Firmenkäufe: Deutsche Unternehmen als Opfer?

Ausländische Firmenkäufe : Deutsche Unternehmen als Opfer?

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Der Augsburger Roborterhersteller Kuka wurde bereits von einem chinesischen Investor gekauft.

Im vergangenen Jahr haben ausländische Investoren so viele Unternehmen hierzulande gekauft wie nie zuvor. Nun wächst die Sorge vor einem Verlust von deutschem Fachwissen. Doch lassen sich grenzüberschreitende Firmenkäufe aufhalten?

Der Anlegerschutzverein DSW sieht „Aggressoren“ am Werk, der Aufsichtsrat wehrt sich gegen ein „Monopoly“ auf Kosten der Beschäftigten und Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) warnt vor einem „unverantwortlichen Machtpoker“. Bei Grammer tobt ein Kampf gegen eine Übernahme durch die bosnische Investorenfamilie Hastor. Auf der Hauptversammlung des Autozulieferers am Mittwoch (24. Mai) könnte eine Entscheidung fallen.

Ledvance, Hauck & Aufhäuser, KraussMaffei Wie geht es den Mittelständlern, die von Chinesen geschluckt wurden?

Der Aufschrei war groß, als Ledvance, Hauck & Aufhäuser und KraussMaffei vor einigen Monaten in die Hand von Chinesen übergingen. Die Erfahrungen der Chefs sind durchwegs positiv, wie ein Dreier-Gespräch zeigt.

Stephan Rupprecht, Frank Stieler, Jes Munk Hansen Quelle: Wolf Heider-Sawall für WirtschaftsWoche

Grammer ist kein Einzelfall. Immer mehr deutsche Firmen geraten ins Visier ausländischer Käufer, darunter prominente wie der Maschinenbauer KraussMaffei, der Pharmakonzern Stada und der Roboterhersteller Kuka, der an den chinesischen Investor Midea ging.

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Im vergangenen Jahr haben vor allem Käufer aus den USA, Europa und China die Rekordzahl von 873 deutschen Firmen übernommen, wie neue Zahlen der Beratungsgesellschaft PwC zeigen. Das entspricht einem Plus von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein Ende sei nicht in Sicht, meint PwC-Partner Steve Roberts. „Wir haben einen starken Jahresauftakt gesehen und dürften den Höchststand vom vergangenen Jahr noch übertreffen“. Viele Firmen hätten sich lange mit Zukäufen zurückgehalten und nun viel Bargeld angesammelt.

Für die Beliebtheit deutscher Unternehmer gibt es noch weitere Gründe. In Zeiten von weltweit eher mauem Wachstum ist die stabile deutsche Wirtschaft mit ihren spezialisierten Mittelständlern attraktiv. Und mit Unsicherheiten wie dem Brexit oder US-Präsident Donald Trump gilt die Bundesrepublik als Hort der Beständigkeit.

Übernahmen chinesischer Firmen in Deutschland

  • EEW Energy

    Die chinesische Holding Beijing Enterprises gab Anfang Februar 2016 bekannt, den Müllverbrennungsspezialisten EEW Energy from Waste aus Helmstedt für rund 1,44 Milliarden Euro zu übernehmen.

  • Krauss-Maffei

    Der Spezialmaschinenbauer wurde im Januar 2016 von ChemChina, dem größten Chemiekonzern Chinas, für 925 Millionen Euro gekauft. ChemChina kam unlängst erneut in die Schlagzeilen – mit einem 43-Milliarden-Dollar-Angebot für den Schweizer Agrarchemie-Anbieter Syngenta.

  • Koki Technik Transmission Systems

    Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems übernahm 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

  • Hilite

    Avic übernahm 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

  • Tailored Blanks

    Der Industriekonzern Thyssenkrupp schloss 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel ab. Zum Preis machten beide Seiten keine Angaben.

  • Kion

    2012 stieg der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kauften zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigerten 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhielt der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

  • Putzmeister

    Der Baumaschinenhersteller Sany übernahm 2012 den Betonpumpenhersteller für gut 320 Millionen Euro.

  • Kiekert

    Der Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme, Kiekert, ging 2012 in chinesische Hände. Der Hersteller aus Heiligenhaus bei Düsseldorf wurde vom börsennotierten chinesischen Automobilzulieferer Lingyun übernommen.

Zugenommen haben auch die Käufe durch Private-Equity-Gesellschaften, Finanzinvestoren, die Firmen übernehmen, um sie mit Gewinn weiter zu veräußern. Rund jeder dritte Kauf deutscher Firmen entfiel 2016 auf die Beteiligungsgesellschaften. „Die meisten setzen auf Unternehmen aus der Industrie, also das ökonomische Herz Deutschlands“, sagt Roberts. Für sie sei die Bundesrepublik „ein natürlicher Zielmarkt“.

Daneben steht eine weitere Branche im Fokus: Investoren sehen Gesundheitsunternehmen als „sicheren Hafen“, meint Franz-Robert Klingan, Partner bei der Managementberatung Bain. Die Weltbevölkerung altere, was den Bedarf an medizinischer Betreuung verstärke. Zudem erwirtschaften Pharmafirmen unabhängig von Konjunkturschwankungen und politischen Umbrüchen relativ stabile Erträge.

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