Autobranche: BMW macht Japan schöne Augen

Autobranche: BMW macht Japan schöne Augen

, aktualisiert 01. Dezember 2011, 12:50 Uhr
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Mit scharfen Scheinwerferaugen blickt der BMW i8 drein.

Quelle:Handelsblatt Online

Der deutsche Autobauer BMW hat eine Partnerschaft mit Toyota geschlossen. Batterietechnik für die Deutschen, Motoren für die Japaner. Eine heikle Mission: Es geht ums Herz des Automobils.

München, TokioBMW liefert Toyota künftig Dieselmotoren und arbeitet mit den Japanern auch in der Forschung eng zusammen. Beide Konzerne vereinbarten am Donnerstag in Tokio eine entsprechende Partnerschaft - und wollen weitere Projekte prüfen. Für die Münchner ist es die erste Kooperation mit einem japanischen Hersteller. „Wir sehen unsere Partnerschaft als einen wichtigen Schritt vorwärts“, sagte BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson auf einer Pressekonferenz am Rande der Tokyo Motor Show in der japanische Hauptstadt. Mit der Allianz der Hersteller ist die Autoindustrie um eine Kooperation reicher und verstärkt den Trend zur Zusammenarbeit von Konkurrenten.

BMW und Toyota, das ist ein ungewöhnliches Bündnis zweier großer Namen in der Autoindustrie – zeigt aber ein Muster. In immer kürzeren Abständen knüpfen die Konzerne neue Allianzen, Koalitionen und Partnerschaften – denn der Wandel zur Elektromobilität macht die stolzen Konzerne verwundbar.

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Mehr denn je sind die klangvollen Namen wie Daimler, BMW und VW auf die Zusammenarbeit mit Branchenfremden angewiesen, um sich in die neue Zeit zu retten. Die seit 125 Jahren angesammelte Erfahrung mit Verbrennungsmotoren hilft den Branchenriesen beim Sprung in ein Zeitalter ohne Öl dabei nur wenig. Neues Know-how ist nun gefragt über Batterie-Management, Leichtbau und digitale Vernetzung. Doch diese Kompetenz liegt weitgehend außerhalb des Reiches der bisherigen Autohersteller.

Das Darwin-Spiel, bei dem nur der Fitteste und Schnellste überlebt, hat in der Branche längst begonnen, zahlreiche Parallelentwicklungen stellen die Hersteller vor eine Zerreißprobe. Die Forschung dafür verschlingt branchenweit Milliarden von Euro. Die Gefahr, die Gewinne der Gegenwart falsch einzusetzen, ist groß.

Für Deutschland steht viel auf dem Spiel: Die Autoindustrie ist einer der größten Arbeitgeber der Republik, sie prägt den Industriestandort. Und damit das so bleibt, teilen die Autobauer angesichts ihres geringen Know-hows nun erstmals Kernkompetenzen wie die Batterietechnik oder die Fertigung des Antriebs mit wichtigen Lieferanten und Konkurrenten. Dass sich selbst wirtschaftlich starke Konzerne wie BMW und Toyota zusammenschließen müssen, ist nicht nur ein Fanal für den Aufbruch in eine neue Zeit, sondern eben auch ein Eingeständnis der Schwäche.


BMW-Dieselmotoren in Autos von Toyota

BMW und Toyota wollen bei der Grundlagenforschung für die Batterietechnik zusammenarbeiten, vor allem bei der Weiterentwicklung der Lithium-Ionen-Technologie, die als wichtige Schlüsseltechnologie für die Entwicklung der Elektromobilität gilt. „Es macht eindeutig Sinn für zwei erfahrene und innovative Unternehmen, ihre Kraft und Erfahrung zu bündeln“, sagte BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Draeger. Toyota gilt etwa bei Hybrid-Antrieben als führend. Die Batterien sind sowohl für die Kopplung von Verbrennungs- und E-Motoren wichtig, aber auch für reine Elektrofahrzeuge wohl das entscheidende Bauteil.

BMW wird zudem Toyota sowohl 1,6 als auch 2,0 Liter Dieselmotoren liefern. Der japanische Branchenriese will die sparsamen Aggregate vor allem nutzen, um die eigene Palette verbrauchsarmer Fahrzeuge zu erweitern. Über Stückzahlen und die finanziellen Rahmendaten machten die Firmen keine Angaben.

Die Bayern haben den Verkauf von Motoren an andere Hersteller bereits vor längerem zum Bestandteil ihrer Strategie gemacht, Toyota ist aber das erste Schwergewicht. Zwar hatte der Riese in den vergangenen Monaten unter Massenrückrufen und der Bebenkatastrophe in Japan gelitten, gehört aber nach wie vor unter den Autobauern zum weltweiten Spitzentrio mit VW und General Motors.

Bisher hat BMW etwa mit Saab einen Liefervertrag unterzeichnet. Doch wegen der möglichen Pleite des schwedischen Autobauers steht die Belieferung infrage. Der US-Polizeiwagenhersteller Carbon Motors will laut Abmachung von 2010 zwar mehr als 240.000 Dieselmotoren der Münchner beziehen, hat aber noch Probleme, den Wagen überhaupt auf die Räder zu stellen. Die Vereinbarung mit Toyota ist damit ein wichtiger Schritt für die Münchner im Motorengeschäft.


Kostensenkungen sind wichtiger als Alleinstellungsmerkmale

Dabei galt die Lieferung von Motoren trotz teils lang bestehender Kooperationen lange Zeit als heikel, denn Motoren sind nicht nur das Herz des Autos, sondern auch ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal für Marken. Doch die hohen Kosten für die Entwicklung zwingt viele Konzerne zur Zusammenarbeit, auch an diesem Punkt. Die Produktion vieler anderer Teile haben die Hersteller längst ausgegliedert. Seit langem sind etwa Scheinwerfer, Reifen, Sitze, Airbags oder Fenster und ganze Komponenten inzwischen überwiegend Zulieferteile.

Für die Münchner ist es nicht die erste Kooperation mit einem anderem Hersteller. BMW arbeitet bereits bei Hybridantrieben mit dem Motorenpartner PSA Peugeot Citroën zusammen. Die Projekte laufen aber erst an. Gerade für einen im Vergleich etwa mit Volkswagen eher kleinem Autobauer wie BMW werden solche Vorhaben zunehmend wichtiger.

Ganz oben auf der Wunschliste der Hersteller stehen Kostensenkungen. Ohne Zusammenarbeit ist das aber kaum zu schaffen. Die kostspielige Entwicklung alternative Antriebe hat den Druck dabei noch erhöht. Das solche Projekte aber auch schwierig sein können, muss gerade Volkswagen mit seinem japanischen Partner Suzuki erleben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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