KommentarBaukonzern: Exodus bei Hochtief

von Harald Schumacher

Vorstandschef Frank Stieler verliert mit Martin Rohr den achten Kollegen in sieben Monaten. Für den neuen Boss ist das ein Desaster.

Einigen wenigen Weggefährten hinterließ Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter ein persönliches Vermächtnis, bevor er im Mai dieses Jahres beim Baukonzern Hochtief in Essen seinen Schreibtisch räumte. Den Vorstandskollegen Martin Rohr verpflichtete "Lü", so erzählt eine kursierende Hochtief-Legende, trotz der feindlichen Übernahme durch den spanischen Hochtief-Großaktionär und Wettbewerber ACS an Bord des größten deutschen Baukonzerns zu bleiben. Rohr – seit fünfzehn Jahren im Konzern und seit sieben Jahren Mitglied des obersten Konzerngremiums – stünde gegenüber der Belegschaft für Kontinuität und sei das „menschliche Kontinuum im Vorstand“.

Menschliches Kontinuum

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Das Kontinuum Rohr geht jetzt trotzdem, und zwar sofort. Am heutigen Dienstag verkündete Hochtief, der für das Amerika-Geschäft und für die Flughafenbeteiligungen zuständige Manager verlasse Ende Dezember das Unternehmen. Die Top-Personalie war seit Wochen erwartet worden. Anfang November noch sah sich Hochtief zu einem allerdings interpretationsfähigen Dementi gezwungen: „Als Reaktion auf die Berichterstattung der WirtschaftsWoche teilt Vorstandsmitglied Martin Rohr mit, dass er von seinem Sonderkündigungsrecht im Zusammenhang mit der Überschreitung der 30 Prozent Beteiligungsschwelle durch ACS keinen Gebrauch gemacht hat.“ Die Mitteilung hielt dem letzten Vorstand der Ära Lütkestratkötter offen, es doch noch zu tun – und so ist es nun gekommen.

Desaster für Stieler

Für den neuen Konzernchef Frank Stieler, 53, ist das ein Desaster. Dem Juristen, den Lütkestratkötter erst 2009 von Siemens Oil & Gas abgeworben hatte und der völlig unerwartet zum Profiteur des deutsch-spanischen Übernahme-Dramas avancierte, laufen die Manager in Scharen davon. Rohr war der letzte Konzernvorstands der Lütkestratkötter-Ära und ist der insgesamt achte Top-Abgang seit Stielers Amtsantritt. Zuvor hatten seit Mai die Konzernvorstände Peter Noé und Burkhard Lohr gekündigt. Gegangen sind auch Henner Mahlstedt, Chef der Bausparte Hochtief Solutions, und Solutions-Finanzvorstand Heiner Helbig.

Vergangene Woche erst hatte Jens Rocksien, 49, Cheflobbyist in Berlin und Leiter der Abteilung Politik und Verbände der Hochtief AG, seinen Abschied angekündigt. Rocksien hatte seit September 2010 vergebens versucht, Bundesregierung und Abgeordnete zu einer schnellen Änderung des Wertpapierübernahmegesetzes zu bewegen, um die feindliche Übernahme von Hochtief durch den spanischen Großaktionär und Konkurrenten ACS zu verhindern.

Hochtief ist bemüht, den Exodus als Abgänge aus persönlichen Gründen erscheinen zu lassen. Doch wahrgenommen wird es im Unternehmen „genau umgekehrt“, sagt ein Manager: „Wohl keiner dieser Kollegen wäre gegangen, wenn es die feindliche Übernahme durch ACS nicht gegeben hätte.“

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