italienischen Bozen sorgen in über 1 000 Skigebieten in 42 Ländern für schneesicheres Wedeln. „Wir sind überzeugt, dass auf diesem Nischenmarkt auf Dauer nur bestehen kann, wer weltweit aktiv ist“, sagt Martin Eppacher, Chef von TechnoAlpin in Österreich.

Erst kürzlich stiegen die Südtiroler durch die Übernahmen der bayerischen Innovag AG auch in den Markt für Indoor-Beschneiung ein.

Auch Konkurrent Sufag aus dem österreichischen Vorarlberg stattet internationale Pisten aus. Die Beschneiungsindustrie ist zwar noch ein Spezialmarkt, hat aber dank Klimawandel und der wachsenden Zahl an Skiläufern enormes Potenzial. Das hat auch ein Weltkonzern frühzeitig erkannt: Durch die Übernahme des Kühl- und Heizsystemherstellers York International spielt der US-Mischkonzern Johnson Controls bereits seit 2005 im Konzert der Beschneier mit und beflockt vor allem die französischen Berge.


Ausfälle darf es nicht geben

Bereits jetzt werden in Österreich rund 17000 Hektar beschneit. Das sind mehr als zwei Drittel aller Pisten – Tendenz steigend. Die wachsende Zahl an Skigebieten in Asien erhöht den globalen Bedarf an künstlichen Flocken. Und ein Ende ist auch in Deutschland nicht abzusehen: Bereits im Jahr 2007 prognostizierte die OECD, dass Bayerns Wintersportorte die größten Verlierer des Klimawandels sein dürften. Schon bei einer durchschnittlichen Erwärmung von zwei Grad Celsius wären 87 Prozent der dortigen Loipen nicht mehr schneesicher. Dafür müssen an mindestens 100 Tagen im Jahr durchschnittlich 30 Zentimeter Schnee liegen.

Die erste Schneekanone, die mit Druckluft arbeitet, wurde 1950 von einem US-Forscherteam gebaut. Das Grundprinzip ist einfach: Mithilfe von Druckluft wird Wasser in die möglichst kalte Luft gespritzt, damit es dort zu Schnee gefriert. Klingt zunächst simpel, ist aber ein kostspieliges Unterfangen. „Eine Beschneiungsanlage besteht bei Weitem nicht nur aus den Schneeerzeugern. Pumpstationen, Leitungssysteme oder Schächte sind das Herz und das Adernetz der Anlage. Hier dürfen keine Ausfälle passieren“, sagt Eppacher. „Hochwertige Materialien haben ihren Preis.“

Die Rechnung für den teuren Schnee zahlt am Ende der Urlauber. Fast überall in den Alpen sind in dieser Saison die Skipässe teurer als im Vorjahr. Als Grund nennen die Liftbetreiber nicht nur den hohen Bedarf an Kunstschnee, auch steigende Energiekosten sind Schuld. Die Skigebiete in der Schweiz haben sich den höchsten Preisanstieg gegönnt - hier kommt für deutsche Skiläufer auch noch der negative Effekt des starken Franken hinzu. In Zermatt-Cervinia, dem teuersten Skigebiet der Alpen, kostet ein Sechstagesskipass mittlerweile satte 344 Euro. Das sind elf Prozent mehr als im Vorjahr.

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