Auto der Zukunft: Toyota will die Poleposition beim vernetzten Auto

Auto der Zukunft: Toyota will die Poleposition beim vernetzten Auto

, aktualisiert 01. November 2016, 16:40 Uhr
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Toyota will den IT-Riesen den Zukunftsmarkt nicht kampflos überlassen.

von Martin KöllingQuelle:Handelsblatt Online

Toyota will den IT-Riesen nicht kampflos den Markt für die Vernetzung von Autos überlassen. Mit der Entwicklung einer globalen IT-Infrastruktur wollen die Japaner Apple, Google & Co auf den Beifahrersitz verbannen.

TokioToyotas Antwort auf die Attacke von Alphabet, Apple, Tesla & Co auf die Autoindustrie ist eine kleine, graue Box. SKB steht darauf, kurz für „Smart Key Box“. Und sie kann Millionen von Toyota-Autos auch nachträglich zu dem machen, wovon viele Hersteller noch träumen: zu vernetzten Mietautos, mobile Buchung und Versand digitaler Schlüssel inklusive.

Auch den ersten Kooperationspartner für die neue Technik kündigte Toyota an. Im Januar beginnt Toyota in San Francisco ein erstes Pilotprogramm mit dem Dienst Getaround, der Car-Sharing von privat an privat vermittelt. Kunden buchen dann ein Auto ihrer Wahl mit dem Handy und erhalten einen verschlüsselten Code zugesandt. Wenn sie sich dem Auto nähern, können sie mit einer App vom Smartphone via Bluetooth-Verbindung die Türen öffnen.

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Doch dies ist nur die Spitze des Eisbergs von Toyotas Strategie für die Vernetzung von Autos. Man wolle sich von einem Autobauer zu einer Plattform für Mobilitätsdienste entwickeln, erklärte Shigeki Tomoyama, der Chef von Toyotas konzerninterner Firma Connected Company, am Dienstag in Tokio. „Wir wollen neue Geschäfte schaffen und die Automobilindustrie revolutionieren“, sagte Tomoyama.

Die Idee an sich ist nicht neu. Die gesamte Industrie hetzt in die gleiche Richtung, seit amerikanische IT-Unternehmer die Autowelt aufgeschreckt haben. In Deutschland bieten bereits BMW und Daimler eigene Car-Sharing-Dienste an.

Europäische Hersteller haben sich zudem Nokias Kartendienst gekauft. Die französisch-japanische Allianz zwischen Renault und Nissan wiederum hat gerade angekündigt, ein 300 Kopf starkes Start-up aufzubauen, um Cloud-Dienste sobald wie möglich marktreif zu machen.

Auch die US-Hersteller schlafen nicht. Aber mit Toyota versucht nun einer der Weltmarktführer, mit einer eigenen Entwicklung die Poleposition in dem Rennen einzunehmen. Um Tempo zu machen, hat Toyota daher das Hauptquartier der Connected Company wie auch vom für Künstliche Intelligenz zuständigen Toyota Research Institute in den USA angesiedelt.


„Wir werden sie so nicht hineinlassen“

Das Ziel ist klar: „Glaubt jemand, dass wir einfach die Tür aufmachen und sagen, nun macht mal?“, fragte vorige Woche Toyotas Vizepräsident Didier Leroy unter Anspielung auf Apple und Google. „Nein, wir werden sie so nicht hineinlassen.“ Tomoyama erklärte, warum: „Die Schaffung von Mehrwert wird sich wahrscheinlich in die Cloud verschieben.“

Daher wollen die Japaner wie auch andere Autobauer Apples und Googles Idee abkupfern, über eigene mobile Betriebssysteme ein Biotop zu kontrollieren und damit Einnahmen zu generieren. Für die Entwicklung des künftigen Betriebssystems setzt Toyota daher auf die Open-Source-Gemeinschaft Linux, die ein „Automotive Grade Linux“ entwickelt.

Und um die Smartphones auf Distanz zu halten, hat sich Toyota wie auch die meisten anderen japanischen Hersteller Fords Smart Device Link angeschlossen. Das System regelt die Verbindung von Smartphones und dem Betriebssystem der Autos.

Darüber hinaus entwickelt Toyota eigene Infrastruktur und Datendienste in der Cloud. Und für die hat sich Japans Branchenprimus wie Lokalrivale Nissan und andere Hersteller mit einem der Verlierer des Smartphone-Kriegs verbündet: Immer mehr Hersteller nutzen Microsofts Cloud-Computing-Plattform Azure.

Eine der Ideen sind Leasingverträge von Toyotas Finanzdienstleister für Besitzer, die ihre Autos teilen, bei denen die Raten automatisch mit den Mieteinnahmen verrechnet werden. Doch ein Teil der Zukunft ist bereits heute Wirklichkeit.

Schon im April hat Toyota in den USA eine Firma gegründet, die für Autoversicherer das Fahrverhalten der Halter einstuft. Damit werden spezielle Versicherungstarife für Raser und defensive Fahrer möglich. Tomoyama erwartet, dass diese Versicherungen künftig 40 Prozent des Markts ausmachen werden. Außerdem ist Big-Data für Toyota in Japan schon seit Jahren ein Geschäft. Über einige tausend vernetzte Autos erfasst das Unternehmen landesweit Verkehrsdaten und bietet sie zum Verkauf an.

Die Entwicklung zum vollvernetzten Auto wird allerdings zuerst dort beginnen, wo Toyota ein Riese ist. Bis 2020 sollen fast alle für Japan und Nordamerika gebauten Autos mit standardisierten Modulen für die Datenkommunikation ausgerüstet werden. In anderen Märkten wird der Ausbau der neuen Toyota-Welt langsamer erfolgen. Das Rennen um die Herrschaft über das Auto der Zukunft hat gerade erst begonnen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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