Bau- und Dienstleistungskonzern: Die schlimmsten Fehler bei Bilfinger

KommentarBau- und Dienstleistungskonzern: Die schlimmsten Fehler bei Bilfinger

Bild vergrößern

Der Schatten des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden des Dienstleistungs- und Baukonzerns Bilfinger, Roland Koch, liegt noch immer auf dem Konzern.

von Harald Schumacher

Als neuer Vorstandschef soll Per Utnegaard die Probleme bei Bilfinger in den Griff bekommen. Das wird nicht leicht. Denn bei dem Konzern wurden in der Vergangenheit viele und gravierende Fehler gemacht.

Wäre Bilfinger kein deutsches Unternehmen, sondern ein japanisches, dann beugten dort frühere wie amtierende Top-Manager reihenweise im 90-Grad-Winkel demütig den Oberkörper und bäten Aktionäre wie Mitarbeiter um Verzeihung für ihre Fehler. Viele und gravierende Fehler, wie sich inzwischen zeigt.

Es war ein Fehler, 2011 den unerfahrenen Ex-Politiker Roland Koch in Schuhe des bis dahin erfolgreichen Bilfinger-Lenkers Herbert Bodners zu stecken und zu glauben, es könne nichts schief gehen, wenn Koch nur dem von Bodner vorgezeichneten Kurs folgen würde. Bodner sollte ja nach zwei Jahren Schamfrist in den Aufsichtsrat einziehen und dann als Aufsichtsratschef den Promi Koch kontrollieren.

Anzeige

Vorstandswechsel Per Utnegaard wird Bilfinger-Chef

Großinvestor Cevian bekommt seinen Willen: Per Utnegaard übernimmt den Chefposten bei Bilfinger. Der Norweger muss den Konzern aus der Krise führen – die Geschäftsziele für 2015 hat Bilfinger gerade kassiert.

Noch-Chef Per Utnegaard – Nobody aus NorwegenHierzulande war der Norweger Per H. Utnegaard bis zu seiner Berufung zum neuen Bilfinger-Vorstandschef weitgehend unbekannt. Utnegaard übernahm zum 1. Juni 2015 den Chefposten von Herbert Bodner. Der 55-Jährige war zuvor von 2007 an Chef von Swissport International. Der Schweizer Konzern mit Hauptsitz in Zürich gilt als weltgrößte Servicegesellschaft für Flughäfen und Fluggesellschaften. Zum 30.4.2016 scheidet Utnegaard aber bereits wieder aus dem Unternehmen aus – die Suche nach einem Manager, der den Wandel bei Bilfinger begleitet, beginnt also aufs Neue. Bewertung: Dienstleistung konnte Utnegaard bereits vor seiner Bilfinger-Zeit. Aber Flughafenservice – acht Jahre lang sein Thema bei Swissport – ähnelte keinem der wichtigen Bilfinger-Geschäftsfelder. Am ehesten gab es Überschneidungen zum Facility Management. Aber genau da hat Bilfinger kaum Probleme. In Bilfingers Bereichen mit den großen Sorgen hingegen – also Kraftwerks- und Industrieservice – musste sich der Neue wie Roland Koch 2011 erst einmal einarbeiten. Nach nicht einmal einem Jahr ist er wieder weg. Quelle: Presse

Fatal wurde das Weitermachen, weil inzwischen die Energiewende die Geschäftsgrundlage für Bilfingers Energiedienstleistungsbereich fundamental veränderte. Koch hat das bis zum abrupten Ende seiner Amtszeit nicht realisiert oder zumindest keine angemessene Reaktion erkennen lassen. Bis zum Schluss phantasierte er von der Rückkehr zu früheren Neun-Prozent-Renditen, die aber kein Stromkonzern mehr für Kraftwerkswartung zahlen will und kann.

Es war ein Fehler, Koch die bis dahin erfolgreich arbeitende Industrie-Dienstleistungssparte unter Thomas Töpfer komplett zerlegen und die Trennung von Töpfer durchziehen zu lassen. Damit ging der beste Mann aus dem Bilfinger-Management verloren – einer, der die Belegschaft hinter sich hatte und am ehesten den kaum mehr transparenten Gesamtkonzern in den Griff bekommen hätte. Stattdessen genoss Koch bis zu seinem unrühmlichen Ende die erfolgreich exekutierte Machtdemonstration.

Im Griff hat nun niemand mehr irgendwas bei Bilfinger – nicht in der Energie- und nicht in der Industriesparte. Die eben verkündete fünfte Gewinnwarnung in kaum einem Jahr und die hilflos wirkenden Ankündigungen – Einsparungen, Jobabbau - beweisen es. Nur der Geschäftsbereich Gebäude-Management hat sich vom tiefen Absturz bisher abkoppeln können.

Weitere Artikel

Den Rücken beugen müssten auch die Verantwortlichen des neuen Großaktionärs Cevian. Cevian hat sich im alten Aufsichtsrat unter dem im Januar verstorbenen Bernhard Walter nicht durchgesetzt und die Dinge laufen lassen. Bis heute fehlt dem Finanzinvestor eine Strategie für den ehemaligen Baukonzern, der sich vom Dienstleistungsgeschäft einst zuverlässigere Renditen versprach.

Die Strategie bringt auch der hierzulande kaum bekannten Per Utnegaard nicht mit, den Cevian-Statthalter und Bilfinger-Aufsichtsratschef Eckhard Cordes nun im Juni zum Vorstandschef macht. Er muss sie erarbeiten. Aber Utnegaard wird erst einmal einige Monate brauchen, bis er den Scherbenhaufen überblickt, den ihm der unglückliche Noch-einmal-Übergangschef Herbert Bodner bald übergibt.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%