Autonomes Fahren: Wie die Autos denken lernen

Autonomes Fahren: Wie die Autos denken lernen

, aktualisiert 24. Februar 2016, 19:51 Uhr
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Auch autonome Fahrzeuge müssen erst Fahren lernen.

von Lukas BayQuelle:Handelsblatt Online

Schon heute steuern Autos selbst durch den Stau und parken ein. Doch Baustellen oder Unfallstellen überfordern die smarten Fahrzeuge schnell. Nun müssen die Konzerne ihren Autos beibringen, selbst zu denken.

Ein Zebrastreifen in einer belebten Innenstadt kann eine perfekte Falle sein – zumindest für ein selbstfahrendes Auto. Wo ein menschlicher Fahrer sich langsam vortasten würde, handelt das Auto ganz rational. Es erkennt jeden Fußgänger als potenzielles Hindernis und wartet, wenn nötig, stundenlang.

Es sind Situationen wie diese, die in den Entwicklungszentren der Autoindustrie für Kopfzerbrechen sorgen. Mittlerweile können Autos ihre Umwelt schon gut erfassen. Über Sensoren erkennen sie andere Fahrzeuge und Fußgänger, Verkehrsschilder und auch Zebrastreifen. Doch aus den vielen Daten, die Autos heute schon sammeln, können sie nicht immer die beste Entscheidung treffen.

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„Die Herausforderung wird es sein, den Autos das vorausschauende Fahren beizubringen“, sagt Aaron Dannenbring. Der US-Amerikaner leitet das Kartengeschäft von Here. Vor drei Monaten wurde der frühere Nokia-Kartendienst von Audi, BMW und Daimler übernommen. Die Hersteller brauchen die detaillierten Daten, um ihr autonomes Auto auf die Zukunft vorzubereiten.

Ab 2020 sollen teilautonome Systeme einen signifikanten Anteil an der verkauften Fahrzeugflotte ausmachen. Auf dem Mobile World Congress in Barcelona kündete zuletzt Ford an, die Investitionen in die Weiterentwicklung zu verdreifachen.

„Egal, ob das Auto der Zukunft von Benzin, Diesel, Wasserstoff oder Sonnenlicht angetrieben wird – es wird immer durch eine riesige Menge an Daten angetrieben“, erklärte Daimler-Chef Dieter Zetsche vor wenigen Wochen bei einer Rede auf dem CAR-Symposium in Bochum.

Millionen Daten sammeln Autos schon heute. In Zukunft – und das ist die Revolution – sollen sie ihre Daten auch teilen und gemeinsam daraus lernen.. „Man kann sagen, dass die aktuelle Generation von selbstfahrenden Autos gerade den Kindergarten verlassen hat”, sagt Zetsche.

Ein Auto, das heute selbstständig über die Autobahn fährt, kann zwar beschleunigen, überholen und bremsen. Doch schon bei Baustellen und Unfallsituationen ist das System oft überfordert. Parkt ein Auto in der zweiten Reihe auf einer Straße mit einer durchgezogenen Linie, wartet ein autonomes Auto dahinter. Die Maschinen von heute brechen keine Regeln.

Um in der Realität zu bestehen, müssen die Autos von den Menschen lernen. Der US-Autobauer Tesla schult seine Modelle darum nicht auf dem Testgelände, sondern auf der Straße. Der halbautonome Assistent, den Tesla in sein Model S verbaut hat, wertet die Daten der Fahrer aus – und trainiert so sein Auto. Ähnlich verfährt Daimler in der neuen E-Klasse.

Doch selbst diese Daten alleine würde nicht reichen, um ein vollautonomes Auto zu bauen, ist sich Here-Kartenexperte Dannenberg sicher. „Kein Autohersteller dieser Welt ist groß genug, um alleine ausreichendend Daten für effektive Echtzeit-Systeme zu sammeln“, sagt er. Die Autos müssen sich untereinander informieren, über ihre Geschwindigkeit, ihre Umgebung, über Staus und Unfälle. „Jedes Auto“, so drückt es Daimler-Chef Zetsche aus, „wird wie ein Neuron in einem globalen Verkehrsnetz agieren”.


Selbst die Straßen sollen helfen

Damit diese Vision real werden kann, müssen sich Hersteller auf einen Standard einigen. Eine Sprache, die alle autonomen Autos verstehen. Aus den Daten tausender intelligenter und vernetzter Autos, die miteinander kommunizieren und ihre Erfahrungen und Daten austauschen, treffen die Autos dann eigene Entscheidungen. Kurz: Autos sollen lernen, wie ein Mensch zu denken und wie ein Mensch zu fahren.

„Diese Entwicklung wird unser Geschäftsmodell massiv verändern“, sagt Richard Candler. Beim japanischen Autobauer Nissan ist er für die Zukunftsvisionen zuständig. Candler soll vorhersagen, wie sich die Branche in den nächsten 100 Jahren verändern wird. Die Skepsis gegenüber dem autonomen Auto wird weichen, sobald die Menschen die Technologie selbst erlebt haben, ist sich Candler sicher. 2018 will Nissan die ersten teilautonomen auf die Straße schicken. Für Volumenhersteller ist die Technologie eine besondere Herausforderung.

Denn wenn alle Autos selber lenken, wird es für die Hersteller immer schwieriger, sich von der Konkurrenz abzugrenzen. „Auch wenn ein Auto selbstständig fährt, muss es weiterhin Spaß machen“, sagt Candler. Auch dafür braucht der Hersteller das selbstlernende Auto. Denn damit das autonome Auto nicht im Einheitsbrei untergeht, muss es sich an den Fahrprofilen der Menschen orientieren. „Der eine fühlt sich unwohl, wenn zu nah aufgefahren wird, der andere mag es sportlich und fährt auf der Überholspur“, erklärt Kartenexperte Dannenbring. Aus den Daten der Autos lassen sich in Zukunft Fahrprofile erstellen, die Kunden auswählen können.

Und auch die Straßen sollen dem selbstfahrenden Auto helfen, sich fortzubewegen. Die Straßen sollen Signale empfangen und senden, mit dem Autos sich orientieren können - und so den Verkehrsfluss besser organisieren. „In Zukunft ist da vieles vorstellbar, von der flexiblen Ampelphase bis hin zu Geschwindigkeitsbegrenzungen, die sich in Echtzeit der aktuellen Verkehrslage anpassen“, erklärt Dannenbring. Staut sich der Verkehr, wählen Autos automatisch eine alternative Route.

Die Intelligenz des selbstfahrenden Autos ist für viele aber auch eine Gefahr. Vor allem weil schon in wenigen Jahren der Punkt erreicht sein soll, an dem die maschinelle Intelligenz die menschliche Intelligenz übersteigen wird. Insbesondere Tesla-Chef Elon Musk warnte zuletzt immer wieder davor, dass die künstliche Intelligenz sich am Ende gegen den Menschen wenden könnte. Für Daimler-Chef Zetsche ist das ein Horrorszenario, aber keine realistische Zukunftsvision. „Die Kombination von Daten und maschineller Intelligenz ist vor allem eine außergewöhnliche Gelegenheit, um die Zukunft der Mobilität zu gestalten.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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