BDI: Tag der Deutschen Industrie

BDI: Tag der Deutschen Industrie

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Zum Tag der deutschen Industrie werden neben Angela Merkel auch Sigmar Gabriel und der französische Premierminister Valls erwartet.

von Christian Ramthun

Merkel, Gabriel und selbst der französische Premierminister Valls verleihen dem BDI bei seiner Jahrestagung noch einmal alten Glanz.

„Die Entwicklung des BDI und der Bundesrepublik Deutschland sind eng miteinander verknüpft.“ So lautet der erste Satz im Wir über uns des Industrieverbandes. Es ist eine mutige, selbstbewusste Aussage für einen Verband, dessen Branche in den vergangenen Jahrzehnten rund 50 Prozent Anteil an der deutschen Wertschöpfung verloren hat. Gleichwohl ist der Anteil der deutschen Industrie mit noch gut einem Fünftel viel höher als in anderen westlichen Industriestaaten, die teilweise nur noch auf zehn Prozent des dortigen BIPs kommen.

Und auch an diesem Dienstag, an dem der BDI seinen Tag der Deutschen Industrie feiert, kommen die politischen Spitzenpolitiker, um ihre Referenz der (einst abschätzig, nun stolz so genannten) „Old Economy“ zu erweisen. Am Vormittag spricht Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), am Nachmittag steht Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) auf dem Programm, dazwischen kommen die CSU mit Verkehrsminister Alexander Dobrindt, die Grünen und die Linken mit ihren Fraktionschefs Anton Hofreiter und Gregor Gysi zu Wort. Selbst der französische Premierminister Manuel Valls schmückt die Veranstaltung mit einer Rede.

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Französischer Premier Valls in Berlin Merkels trickreiche Strenge

Der französische Premier Manuel Valls verspricht bei seinem Antritts-Besuch in Berlin Reformen. Die Kanzlerin antwortet freundlich im Ton – aber streng in der Sache.

Manuel Valls, Angela Merkel Quelle: AP

Die Old Economy fühlt sich sichtbar selbstsicherer seit der großen Finanz- und Wirtschaftskrise. Dank BMW, Bosch, BASF und den vielen anderen großen und auch kleinen  Industrieunternehmen konnte Deutschland seither fünf starke Wirtschaftsjahre erzielen, während andere postindustrielle Staaten durch eine Dauerkrise dümpeln. Dennoch ist die Macht des BDI, der sich als Spitzenvertretung für 37 Branchen und über 100.000 Unternehmen mit rund acht Millionen Beschäftigten sieht, gesunken. Dabei ist der politische Machtverlust zum Teil hausgemacht. Zu sehr treiben die einzelnen Interessen der Mitgliedsverbände auseinander.

Allen voran arbeitet der Automobilverband mit seinem bestens vernetzten Präsidenten Matthias Wissmann auf eigene Rechnung und provoziert damit die anderen großen Mitgliedsverbände VDMA, VCI und ZVEI ebenfalls zu Alleingängen. Spätestens seit den Zeiten von BDI-Präsident Jürgen Thumann (2005 – 2009) – verbunden mit dem Abgang des langjährigen Hauptgeschäftsführers Ludolf von Wartenberg - gelingt es dem Spitzenverband kaum noch, die unterschiedlichsten Industrieinteressen zu bündeln. Hinzu kommt, dass nahezu jeder Dax-Konzern inzwischen in Berlin ein Verbindungsbüro mit entsprechenden Lobbyaktivitäten unterhält.

Hinzu kommt ein chronischer Geldmangel, unter dem der BDI leidet. Vor einigen Jahren wollte der damalige BDI-Präsident Thumann sogar eine Fusion mit dem reichen Nachbarn im Berliner Haus der Deutschen Wirtschaft einfädeln, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Auch ein Zusammengehen mit dem anderen Nachbarn, dem DIHK, wurde ausgelotet. Beide Versuche schlugen indes fehl, mit der BDA wurde die fachliche Kooperation immerhin ausgebaut. Ganz so schlecht wie vor ein paar Jahren geht es dem Industrieverband finanziell heute nicht.

Auch dank ununterbrochenem Klinkenputzen bei anderen Verbänden und Unternehmen. Einige Verbände mit nicht direkt industriellem Stallgeruch sind inzwischen zahlende Mitglieder geworden, manches Unternehmen sponsort Arbeitsplätze oder stellt gleich auch das dazugehörige Personal zur Verfügung.

Industriestandort Regierung fehlt Konzept für Deutschland

Der Präsident des BDI, Ulrich Grillo, hat die Bundesregierung scharf kritisiert. Ihr fehlen Konzepte, Projekte und Richtung, vor allem im Bereich Demographie und für Innovationen mache sie zu wenig.

Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Quelle: dpa

Dass der BDI heute nicht mehr die Stimme der deutschen Wirtschaft ist wie einst zu Zeiten des legendären Präsidenten Fritz Berg, hängt natürlich auch mit gesellschaftlichen und politischen Veränderungen in der Bundesrepublik zusammen. Industrie hat es in Zeiten großer Sorgen um das Klima und die Umwelt allgemein schwerer als früher, sich Sympathien und Gehör zu verschaffen. Arbeitsplatzargumente relativieren sich, wenn auf der anderen Seite Sorgen um Umwelt und Gesundheit bestehen. Oder es geht um moralische Werte, wie die Rüstungsindustrie derzeit erfahren muss und die deshalb schon mit Abwanderung ins Ausland droht. Und überhaupt haben es Lobbyisten in Zeiten von großen Koalitionen nicht so einfach, mit ihren Interessen durchzudringen.

Große Koalitionen sind sich in der Regel selbst genug, und die kleine Opposition hat einfach nicht die Masse, um die Regierenden zu ärgern. Dennoch kann sich der BDI an seinem Tag der Industrie über den hochrangigen politischen Besuch freuen. Merkel und Co halten den BDI immerhin noch für wichtig genug, um sich dort trotz überquellender Terminkalender dort zu zeigen und für ihre Politik zu werben.Das tun sie zwar auch beim Handwerksverband und den Familienunternehmern, doch besonders traditions- und würdevoll geht es halt beim BDI zu.

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