Automesse in Schanghai: In China fährt die elektrische Zukunft vor

Automesse in Schanghai: In China fährt die elektrische Zukunft vor

, aktualisiert 18. April 2017, 08:54 Uhr
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Nicht nur die deutschen Hersteller wollen auf der Automesse in Schanghai zeigen, dass sie das neue Geschäft mit den Elektromodellen beherrschen.

von Stefan MenzelQuelle:Handelsblatt Online

In dieser Woche trifft sich die Autowelt zur Messe in Schanghai. China wird eine Schlüsselrolle beim E-Auto spielen. Jaguar und Volvo haben Neuheiten angekündigt – und auch von VW wird ein starker Auftritt erwartet.

SchanghaiEtliche deutsche Automanager hatten nur ein verkürztes Osterfest. Viele mussten frühzeitig die Koffer packen und sind schon am Ostermontag in Richtung Fernost aufgebrochen. Ihr Ziel: Die größte chinesische Automesse in Schanghai, die in dieser Woche beginnt. China ist zum großen Dorado für alle Autohersteller der Welt geworden, also auch für die deutschen. Die Anwesenheit in Schanghai ist Pflicht, weil in China so viele Autos wie sonst nirgends in der Welt verkauft werden. Und ein Ende des Wachstums ist noch lange nicht absehbar.

„Schanghai ist die Messe der Zukunft“, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Autoprofessor an der Universität Duisburg-Essen, „und die Zukunft hat viel mit China zu tun.“ Während die IAA, die führende deutsche Automesse im September in Frankfurt, mit einer wachsenden Zahl von Absagen der Hersteller zu kämpfen hat, ist der Zuspruch in Schanghai ungebrochen. „Dynamik pur“, meint Dudenhöffer. Die anhaltend hohen Zuwachsraten sorgten automatisch dafür, dass das Interesse am chinesischen Markt dauerhaft groß bleibe.

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In diesem Jahr wird die Messe in Schanghai allerdings auch technologisch Standards setzen. Die chinesische Regierung drängt darauf, dass das Land zum Vorreiter bei Elektroautos wird. Dafür sorgen allein schon die zunehmenden Umweltprobleme in den großen Ballungsräumen des riesigen Landes. China braucht die Elektrofahrzeuge, damit die Luft in Peking und Schanghai nicht noch dicker wird. Da wird sogar der Autoprofessor ein wenig euphorisch. „Im Brennpunkt der wichtigsten Automesse der Welt steht der Aufbruch in die Zeit der Elektroautos und der Vernetzung“, betont Dudenhöffer.

Schon jetzt spielen elektrisch angetriebene Autos in China eine vergleichsweise große Rolle. Im vergangenen Jahr sind weltweit 873.000 Elektroautos und Hybrid-Modelle verkauft worden, davon allein 507.000 in China. Der Anteil der elektrisch betriebenen Autos bei den Neuzulassungen lag damit in China im vergangenen Jahr bei 2,1 Prozent – in Deutschland waren es lediglich 0,8 Prozent.

Nach Expertenschätzungen wird es in den kommenden Jahren deutlich mehr Elektroautos in China geben. 2017 könnten es schon mehr als 700.000 werden. Und danach geht es rasant nach oben: Vier Millionen werden für das Jahr 2020 erwartet, gut zehn Millionen fünf Jahre später.

Nicht nur die deutschen Hersteller wollen in Schanghai zeigen, dass sie das neue Geschäft mit den Elektromodellen beherrschen. So sind für die Automesse Elektroneuheiten von Jaguar und Volvo angekündigt. Ford hat angekündigt, dass bis zum Jahr 2020 etwa 70 Prozent aller in China verkauften Modelle auch elektrisch zu haben sein werden. Genauso wollen die chinesischen Hersteller auf ihrer Heimatmesse unterstreichen, dass sie beim Thema Elektro ernstzunehmende Wettbewerber sind.

Auch in Sachen Qualität müssen sich die Hersteller aus der Volksrepublik nicht mehr verstecken. Sie haben die Lücke zu europäischen und anderen asiatischen Herstellern geschlossen und werden deshalb künftig auch als Exporteure eine wichtigere Rolle als bislang spielen. Zudem wird die Zahl der chinesischen Hersteller immer größer: Autokäufer müssen sich an Namen wie Lynk & Co oder NIO gewöhnen.

Die deutschen Hersteller wollen beim Thema Elektroantriebe in Schanghai in der ersten Reihe mitspielen.


28 Prozent aller Autos weltweit werden in China verkauft

Der Volkswagen-Konzern, seit Jahren Marktführer in der Volksrepublik, fährt in Schanghai gleich mit mehreren Elektro-Neuheiten vor und dürfte deshalb auf der Messe den stärksten Auftritt der Deutschen haben. Die Marke Volkswagen sowie die Töchter Audi und Skoda wollen auf der Autoschau gleichermaßen zeigen, dass sie auch im Elektrozeitalter in China eine bedeutende Rolle einnehmen werden.

Schon heute und damit noch vor der flächendeckenden Einführung der Elektromodelle sind die Wachstumsaussichten auf dem chinesischen Automarkt unverändert gut. Das lässt sich allein an den Verkaufszahlen für das erste Quartal des Jahres 2017 ablesen, in dem der Pkw-Absatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um sieben Prozent zugelegt hat. Optimistisch gestimmte Experten glauben, dass das auf Jahressicht noch mehr werden könnte. „Auch in diesem Jahr sollte der chinesische Automarkt um bis zu acht Prozent zulegen können“, sagt Frank Schwope, Automobilanalyst bei der NordLB in Hannover.

Weitere Zahlen belegen, wie wichtig der chinesische Automarkt inzwischen geworden ist. Der VW-Konzern verkauft dort ungefähr 40 Prozent seiner Autos, bei Daimler sind es immerhin rund 25 Prozent. Die drei deutschen Premiummarken BMW, Mercedes und Audi haben ihre Verkaufszahlen in China im vergangenen Jahr um 13 Prozent auf knapp 1,6 Millionen Pkw steigern können. Bei den Premiummarken liegt Mercedes vor BWM und Audi. Ein ungelöster Konflikt mit den eigenen Händlern hat die Ingolstädter VW-Tochter in den vergangenen Monaten deutlich zurückgeworfen. Zuvor war Audi in China die Nummer eins.

Es fehlt nicht mehr viel, und jeden Monat werden in China bald so viele Autos verkauft wie in Deutschland in einem ganzen Jahr. 2016 waren es in ganz China rund 24 Millionen, in Deutschland sind es gut drei Millionen jährlich. Im Jahr 2005 lag der Weltmarktanteil aller in China verkauften Autos bei sechs Prozent, heute sind es etwa 28 Prozent. In den nächsten Jahren wird dieser Anteil weiter zunehmen, allenfalls mit etwas verlangsamtem Tempo.

So mancher denkt allerdings, dass die erfolgreiche Marktdurchdringung allein in China der Anfang einer noch viel größeren Erfolgsgeschichte in ganz Asien werden könnte. So sind die deutschen Hersteller noch vergleichsweise schwach in Südostasien (Asean-Region) vertreten.

Indien kommt bald auf eine ähnliche Bevölkerungszahl wie China, spielt im Autogeschäft heute aber noch eine recht unbedeutende Rolle. Das könnte sich in den kommenden Jahren entscheidend verändern. „Asien bietet noch viel unerschlossenes Potenzial“, sagt ein guter Kenner des Kontinents. Insofern wäre die Automesse in Schanghai in diesem Jahr nur eine Durchlaufstation zu sehr viel mehr. Gerade auch für die deutschen Hersteller.

Quelle:  Handelsblatt Online
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