Bayer und Monsanto: „Wir trauen uns das zu“

Bayer und Monsanto: „Wir trauen uns das zu“

, aktualisiert 20. Juni 2017, 13:01 Uhr
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Der Bayer-Chef ist zuversichtlich, dass die Übernahme von Monsanto zum Erfolg wird.

von Jürgen Flauger und Bert FröndhoffQuelle:Handelsblatt Online

Bayer will in Kürze bei der EU die Genehmigung für den Monsanto-Kauf einholen. Konzernchef Baumann ist zuversichtlich, dass bei der transatlantischen Mega-Übernahme kein Fiasko droht wie einst Daimler bei Chrysler.

DüsseldorfBayer-Chef Werner Baumann rechnet nach wie vor mit einem Abschluss der Mega-Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto in diesem Jahr. „Das ist realistisch“, sagte der 54-Jährige am Montagabend vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung in Düsseldorf.

Dabei hat Bayer die Transaktion bislang nicht bei der EU-Kommission zur kartellrechtlichen Prüfung angemeldet. Und Baumann selbst rechnet – wie er in Düsseldorf sagte – allein schon wegen der Größe des Deals mit einer vertieften Prüfung. „Wenn wir nach der ersten Runde in Europa die Freigabe bekämen, dann finden wir das ziemlich gut. Wir glauben aber nicht, dass das der Fall sein wird."

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Der Antrag soll aber offenbar in den kommenden Tagen in Brüssel eingehen. Der Konzern hatte angekündigt, den Antrag im zweiten Quartal einzureichen, also bis Freitag kommender Woche, „Das wollen wir immer noch“, betonte der Konzernchef. In den USA läuft die Prüfung bereits.

Bayer hatte sich im vergangenen Herbst mit Monsanto auf eine Übernahme geeinigt. Das Management um CEO Hugh Grant akzeptierte eine Offerte, die das Unternehmen mit 66 Milliarden Dollar bewertet. Gemeinsam wollen sie den weltweit größten Anbieter von Pflanzenschutzmitteln und Saatgut schaffen. Die kartellrechtlichen Prüfungen sind eine der letzten Hürden bei dem Megageschäft.

Die beiden Unternehmen werden sich im Zuge ihrer Übernahme von einigen Aktivitäten trennen müssen. Hierzu wollte sich Baumann aber nicht näher äußern. Klar ist, dass Bayer seine Saatgutmarke Liberty Link samt dem dazugehörigen Unkrautvernichter abgeben wird. Das fordert die Kartellbehörde in Südafrika.

Absehbar sind zudem Verkäufe im Baumwollgeschäft und bei einigen Gemüsesorten, bei denen Bayer und Monsanto zusammen eine sehr starke Marktposition hätten. Beide hatten angekündigt, Geschäfte mit einem Umsatzvolumen von 1,6 Milliarden Dollar im Zuge der Kartellprüfung angeben zu wollen. Insgesamt kommen Monsanto und Bayers Agrochemiesparte auf einen Pro-Forma-Umsatz von 24,5 Milliarden Dollar.

Vor der Integration des gewaltigen Zukaufs ist Baumann nicht bange. Zum einen sei die Finanzierung von Anfang an gesichert gewesen. „Das Risiko war überschaubar“, betonte Baumann. Zum anderen sieht er auch die organisatorische Verbindung vergleichsweise unproblematisch. „Die Art und Weise wie die Vorbereitung läuft, könnte nicht besser sein.“ Die Qualität der Zusammenarbeit mit dem Monsanto-Management sei „erstklassig“.


Umbenennung von Monsanto bleibt denkbar

Natürlich kennt auch Baumann die Tücken von transatlantischen Fusionen. Ein besonders abschreckendes Beispiel war sicherlich die Übernahme des US-Autokonzerns Chrysler durch Daimler. 1998 hatte der damalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp die Fusion noch als „Hochzeit im Himmel“ bejubelt, 2007 wurde die Ehe unter Schmerzen wieder aufgelöst.

Ja, eine transatlantische Fusion sei sicherlich nicht einfach, räumte Baumann ein. Allerdings sei das Projekt auch nicht anspruchsvoller als die Übernahme des deutschen Konkurrenten Schering, die Bayer im Jahr 2006 startete. Die Größenverhältnisse seien vergleichbar, und damals habe Bayer auch weltweite Aktivitäten integrieren müssen. Im Gegenteil: Bei Monsanto sei das Geschäft sogar konzentrierter. Das Unternehmen habe sein Geschäft vor allem in Nord- und Südamerika „hochkonzentriert“, in anderen Regionen sei es eine „eher kleine Übernahme“. „Die Komplexität ist geringer“, sagte Baumann, „wir trauen uns das zu.“

Dass Bayer im zweiten großen Standbein, der Pharma-Sparte, in absehbarer Zeit mit einem ähnlich großen Zukauf nachziehen könnte, schloss Baumann aus: „Es gibt keine Möglichkeiten, in den nächsten Jahren hier im großen Stil zu akquirieren.“ Zum einen seien die Bewertungen in der Branche aktuell sehr hoch, zum anderen habe Bayer eine funktionierende Pharmasparte. Die Geschäfte liefen gut und Bayer habe einige sehr erfolgreiche Produkte. Außerdem müsse Bayer jetzt erstmal Monsanto integrieren und die Bilanz entschulden.

Bayer müsse zwar darauf achten, dass die Produktpipeline gut gefüllt bleibe – und die vielleicht auch über kleinere Zukäufe stärken. „Es wird aber keine Großakquisition in den kommenden Jahren geben.“ Trennen will sich Bayer, wie Baumann bekräftigte, von der Kunststofftochter Covestro, an der aktuell noch rund 45 Prozent hält. Eine konkrete Zeitvorgabe gebe es aber nicht.

Baumann versicherte, dass der Konzern mit Monsanto nicht „durch die Hintertür“ genmodifiziertes Saatgut nach Europa bringen wolle. Bayer habe hierzu zwar eine andere Meinung, die Diskussion sei in Europa aber abgeschlossen und der Konzern akzeptierte das Votum. Denn, so betonte der Bayer-Chef: „Die gesellschaftliche Akzeptanz ist die Lizenz, um unser Geschäft zu betreiben.“

Baumann räumte ein, dass Monsanto mit Imageproblemen zu rechnen habe. Speziell in Deutschland und Frankreich gelte das Unternehmen bei Aktivisten als „Inkarnation des Bösen“. Ob Bayer deshalb den vorbelasteten Namen des US-Zukaufs aufgeben wird, wollte Baumann nicht sagen. Die Diskussion werde erst nach Abschluss der Transaktion geführt.

Er deutete aber an, dass bei Monsanto die Bereitschaft vorhanden sein. Sein Amtskollege Hugh Grant aber direkt nach der Vertragsunterschrift vor den Mitarbeitern betont, dass es jetzt vor allem darum gehe, dass Monsanto jetzt und in Zukunft die Kunden sicher beliefere. „Ob der Name überlebt, sei seine geringste Sorge“, berichtete Baumann.

Quelle:  Handelsblatt Online
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