Bayer, BASF, Evonik: Kontrastprogramm in der Chemie

Bayer, BASF, Evonik: Kontrastprogramm in der Chemie

, aktualisiert 11. November 2016, 18:42 Uhr
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Die europäische Chemiebranche steuert auf insgesamt relativ solide Geschäftsabschlüsse im Jahr 2016

von Siegfried HofmannQuelle:Handelsblatt Online

Die europäischen Chemiekonzerne schneiden derzeit besser ab als von vielen erwartet. Doch beim Blick auf 2017 bleiben Manager und Analysten vorsichtig. Einige günstige Effekte werden sich kaum wiederholen.

FrankfurtDer Blick auf die europäische Chemiebranche bietet in diesen Tagen ungewöhnliche Kontraste: Statistiker und Verbände zeichnen ein eher trübes Bild. Das Geschäftsklima zeige keine wesentliche Verbesserung, heißt es etwa im jüngsten Trendreport des europäischen Chemieverbandes Cefic. Rückläufige Preise und Produktionsmengen drückten die Erlöse. Der deutsche Branchenverband VCI sieht die Branche mehr oder weniger in einer Stagnationsphase. „Das Chemiegeschäft bleibt schwach“, betitelte der VCI seinen jüngsten Quartalsreport

In weitaus freundlicheren Farben kommen dagegen die Zwischenberichte der führenden börsennotierten Chemiekonzerne daher, wie ein Überblick über die jüngste Berichtssaison zeigt. Zwar sind die Erlöse durchweg geschrumpft, die große Mehrzahl der Firmen verbucht dabei aber steigende Erträge.

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In der Summe legten die operativen Gewinne der führenden zehn Chemiekonzerne Europas nach Berechnung des Handelsblatts in den ersten neuen Monaten immerhin um fünf Prozent zu, während die Umsätze um den gleichen Prozentsatz schrumpften. Die durchschnittliche Ebit-Marge der Großkonzerne verbesserte sich damit um gut einen Punkt auf knapp 12 Prozent. Die Branche steuert damit auf insgesamt relativ solide Geschäftsabschlüsse im Jahr 2016 zu, auch wenn sich das Tempo im Schlussquartal wohl etwas abschwächt.

Spitzenperformer unter den großen Chemiefirmen ist bisher französische Konzern Arkema mit rund 40 Prozent Ertragsplus in den ersten neun Monaten 2016. Sehr kräftige Ertragssteigerungen zeigten ferner die beiden Bayer-Sprösslinge Covestro und Lanxess. Der 2015 aus dem Bayer-Konzern ausgegliederte Kunststoffhersteller Covestro konnte in den ersten neun Monaten den bereinigten Betriebsgewinn (Ebit) immerhin um rund ein Viertel und das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) um 17 Prozent steigern. Er steuert in seinem ersten Jahr an der Börse nun auf einen Rekordgewinn zu.

Der Spezialchemiekonzern Lanxess, den Bayer bereits vor elf Jahren in die Eigenständigkeit entließ, überraschte unterdessen mit 15 Prozent Ebit-Steigerung und hat seine Prognose für das Gesamtjahr abermals angehoben. Die Krise im operativen Geschäft, die Lanxess vor drei Jahren heftig zurück warf, hat Firmenchef Matthias Zachert damit endgültig überwunden.

Branchenführer BASF weist insgesamt zwar insgesamt einen operativen Gewinnrückgang um rund ein Zehntel aus. Verantwortlich dafür ist aber in erster Linie der starke Einbruch im Öl- und Gas-Geschäft. Die Chemiesparten des Ludwigshafener Konzerns steigerten ihre Erträge in der Summe dagegen noch um rund sieben Prozent – bei acht Prozent Umsatzrückgang.

Einzige Verlierer unter den Top-10 sind die Spezialchemiehersteller Wacker und Evonik, mit 35 und 18 Prozent Rückgang beim operativen Gewinn. Sie wurden dabei allerdings zum Teil von Sondereffekten getroffen, Wacker hatte im Vorjahr hohe Schadensersatzleistungen vereinnahmt, Evonik profitierte 2015 von einer Sonderkonjunktur im Geschäft mit Aminosäuren, die im laufenden Jahr wieder abflachte.


„Das Geschäft ist volatil“

Grund für den gegenläufigen Trend von Umsätzen und Erträgen sind zum einen sinkende Rohstoffkosten, die die Chemiehersteller überwiegend, wenn auch nicht komplett an ihre eigenen Kunden weitergaben. Da gleichzeitig die Absatzmengen in vielen Bereichen zulegten, konnte man den Trend zu deutlichen Margenverbesserungen nutzen. Einige Auslandsmärkte, so insbesondere China, entwickelten sich nach einer vorangegangenen Schwächephase in den letzten Monaten unerwartet stark. Covestro etwa meldete für die Region 25 Prozent Wachstum im dritten Quartal. Hinzu kommt: Die Mehrzahl der Unternehmen hatte zudem in den letzten Jahren umstrukturiert und Kosten gesenkt, was sich nun ebenfalls positiv auswirkte – so etwa bei BASF und Lanxess.

Insgesamt bestätigten die Chemiekonzerne damit, was die Börse mit zum Teil kräftigen Kurssteigerungen in dem Sektor vorweggenommen hat. Die Covestro-Aktie legte seit Jahresbeginn um gut 70 Prozent zu, Arkema und Lanxess um über 40 Prozent. Selbst der Börsenwert der BASF hat sich trotz der Schwäche im Ölgeschäft seit Jahresbeginn um rund ein Viertel verbessert.

Die spannende Frage lautet nun: Ist das der Auftakt zu einem längerfristigen Aufschwung oder nur ein kleines Zwischenhoch? Für Unsicherheit sorgt nicht nur die Frage der Konjunkturentwicklung. Eine zentrale Herausforderung besteht auch darin, dass die Branche in den letzten Jahren sehr stark investiert hat, während sich das globale Wirtschaftswachstum abschwächte, insbesondere auch in Schwellenmärkten wie China und Brasilien. Das führte ab 2014 zu Überkapazitäten und Margendruck in diversen Segmenten der Branche – eine Konstellation, die sich im laufenden Jahr aber wieder entspannte, aber vermutlich noch nicht völlig überwunden ist.

Manager und auch Analysten vorsichtig. BASF-Chef Kurt Bock etwa verweist darauf, man operiere in einem „zunehmend herausfordernden“ Umfeld. Covestro-Chef Patrick Thomas zeigt sich zwar überzeugt, dass die Nachfrage langfristig weiter wachsen wird und sich die Kapazitätsauslastung bei dem Kunststofferzeuger damit weiter verbessert. Für eine Prognose für 2017 ist es aus Sicht des Covestro-Chefs aber noch zu früh. „Das Geschäft ist volatil.“

Auch Chemieanalysten bleiben eher skeptisch: Oliver Schwarz, Chemieexperte von Warburg, verweist darauf, dass die Problematik der Überkapazitäten letztlich noch nicht voll bewältigt ist. Ob 2016 eine nachhaltige Trendwende für die Entwicklung der Chemieerträge darstelle, bleibe abzuwarten. Auch Markus Meyer von Baader Helvea zweifelt, ob die Entwicklung nachhaltig ist. Die Chemienachfrage wachse letztlich nur verhalten um etwa drei Prozent. Die Positivfaktoren, die 2016 das Geschäft begünstigten werden sich im kommenden Jahr kaum wiederholen. Dazu gehören etwa der starke Ölpreisrückgang sowie eine ungewöhnlich hohe Zahl an Anlagen-Ausfällen, die in Teilbereichen zu künstlichen Engpässen und damit erhöhten Margen führten.

Ähnlich bewertet jüngst der Kreditversicherer Euler Hermes die Situation der Branche: Sie hänge vor allem an der Talfahrt des primären Rohstoffs Naphtha (Rohbenzin), heißt es in einer Analyse des Kreditversicherers. Das dürfe jedoch nicht über die Abhängigkeit von der weltweiten Nachfrage hinwegtäuschen. Ron van het Hof, der Deutschlandchef von Euler Hermes warnt daher: „Europäische und deutsche Chemieunternehmen sollten sich lieber nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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