Bayer: Blutverdünner soll lebensgefährliche Nebenwirkungen auslösen

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Bayer: Blutverdünner soll lebensgefährliche Nebenwirkungen auslösen

von Jürgen Salz

Eine solche Zahl von Neuentwicklungen hat es bei Bayer seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben. Doch ausgerechnet beim hoffnungsvollsten Präparat, dem Thrombosemittel Xarelto, häuft sich die Kritik.

In der Pharma-Sparte hat Bayer einen Lauf wie selten zuvor: „Allein bei unseren fünf neuen Top-Medikamenten erwarten wir für dieses Jahr einen Umsatz von rund 1,4 Milliarden Euro“, sagt Bayer-Chef Marijn Dekkers im Interview mit der WirtschaftsWoche. Zu den Spitzenpräparaten zählt Dekkers Xarelto gegen Thrombosen, Stivarga und Xofigo gegen Krebs, das Augenmittel Eylea sowie das Lungenmedikament Riociguat, das im zweiten Halbjahr 2013 die Zulassung in den USA erhalten könnte. Laut Dekkers liegt das „kombinierte Spitzenumsatzpotenzial“ dieser Produkte bei über 5,5 Milliarden Euro.

Besonders große Hoffnungen setzt Bayer auf seinen Blutgerinnungshemmer Xarelto, der gegen Thrombosen vorbeugen soll. 2013  dürfte sich der Xarelto-Umsatz auf 800 Millionen Euro belaufen; in einigen Jahren erwartet der Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern einen jährlichen Spitzenumsatz von zwei Milliarden Euro.  Dabei hat sich Bayer gegen Boehringer Ingelheim und Pfizer, die ähnliche  Medikamente neu auf den Markt gebracht haben, durchgesetzt. „Seit Mai dieses Jahres“ ist Bayer „weltweit Marktführer bei den Anti-Thrombosemitteln“, erklärt Dekkers im WirtschaftsWoche-Interview.

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Marijn Dekkers "Wir verlängern Leben, doch das dankt uns keiner"

Der Bayer-Konzernchef beklagt die mangelnde Anerkennung der Pharmaindustrie, glaubt an die Energiewende und sorgt sich um die Zukunft des Chemiegeschäfts.

Marijn Dekkers Quelle: Ingo Rappers für WirtschaftsWoche

Inzwischen mehrt sich jedoch die Kritik am Hoffnungsträger Xarelto. Sowohl bei dem Bayer-Mittel als auch bei dem Boehringer-Präparat besteht das Problem, das Blutungen oft nicht mit einem Gegenmittel gestoppt werden können. Beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sind in diesem Jahr bereits 72 Todesfälle von Menschen, die Xarelto genommen haben, gemeldet worden, schreibt das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe.  Insgesamt habe man bis Ende August bei 968 Patienten unerwünschte Wirkungen im Zusammenhang mit dem Mittel registriert.

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Allerdings weist die Behörde darauf hin, dass „ein Kausalzusammenhang zwischen Arzneimittel und Nebenwirkung nicht sicher belegt ist“. Wieviele Todesfälle und Nebenwirkungen mit dem aktuellen Standardpräparat Marcumar in Verbindung gebracht werden, bleibt unerwähnt.

Wie „Der Spiegel“ weiter schreibt, soll Xarelto auch zur Thrombose-Prophylaxe nach Krampfadern-Operationen eingesetzt worden sein – eine Anwendung, für die das Mittel gar nicht zugelassen ist. Bayer dementiert jedoch, „ dass unsere Mitarbeiterin die Anwendung von Xarelto nach Durchführung einer Varizenoperation zur Thromboseprophylaxe empfohlen hat.“ Schon im vergangenen Jahr war Bayer wegen seines aggressiven Marketings für Xarelto in die Kritik geraten: Damals schickte das Unternehmen Musterpackungen an Ärzte, die von den Medizinern gar nicht bestellt worden waren.

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