Bayer in den USA: Schärfere Vorschriften für Anti-Baby-Pille gefordert

Bayer in den USA: Schärfere Vorschriften für Anti-Baby-Pille gefordert

, aktualisiert 09. Dezember 2011, 11:07 Uhr
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US-Experten haben schärfere Einnahmeregeln für die Pille von Bayer gefordert.

Quelle:Handelsblatt Online

Das Geschäft mit der Anti-Baby-Pille in den USA könnte für Bayer noch schwieriger werden. Experten haben jetzt strengere Vorschriften für die Einnahme gefordert. Es laufen bereits tausende Klagen wegen der Pille.

Adelphi/FrankfurtWeiterer Dämpfer für Bayer in den USA: Das Geschäft mit den Anti-Baby-Pillen Yasmin und Yaz, das wegen Tausender Klagen bereits unter keinem guten Stern steht, könnte künftig noch schwieriger werden. Gesundheitsexperten in den USA fordern schärfere Einnahmevorschriften für solche Präparate. Hintergrund sind Studien, die bei neueren Verhütungsmitteln mit dem Wirkstoff Drospirenon ein erhöhtes Thrombose-Risiko ausmachen. Dazu zählen auch die lukrativen Bayer-Mittel. Schärfere Vorschriften würden bedeuten, dass Ärzte dann womöglich lieber Präparate empfehlen, die weniger Risikohinweise enthalten.

Ein von der US-Gesundheitsbehörde FDA beauftragtes Beratergremium von Medizinexperten entschied am Donnerstag mit 21 zu fünf Stimmen, Risiken und Vorteile der Pillen würden in den aktuellen Beipackzetteln nicht adäquat wiedergegeben. Die US-Gesundheitsbehörde folgt in der Regel den Empfehlungen ihrer Beratergremien.

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Für den Konzern geht es um eines seiner wichtigsten Medikamente. Denn weltweit brachte die Produktfamilie um die Pillen Yasmin, Yaz und Yasminelle 2010 dem Unternehmen 1,1 Milliarden Euro Umsatz ein. Damit war sie die zweitumsatzstärkste Produktklasse nach dem Multiple-Sklerose-Mittel Betaferon. In den USA kam Bayer allein mit der Pille Yaz nach Daten von IMS Health trotz der Konkurrenz durch Nachahmerpräparate noch auf 374 Millionen Dollar Jahresumsatz.

Bei Bayer hieß es zu der Entscheidung der Experten, der Konzern arbeite seit Jahren mit der FDA zusammen, um angesichts neuer wissenschaftliche Daten gegebenenfalls die Produktinformationen anzupassen. „Bayer wird auch weiterhin so verfahren“, erklärte das Unternehmen.

Venenthrombosen entstehen durch Blutgerinnsel in den Gefäßen. Wandern sie in die Lunge oder ins Gehirn, kann es zu gefährlichen Embolien und Schlaganfällen kommen. Auch ältere Anti-Baby-Pillen können mit einem höheren Thrombose-Risiko verknüpft sein, insbesondere mit zunehmendem Alter.


Patienten verstehen Beipackzettel nicht

„Die Einnahmevorschriften sind unglaublich schwierig für Ärzte zu lesen“, erklärte Gremiumsmitglied Peter Kaboli vom University of Iowa Caver College of Medicine. Es sei illusionär zu glauben, Patienten könnten sie verstehen und für ihre Entscheidung nutzen. Andere Ausschussmitglieder wiesen drauf hin, dass nur von Bayer finanzierte Studien kein höheres Thrombose-Risiko bei den Präparaten im Vergleich zu älteren Verhütungsmitteln feststellen konnten.

Ein Test der FDA fand beispielsweise heraus, dass sich vor allem Frauen unter 35 Jahren bei Einnahme von Yasmin einem höheren Risiko für gefährliche Venenthrombosen aussetzen als bei älteren Verhütungsmitteln. Yasmin wurde 2001 zugelassen. Allerdings ist die Datenlage weiterhin nicht eindeutig, was eine mögliche Verbindung dieser Präparate mit einer höheren Thrombose-Gefahr angeht. Die Diskussion in der Öffentlichkeit nahm aber in den vergangenen Jahren zu.

In einem Punkt kann Bayer aufatmen. Die Fachleute des Gremiums äußerten sich am Donnerstag grundsätzlich positiv: Bei Mitteln wie Yasmin oder Yaz würden die Vorteile, eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern, die Risiken überwiegen. Allerdings fiel dieses Votum mit 15 zu elf Stimmen nur knapp zugunsten der Bayer-Pillen aus. Analysten zufolge ist das dennoch kein schlechtes Ergebnis für Bayer. „Die Berater hätten auch zu dem Schluss kommen können, dass die Vorteile des Präparats die Risiken nicht mehr überwiegen und daher einen Marktrückzug empfehlen können“, kommentiert das Brokerhaus Equinet. Die Börse sah dies genauso: Die Bayer-Aktie büßte zu Handelsbeginn am Freitag lediglich 0,1 Prozent ein und arbeitete sich im Handelsverlauf leicht ins Plus vor.

Quelle:  Handelsblatt Online
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