Aus Panzerriese wird U-Boot-Bauer: Rheinmetalls riskante Zukunftspläne

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Aus Panzerriese wird U-Boot-Bauer: Rheinmetalls riskante Zukunftspläne

von Rüdiger Kiani-Kreß und Henning Krumrey

Der Düsseldorfer Panzerriese Rheinmetall will sich neu erfinden. Der Umbau zum Rüstungselektroniker und U-Boot-Bauer ergibt strategisch zwar Sinn - ist aber kompliziert, teuer und riskant.

Nach dem jüngsten Treffen mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel Anfang September war die Stimmung unter Deutschlands Waffenbauern so explosiv, dass selbst dem für die extrem diskrete Branche sehr zurückhaltenden Frank Haun der Kragen platzte. „Berlin behandelt uns wie eine Mätresse“, giftete der Chef des Münchner Panzerbauers Krauss-Maffei Wegmann (KMW) im Fachblatt „Defense News“ wie auf dem Kasernenhof.

„Jeder will, was wir bieten, aber am liebsten würden sie uns tot sehen, wenn sie nur keiner beim Mord erwischt“, schimpfte Haun über die Tatsache, dass sein Hauptkunde Bundeswehr immer weniger bestellt und Gabriel ihm zugleich den wichtigsten Ausweg Export verbaut.

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Grundlegender Umbau

Rheinmetall-Chef Armin Papperger, mit dem Haun gemeinsam Kampfpanzer wie den Leopard baut, war dagegen spürbar entspannter. Der sonst zurückhaltende gebürtige Niederbayer scherzte auf dem Weg zur Pressekonferenz mit dem Minister.

Die gute Laune hat Gründe. Während sich das Gros der Waffenwirtschaft im Schraubstock wähnt, setzt der 51-Jährige auf Selbsthilfe. Der Chef des größten rein deutschen Rüstungsunternehmens hat einen grundlegenden Umbau im Visier.

Rüstung Riskante Ideen bei Rheinmetall

Die Pläne zum Umbau von Rheinmetall zu einem deutschen Rüstungsriesen sind riskant – sowohl politisch und erst recht wirtschaftlich.

Ein Schützenpanzer des Typs Puma. Quelle: dpa

Offiziell will sich bei den Düsseldorfern keiner zu den Plänen äußern. Aber klar ist: Rheinmetall prüft milliardenschwere Zukäufe. Die größte Überraschung: Ausgerechnet die spekulierte Übernahme von KMW findet dem Vernehmen nach wenig Interesse bei Papperger, im Gegenteil.

Insider vermuten, Rheinmetall könnte den klassischen Panzerbau rund um die gemeinsam mit KMW gefertigten Leopard 2 und Boxer weitgehend an die Münchner abgeben. Deutlich größer ist das Interesse an bisher als nachrangig geltenden Zielen wie der U-Boot-Tochter des Essener Stahlkonzerns ThyssenKrupp und am Elektronik- und Drohnengeschäft von Airbus.

Neuordnung der deutschen Rüstungsindustrie

„Am Ende stünde eine komplette Neuordnung der deutschen Rüstungsindustrie inklusive einer Konsolidierung, wie sie in Frankreich und Großbritannien bereits erfolgt ist“, urteilt Heinz Schulte, Chef des Informationsdienstes Griephan aus Hamburg und intimer Kenner der Branche mit Zugang zu den Chefetagen. Die drei Leitunternehmen wären dann Airbus (Flugzeuge und Raketen), KMW (Panzer) und Rheinmetall (Elektronik und U-Boote).

Europas größte Rüstungskonzerne nach einer Fusion von Rheinmetall mit Krauss-Maffei Wegmann und anderen Waffenschmieden

Europas größte Rüstungskonzerne nach einer Fusion von Rheinmetall mit Krauss-Maffei Wegmann und anderen Waffenschmieden (zum Vergrößern bitte anklicken)

Lediglich beim Bau von Fregatten und anderen Überwasserschiffen blieben noch mehrere Anbieter auf dem Markt wie die Bremer Werften Lürssen sowie Abeking & Rasmussen.

Auf den ersten Blick machen die Papperger zugeschriebenen Pläne Sinn. „Ein mittelgroßer Waffenbauer und Autozulieferer wird zum global agierenden Rüstungskonzern, der sich durch Neugeschäft in weniger kritischen Branchen den Zwängen aus sinkenden Etats und Exportkontrollen entzieht und in Europa zu den größten zählen könnte“, beschreibt der Hamburger Branchenexperte Heinrich Großbongardt das Konzept.

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