Baden-Württemberg: Im Südwesten sitzen die Weltmarktführer

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Baden-Württemberg: Im Südwesten sitzen die Weltmarktführer

von Stephanie Heise, Hans-Jürgen Klesse, Jürgen Salz und Mario Brück

Baden-Württemberg ist die Heimat von besonders vielen global erfolgreichen Unternehmen. Warum ist das so? Und wer sind die 50 größten unter ihnen?

Das Weltzentrum für Medizintechnik liegt auf halber Strecke zwischen Stuttgart und Zürich in Tuttlingen, am Ufer der Donau. Es gibt dort ein Thermalbad, eine moderne Stadthalle und ein Kulturfestival, auf dem schon BAP, Jethro Tull und Art Garfunkel gespielt haben. Hauptattraktion des 34 000-Einwohner-Ortes sind aber die gut 400 Medizintechnikunternehmen, die von Tuttlingen aus ihre globalen Geschäfte steuern.

Die Wurzeln dafür liegen im Jahr 1867, als Gottfried Jetter eine Werkstatt zur Herstellung chirurgischer Instrumente einrichtete. Er legte damit den Grundstein für den heutigen Weltmarktführer Aesculap. Einige von Jetters Leuten machten sich selbstständig und gründeten eigene Unternehmen. So wurde Tuttlingen über die Jahrzehnte zur Medizintechnikhochburg.

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Heute arbeiten allein für Aesculap 3000 Mitarbeiter in dem Backsteingebäude gegenüber dem Bahnhof; das Unternehmen produziert unter anderem Pinzetten und Knochenhebel. Einige Straßen weiter leitet Matriarchin Sybill Storz den Endoskopiespezialisten Karl Storz. Der hat es mit Geräten, durch die Operateure ins Körperinnere blicken können, weltweit zur Nummer eins gebracht. Die örtlichen Hersteller Berchtold und KLS Martin haben sich derweil auf OP-Lampen spezialisiert.

Aus Armut geborener Erfolg

Die höchste Dichte im Lande. Weltmarktführer pro 100.000 Einwohner

Weltmarktführer pro 100.000 Einwohner (zum Vergrößern bitte anklicken).

Weltmarktführer in der Provinz? Für Baden-Württemberg ist das nichts Ungewöhnliches. Das Land ist die Hochburg der Champions. 26 Prozent der mehr als 1500 Unternehmen, die der Münchner Professor und Berater Bernd Venohr in seiner Datenbank deutscher Weltmarktführer erfasst, haben hier ihren Sitz. Nordrhein-Westfalen beheimatet 24,1 Prozent, Bayern 20,8 Prozent. Noch eindrucksvoller wird der Unterschied in Relation zur Einwohnerzahl: In Baden-Württemberg kommen auf 100 000 Menschen 3,8 weltweite Champions, in Hamburg sind es 2,9, in Bayern 2,6. Schlusslicht ist Brandenburg mit 0,1 (siehe Grafik).

Qualität aus dem Südwesten
Die Top 25 bis 50 der größten Weltmarktführer aus Baden-Württemberg
RangUnternehmen/OrtUmsatz 2012 (in Mrd. Euro)Mitarbeiter 2012Weltweit führend1 bei:
26Trumpf/Ditzingen2,39 900Lasertechnik
27Festo/Esslingen2,216 200Automatisierungstechnik 
28Cronimet Holding/Karlsruhe2,11 700Handel und Aufarbeitung von Sekundärrohstoffen (Recycling) für die Edelstahlproduktion
29Alfred Kärcher/Winnenden1,99 700Reinigungssysteme (Hochdruckreiniger)
30Fuchs Petrolub/Mannheim1,83 800Schmierstoffspezialitäten wie Metallbearbeitungsflüssigkeiten, Korrosionsschutzmittel, Fette
31Paul Hartmann/Heidenheim1,810 200Elastische Spezialgewebe für die Medizin
32Maquet/Rastatt1,56 300Therapien und Serviceleistungen mit Schwerpunkt OP-Säle und Intensivstationen
33ebm-papst/Mulfingen1,410 900Motoren/Ventilatoren
34Karl Storz/Tuttlingen1,36 400Geräte für minimalinvasive Chirurgie und starre Endoskopie (zur Untersuchung von Körperhöhlen)
35Schuler/Göppingen1,25 400Umformtechnologie für die Metallverarbeitung
36Gebr. Röchling/Mannheim1,27 200Verarbeitung hochwertiger Kunststoffe zu Halbzeugen, Teilen und Systemen für die Autoindustrie
37Herrenknecht/Schwanau1,14 900Tunnelvortriebsmaschinen
38Sto/Stühlingen1,14 700Wärmedämmverbundsysteme (Fassadendämmsysteme)
39ElringKlinger/Dettingen/Erms1,16 300Zylinderkopfdichtungen
40Häfele/Nagold1,06 200Fertigung und Vertrieb von Möbel- und Baubeschlägen sowie von elektronischen Schließsystemen 
41WMF/Geislingen/Steige1,06 100Vollautomatische Kaffeemaschinen (Großkundengeschäft)
42Sick/Waldkirch1,06 300Sensorsysteme (Lichtschranken, Sensoren und Scanner), Lichtlaufzeitmesstechnik
43Lapp Gruppe/Stuttgart0,93 200Kabel und Steuerleitungen
44Rudolf Wild/Eppelheim/Heidelberg0,81 400Halbfertigfabrikate für Lebensmittelindustrie, Grundstoffe für Getränke- und Lebensmittelindustrie
45Homag Group/Schopfloch0,85 100Maschinen, Anlagen und Dienste für plattenverarbeitende Möbel- und Bauelementehersteller
46Papierfabrik August Koehler/Oberkirch0,71 700Thermopapiere
47Roto Frank/Leinfelden-Echterdingen0,74 400Beschlagtechnik für Fenster und Türen (u. a. Drehkippbeschläge) 
48Fischerwerke/Waldachtal0,63 900Dübeltechnik
49Gelita/Eberbach0,62 500Gelatine und Kollagenpeptide z. B. für die Lebensmittelproduktion
50Eisenmann/Böblingen0,623 000Anlagen zur Kunststofflackierung und Automobillackierung
Zahlen gerundet; 1unter den Top 3, z. T. Auswahl; 2 2011; Quellen: Datenbank deutscher Weltmarktführer/Bernd Venohr + Team, Unternehmen, Hoppenstedt. Ohne Sanierungsfälle

Den Erfolg des Südwestens erklärt Venohr mit der früheren Armut: Die Böden waren nicht sehr fruchtbar, die Höfe wurden unter den Erben aufgeteilt, die Anbauflächen also immer kleiner. "In der Landwirtschaft war nicht viel zu holen, die Leute mussten sich etwas anderes überlegen", sagt Venohr. "So entstanden viele Handwerksbetriebe, aus denen sich erfolgreiche Unternehmen entwickelt haben." Viele führten ihren Hof nebenbei weiter – was Tugenden beförderte wie Fleiß, Sparsamkeit und Bodenständigkeit.

Zugute sei dem Land dabei eine wirtschaftsnahe Politik gekommen. "Der damalige Ministerpräsident Lothar Späth hat früh die duale Ausbildung im Betrieb und an Hochschulen eingeführt, wo Nachwuchskräfte praxisnah ausgebildet werden", sagt Venohr. Wie aber haben es Unternehmen ganz konkret an die Weltspitze geschafft? Die WirtschaftsWoche stellt drei von ihnen vor.

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