Autobauer: „Toyota alleine ist nicht genug“

Autobauer: „Toyota alleine ist nicht genug“

, aktualisiert 07. November 2017, 11:03 Uhr
Bild vergrößern

Hohe Investitionen in neue Antriebe wie Elektroautos und autonomes, vernetztes Fahren belasten die Finanzen.

von Martin KöllingQuelle:Handelsblatt Online

Toyota leidet in seiner Halbjahresbilanz auf hohem Niveau. Die Profitabilität sinkt, vor allem in den USA. Mit Allianzen will der Autoriese nun die Kosten für die Entwicklung von Elektroautos und autonomem Fahren senken.

TokioToyota fährt den Rekorden von 2015 weiter hinterher. Damals verbuchte der Konzern mehr als zehn Prozent seines Umsatzes als Gewinn. In der ersten Hälfte seines seit April laufenden Bilanzjahres sackte die Marge weiter von 8,5 auf 7,7 Prozent ab. Denn ein Gewinneinbruch in seinem größten Markt Nordamerika und Wechselkursverluste konnte der Konzern nicht vollständig durch Wachstum in anderen Märkten und Einsparungen wettmachen.

Als einen Grund für die leichte Bremsung nannte Toyota, dass selbst bei der zweitgrößten Autogruppe der Welt hohe Investitionen in neue Antriebe wie Elektroautos und autonomes, vernetztes Fahren die Finanzen belasten. Daher habe Toyota mit Mazda und dem Zulieferer Denso eine Allianz für die Entwicklung von Elektroautos geschlossen, erklärte Toyota-Manager Nobuhiko Murakami. „Toyota alleine ist nicht genug.“

Anzeige

Dass selbst Toyota mit seiner Tradition des Alleingangs bricht, zeigt, wie groß die Herausforderungen für die traditionellen Autohersteller sind. Die gesamte Industrie sucht in den letzten Jahren nach Kooperationspartnern und teilweise richtigen Kapitalallianzen, um die hohen Entwicklungskosten auf mehr Absatz zu verteilen.

Das beste Beispiel ist die Renault-Nissan-Allianz, die durch den Zukauf von Mitsubishi Motors zur größten Autogruppe der Welt aufgestiegen sind. Nissan wird am Mittwoch seine Halbjahresbilanz und wichtiger noch seinen neuen mittelfristigen Managementplan vorstellen.

Die finanzielle Belastung, mehrere Antriebstechnologien gleichzeitig entwickeln zu müssen, wird noch durch die üblichen Schwierigkeiten auf den verschiedenen Automärkte verschärft. Toyota beispielsweise leidet gerade darunter, dass der Weltmarktführer bei Hybridautos in Nordamerika lange auf benzinsparende Kompaktautos und Mittelklasselimousinen gesetzt hat.

Umso härter wurde Toyota in seinem größten Markt, der in der ersten Jahreshälfte 32 Prozent des globalen Absatzes ausmachte, von der boomenden Nachfrage für Pick-up-Trucks erwischt. Denn Toyota kann nun die Nachfrage in den Segmenten nicht vollständig bedienen. Die Verkäufe sanken dort in diesem Zeitraum leicht auf 1,4 Millionen Stück. Aber der Gewinn sackte von 296,7 Milliarden auf nur noch 141,1 Milliarden Yen, umgerechnet gut eine Milliarde Euro, ab. Dies entspricht nur noch einer Gewinnmarge von 2,7 Prozent.


Produktion von SUVs und Pick-ups wird erhöht

Ein Grund sei der Produktionsengpass in den boomenden Kategorien, erklärte Finanzchef Osamu Nagata am Dienstag in Tokio. Zum anderen steigen die Rabatte und sinken die Wiederverkaufswerte von gebrauchten Klein- und Mittelklasselimousinen, weil immer mehr dieser Modelle in den Markt strömen. „Dieser Trend wird noch zwei bis drei Jahre andauern“, meint Nagata.

Toyota hat zwar bereits reagiert. Die Produktion von SUVs und Pick-up-Trucks wird erhöht, neue Modelle geplant. Aber die Anpassung dauert. Der Finanzchef hofft, dass Toyota die Profitabilität des Regionalmarkts in der zweiten Hälfte kommenden Jahres wieder erhöhen kann.

Immerhin profitiert Toyota als global aufgestellter Hersteller davon, dass andere Märkte die Ergebnisse stabilisieren. In der früheren Problemzone Europa stiegen Umsatz und Gewinne im ersten Halbjahr. Nach dem Absturz der USA ist die Gewinnspanne sogar so hoch wie in den USA. Auch in Japan und den vermischten Märkten von Australien über die Golfregion, Afrika bis nach Südamerika ging es bergauf.

Insgesamt erhöhte die Toyota-Gruppe inklusive ihrer Tochtergesellschaften Daihatsu und dem Lkw-Hersteller Hino ihren Absatz in den ersten sechs Monaten um 149.000 auf 5,2 Millionen Autos. Die Einnahmen stiegen sogar um 8,6 Prozent auf 14,2 Billionen Yen (107 Milliarden Euro). Der operative Gewinn fiel allerdings um 1,8 Prozent auf 1,109 Billionen Yen (8,3 Milliarden Euro), während der Reingewinn um 13,2 Prozent auf 1,071 Billionen Yen (8,1 Milliarden Euro) stieg.

Für das Bilanzjahr erhöhte Toyota seine Gewinnprognose. Der operative Gewinn soll nun mit zwei Billionen Yen und der Reingewinn mit 1,95 Billionen Yen höher als bisher vorhergesagt ausfallen. Beide Werte wären höher als im Vorjahr. Unverändert will der Konzern im laufenden Bilanzjahr 10,25 Millionen Autos verkaufen und 28,500 Billionen Yen einnehmen.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%