Autokrise: Toyota scheidet aus dem Kampf um die Weltspitze aus

Autokrise: Toyota scheidet aus dem Kampf um die Weltspitze aus

, aktualisiert 09. Dezember 2011, 11:08 Uhr
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Unter Druck: Akio Toyoda auf Tokyo Motor Show im November.

von Christian Müßgens und Sebastian SchaalQuelle:Handelsblatt Online

Der Autobauer schraubt seine Prognose runter - und fällt damit weiter hinter die Konkurrenten Volkswagen und General Motors zurück. Die Hybridtechnik soll die Wende bringen. Doch das ist eine riskante Strategie.

DüsseldorfFür den Automanager Akio Toyoda sind schwierige Zeiten nichts Ungewöhnliches. Als der älteste Sohn des langjährigen Konzernchefs und späteren Ehrenvorsitzenden Shoichiro Toyoda vor zwei Jahren das Steuer bei Toyota übernahm, steckte das Unternehmen in einer schweren Krise. Die globale Absatzflaute traf den Konzern hart, erstmals in der Firmengeschichte musste Toyota einen Verlust ausweisen.

Jetzt sind seine Qualitäten als Krisenmanager erneut gefragt. Das Jahr 2011 war ein Desaster: Naturkatastrophen und Missmanagement haben das Unternehmen wieder in eine schwierige Lage gebracht. Kaum hat sich der bisherige Branchenprimus von Sturmflut und anschließender Kernschmelze berappelt, werfen die Flut in Thailand und der starke Yen den Konzern abermals aus der Spur.

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Die Folgen sind dramatisch. Heute Vormittag musste das Unternehmen erneut seine Prognose für das Gesamtjahr kassieren: Toyota rechnet jetzt nur noch mit einem Betriebsgewinn von 200 Milliarden Yen, umgerechnet rund 1,9 Milliarden Euro. Das liegt rund 60 Prozent Prozent unter dem Vorjahreswert und deutlich unter den Vorhersagen der Analysten. Auch die Absatzprognose korrigiert der Konzern nach unten: Rund 7,6 Millionen Autos wollte Toyota eigentlich in diesem Jahr verkaufen, jetzt sollen es weniger als 7,4 Millionen sein. Im vergangenen Jahr waren es noch rund 8,4 Millionen.

Für die stolzen Japaner ist das bitter: Toyota scheidet vorerst aus dem Kampf um die Weltspitze des Automarkts aus. Mit rund 9 Millionen verkauften Fahrzeugen wird Konkurrent General Motors nach Berechnungen des Center of Automotive Management in diesem Jahr endgültig auf Platz eins landen. Toyota kommt nur noch auf Platz drei, den zweiten Platz erobert der deutsche Autobauer Volkswagen.

Vor allem in den Vereinigten Staaten lief es für die Japaner schlecht. Die Pannenserie um vermeintlich kaputte Fußpedale kostete den Autobauer seine Marktposition. Toyota musste zusehen, wie Ford vorbeizog. Mit einer Produktoffensive will Automanager Toyoda den Konzern jetzt auf Angriff trimmen – und  verlorene Marktanteile zurückgewinnen.

Auf dem amerikanischen Markt setzt Toyota dabei auf die Hybridtechnologie. Im kommenden Frühjahr wird der Hersteller in Amerika zwei neue Modelle des Prius in die Autohäuser bringen, außerdem soll die Elektrotechnik auf andere Fahrzeugsegmente übertragen werden: So entwickeln die Japaner gemeinsam mit Ford Hybridmotoren für Geländeautos und Lastwagen.

Mit den neuen Modellen sollen die Verkaufszahlen von Hybridfahrzeugen in den Vereinigten Staaten steigen. Das soll einer der ersten Schritte sein, um Toyota nach dem schweren Gewinneinbruch des laufenden Jahres zumindest in einem wichtigen Teilmarkt wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Wie der Branchendienst Automotive News berichtet, will  Toyota den jährlichen Absatz der Zwittermodelle zwischen Benziner und Elektroauto bis zum Jahr 2015 auf rund 400.000 Einheiten hochschrauben. Sollte der amerikanische Hybridmarkt ein solches Volumen erreichen, würde es sich sogar lohnen, die Produktion stärker dorthin zu verlagern – und die Folgen des starken Yen einzudämmen, unter denen Toyota zurzeit stark leidet.

Auf diese Weise, so die Hoffnung der Japaner, könnten sie das Schicksalsjahr 2011 hinter sich lassen. Doch die Strategie ist riskant: Denn die Nachfrage nach den vergleichsweise teuren Zwitterautos zwischen Stromer und Benziner hängt eng mit dem Benzinpreis zusammen. Sollte der fallen, sinkt für die Konsumenten der Druck, auf sparsamere Fahrzeuge auszuweichen.

Der Aufpreis für die Hybridtechnik ist beträchtlich, der Nutzen in der Praxis oft gering. Bei dem Geländewagen Lexus RX kostet der Hybrid knapp 7.000 Euro mehr als der reine Benziner. Für den Kompaktwagen Toyota Auris mit Hybridantrieb verlangen die Japaner 600 Euro Aufpreis.

Der Verbrauchsvorteil fällt im Alltag zudem meist deutlich geringer aus als auf dem Papier. Im Prospekt ist etwa der Lexus RX450h mit einem fabelhaften Wert von 6,3 Litern auf 100 Kilometer angegeben – ein 2,1-Tonnen-SUV mit 299 PS. Im Praxistest des Fachmagazins „Auto, Motor & Sport“ lag der Verbrauch bei 10,9 Litern. Damit liegt er auf Augenhöhe mit den vergleichbaren Dieselmotoren der deutschen Hersteller.

Zwar wird ein Teil der beim Bremsen freiwerdenden Energie in der Batterie gespeichert, größtenteils werden die Akkus aber über den Benzinmotor geladen. Dieses Problem will Toyota mit dem Plug-In-Hybrid beheben. Bei einem solchen Fahrzeug kann die Batterie auch per Kabel aufgeladen werden. Einen Vorteil in der Umweltbilanz bringt das allerdings nur, wenn der Strom aus regenerativen Energien kommt.

Für eine erfolgreiche Expansion in Amerika spricht allerdings die Zuverlässigkeit der Autos. In der TÜV-Zuverlässigkeitsstatistik hat der Prius in diesem Jahr zum zweiten Mal in Folge die Kategorie der dreijährigen Fahrzeuge gewonnen. Nur bei 1,9 Prozent der untersuchten Fahrzeuge des Modells konnten die Prüfer erhebliche Mängel feststellen. Die besten deutschen Autos liegen hier auf Rang vier. Diesen Platz teilen sich der Porsche Boxster und der Golf Plus von Volkswagen mit jeweils 2,8 Prozent erheblichen Mängeln. 

Selbst wenn die Hybridstrategie in den USA zündet, wird das nicht reichen, um Toyotas Position dauerhaft zu stabilisieren. Bei aller Begeisterung für die Kombination aus Verbrennungsmotor und Elektroaggregat darf der Konzern nicht die konventionelle Antriebstechnik vernachlässigen. Denn auf dem Massenmarkt führen die konventionellen Verbrennungsmotoren mit großem Abstand – nur wer dort mit sparsamen und preiswerten Motoren punktet, kann langfristig erfolgreich sein. So attraktiv die Hybridtechnologie ist: Sie wird auch in absehbarer Zeit ein Nischensegment bleiben.

Firmenchef Akio Toyoda weiß das – und zieht seine Schlüsse. Erst vor wenigen Tagen verkündeten die Japaner auf dem Branchentreffen in Tokio eine Zusammenarbeit mit BMW. Toyota will mit den Münchnern gemeinsam Lithium-Ion-Batterien für Elektrofahrzeuge entwickeln – vor allem sollen die Münchner aber Dieselmotoren für japanische Autos liefern. Das soll Toyota einen besseren Zugang zum europäischen Markt sichern. Denn dort sind Autos mit Dieselantrieb weiterhin stark gefragt.

Zumindest die Toyota-Tochter Lexus geht in Europa einen anderen Weg. Ein Diesel sei derzeit nicht geplant, sagte Europa-Chef Andy Pfeiffenberger erst kürzlich zu Handelsblatt Online. Weil sich nach eigenen Berechnungen der Flottenausstoß seit 2008 von 203 auf 122 g CO2 gesunken sei, sehe man keinen Handlungsbedarf. „Dafür soll in jedes Modell der Marke ein Hybrid eingebaut werden“, so der Manager.

Ob Toyota in absehbarer Zeit so seine Stellung auf dem Automarkt halten und langfristig ausbauen kann ist aber fraglich. Denn nicht nur die beiden Riesen Volkswagen und General Motors machen Druck. Mit Hyundai-Kia positioniert sich ein weiterer Angreifer. Der Dreikampf an der Weltspitze könnte deshalb schon bald zu einem Kampf der großen Vier werden, glauben Experten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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