Automarkt: Autobranche fährt mit Vollgas in die Nebelwand

Automarkt: Autobranche fährt mit Vollgas in die Nebelwand

, aktualisiert 02. Dezember 2011, 16:04 Uhr
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Faszination Automobil: Besucher der Automobilausstellung IAA betrachten die Studie F-125 von Mercedes-Benz.

Quelle:Handelsblatt Online

Noch können die deutschen Autobauer auf ein glänzendes Jahr 2011 zurückblicken. Doch für Jubelstimmung gibt es keinen Grund. Denn die Aussichten für das kommende Jahr sind mehr als ungewiss.

Wenn sie nur auf dieses Jahr gucken, können die deutschen Autobauer den Sekt wohl getrost im Keller lassen - und lieber gleich die Champagnerflaschen hoch holen. Denn kurz vor Jahresschluss sieht es ganz danach aus, als ob 2011 das erfolgreichste Jahr aller Zeiten für die hiesige Autobranche werden könnte. „Das Autojahr 2011 wird ein Rekordjahr“, hatte jüngst der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann gesagt.

So werden die deutschen Autobauer wohl eine Reihe von Rekordmarken knacken: Der VDA rechnet etwa damit, dass in diesem Jahr mehr als 5,9 Millionen Pkw produziert werden könnten - so viele wie noch nie zuvor. Auch die Zahl der exportierten Autos erreicht mit mehr als 4,5 Millionen ein Rekordmaß. Die Umsätze der Branche sollen um 13 Prozent auf 358 Milliarden Euro zulegen. Das alles schlägt sich auf dem Arbeitsmarkt nieder. Die Zahl der Beschäftigten bei Herstellern und Zulieferern dürfte laut VDA um 23.600 auf 730.000 steigen.

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Und auch die jüngsten Nachrichten aus den USA und aus Deutschland lassen nicht vermuten, dass der Boom zu Ende gehen könnte. Der deutsche PKW-Markt etwa hat im November an Fahrt gewonnen. Laut dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) sind in diesem Jahr rund 3,2 Millionen neue Autos zugelassen worden. Das sind 9,1 Prozent mehr als in den ersten elf Monaten 2010. Und der wichtige US-Automarkt hat sich den sechsten Monat in Folge erholt. Alle großen Hersteller verbuchten ein deutliches Absatzplus - besonders die deutschen. Am stärksten legte die Daimler-Tochter Mercedes-Benz zu, die die Zahl der verkauften Autos um 55 Prozent auf 28.300 steigerte.

Also alles prima? Nichts ist prima. Der Champagner von heute könnte morgen schal schmecken. Denn die Aussichten fürs Autojahr 2011 sind düster. VDA-Präsident Wissmann weiß das. Nach Rekorden bei Produktion, Export und Umsatz erwartet die deutsche Autoindustrie für das kommende Jahr ein deutlich verhalteneres Wachstum. Die Branche erwarte „ein hartes Arbeitsjahr“ mit „mehr Gegenwind“, so Wissmann. Für 2012 sei er dann zuversichtlich, „wenn es gelingt, die Finanzmärkte zu stabilisieren“. Wissmann prognostizierte Autoverkäufe höchstens noch auf dem Niveau des laufenden Jahres. Wenn das denn überhaupt zu halten ist.

Denn in Westeuropa sind die Verkäufe neuer Pkw im Oktober bereits gesunken. Die Zahl sei im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 1,2 Prozent auf 980.600 gefallen, teilte der VDA unlängst mit. Deutschland (plus ein Prozent), Frankreich (plus zwei Prozent) und Großbritannien (plus drei Prozent) liegen zwar im Plus - aber entgegen einem negativen Trend. In Schuldenländern wie Italien und Spanien schlagen die Verbraucher schon seit Monaten einen großen Bogen um die Schauräume der Autohändler.


Wachstumsmärkte lassen Autobranche im Stich

Und das ist noch nicht alles. Nicht nur in Europa, auch in anderen Regionen nehmen die Bremsspuren zu: Der weltgrößte Pkw-Markt China, wo sich die Hersteller lange über hohe Zuwächse freuen konnten, verliert zusehends an Schwung. Im Oktober legten die Neuzulassungen dort nach Angaben des deutschen Herstellerverbands VDA nur noch um knapp fünf Prozent zu. Seit Jahresbeginn stieg die Pkw-Nachfrage in der Volksrepublik um gut neun Prozent.

„Das Wachstum bei Personenwagen wird im ganzen Jahr nur noch bei etwa vier Prozent liegen“, sagt denn auch der Chefökonom und Vizegeneralsekretär der chinesischen Vereinigung für PKW (CPA), Cui
Dongshu.  In den vergangenen zwei Jahren sei der Automarkt noch ungewöhnlich schnell mit 48 Prozent (2009) und 32 Prozent (2010) gewachsen. „Nach dem starken Wachstum musste es einen massiven Rückgang geben“, so Cui.

Und was ist mit den anderen Hoffnungsmärkten? In Brasilien sanken die Neuzulassungen im vergangenen Monat um acht Prozent. In Indien, auf das sich die Hoffnung der Hersteller für die Zukunft richten, schrumpfte der Absatz sogar um ein Fünftel, weil laut VDA mehrere Zinserhöhungen und hohe Benzinpreise die Verbraucher vom Kauf eines neuen Autos abhalten. Und in Indien brach der Absatz wegen mehrerer Zinserhöhungen und teurerer Benzinpreise um ein Fünftel auf 183.100 Fahrzeuge ein.

Und die Prognosen fallen nicht besser aus. Auf dem westeuropäischen Automarkt ist laut dem Center Automotive Research (CAR) ein Rückgang der Verkäufe um 5,3 Prozent zu erwarten. „West-Europa wird im Jahr 2012 zur Problemregion der Autoindustrie“, wie CAR-Direktor Ferdinand Dudenhöffer sagt. Gegenüber dem Jahr 2011 müsse im Jahr 2012 mit einem Verkaufsrückgang um 671 000 Fahrzeugen gerechnet werden. Die Jahresproduktion zwei großer Fahrzeugwerke in West-Europa werde quasi überflüssig. „Das Jahr 2012 wird das schlechteste Verkaufsjahr für Pkw in West-Europa seit 18 Jahren.“

Weltweit werde das Autogeschäft im kommenden Jahr stagnieren; der Kapazitätsausbau in Asien, Südamerika, in den USA und in Russland setze die Gewinne von Autobauern und Zuliefern zusätzlich unter Druck. Noch bleibt der VDA angesichts dieser Alarmsignale ruhig. Die Unternehmen der Branche seien „flexibel genug, um einen eventuell schwächeren Westeuropa-Markt international ausgleichen zu können“, so Verbandspräsident Wissmann.

Quelle:  Handelsblatt Online
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