Berühmte letzte Worte: Bierwerbung könnte so gut sein

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kolumneBerühmte letzte Worte: Bierwerbung könnte so gut sein

Kolumne von Ralf Schwartz

Selbst Bierwerbung vermittelt dem jüngeren Management nicht mehr den Sinn des Lebens. Die organisierten Bierbrauer sollten sich ein wenig Mut antrinken.

Beck's teasert seinen aktuellen Spot an: "Drei Tage Dreh, ..., 61 Kästen ... Beck's, ..., coole Leute und super Stimmung .... Aus diesem Stoff entsteht einzigartiges Filmmaterial. Schau doch mal rein." Das lasse ich mir nicht zweimal sagen, habe ich doch die versteckte Botschaft verstanden: 20,3 Kästen Beck's pro Tag sind die Wunderwaffe für Coolness, Stimmung und Einzigartigkeit.

Der Spot in Wort und (Bild): "Da ist etwas in uns (Rolltreppe), das unserem Leben eine Richtung gibt (Suizid-Brücke über Bahngleise). Ein innerer Kompass (irgendwie junge Leute im Dunkeln, draußen). Der hilft uns, unseren eigenen Weg zu gehen (drei, vier Flaschen Beck's stoßen an). Uns nach unseren eigenen Zielen zu richten (nichts am Horizont). Die Welt zu entdecken (eine lockende Frau, am Strand, vollkommen bekleidet, Meer bei Ebbe/Flut). Folge ihm (Schiff mit grünen Segeln), und genieß' Deinen Weg (angehende Alkoholiker trinken Bier, lächeln). Du wirst staunen (Frau im Fokus), wo er Dich hinführt (Schiffsbug, Leere, Horizont): Beck's - folge Deinem inneren Kompass (unendliche Leere und Weite, Beck's Logo)".

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Jetzt steh ich da mit meinem inneren Kompass. Und dreh mich um mich selbst. Meine eherne Nadel zeigt nirgendwohin. Keine Frau in Sicht. Keine endlose Weite. Kein Ziel. Ein wenig mehr greifbarer Inhalt hätte nicht geschadet, Beck's. Nach 61 Kästen Bier.

Magazinbericht Bierabsatz um zwei Prozent geschrumpft

Der deutsche Biermarkt ist seit Jahren rückläufig. Auch 2013 mussten die Brauereien laut eines Magazinberichts Absatzverluste hinnehmen. Marktführer Oettinger verbuchte ebenfalls einen Rückgang.

Schaum auf Bierglas: Das Statistische Bundesamt will die Bier-Absatzzahlen nach der Steuerstatistik für das Gesamtjahr an diesem Donnerstag veröffentlichen. Quelle: dpa

Andere Biere haben da klarere Vorbilder fürs Leben zur Hand: Nach jedem Bowling-Wurf ist man König für einen Tag. Oder nach jedem zusammengebauten roten Porsche. Mit Altbier zum Beispiel ist man gesellig, kann den Alltag vergessen, Frauen in kleinen Gruppen reißen. Wieder andere demonstrieren, wie man durch Kampfsaufen in der Natur diese damit retten kann. Nun gut, dass das ein wenig in die Hose ging, sieht man an all den Glasscherben an schützenswerten Stränden und Parks.

Irgendein anderes Bier biedert sich zumindest schon mal beim Management an: Belohne Dich, trinke, wenn Du endlich den Chef duzen darfst. Wow. Wollen wir das nicht alle? Den Chef duzen!? Und wieder: Klar, Helden, die Bier trinken, haben einen Mann als Chef. Also zwei Probleme auf einmal.

Früher feierte man den Führerschein. Die beim Skaten ausgeschlagenen Zähne. Das Graffiti, für das man nicht wie ein Verbrecher abgeführt wurde. Wenn ich mich recht erinnere. Die erste Wohnung. Usw.

Heute sitzen immer noch drei Jungs zusammen auf einem Ast in der Natur. Ohne Frauen. Mit Frauen kann man kein Bier trinken. Zumindest nicht, wenn man dazu erst zwei trinken muss. Da sind die Bierbrauer konservativ und auf der Seite der Schüchternen.

Oder mit Farbigen, mit Freunden aus Afrika oder Asien, Australien oder Amerika. Geht alles nicht. Da sind die Bierbrauer konservativ und auf der Seite der Engstirnigen. Wie das Land, so der Brauer.

Warum sind die Bierbrauer und Agenturen so konservativ? So mutlos, nichtssagend und langweilig?

Heute doch kein König? Doch nur eine arme Sau, die Alkohol braucht, um auf Augenhöhe mit einer Frau, einem Fremden zu sprechen? Alkohol, um locker zu sein, selbstbewusst und inspirierend?

Leistet etwas, verdammt nochmal, dann könnt Ihr auch stolz sein. Und hört einfach auf Euch selbst, Beck's: "Nimm das neue Beck's Blue ... mit und behalte immer einen klaren Kopf. Denn die besten Momente entstehen aus klaren Gedanken."

Gerade, wenn Ihr nichts getrunken habt, seid Ihr zu Heldentaten fähig. Fähig, die Welt zu verändern, sie zu einer besseren zu machen - nicht in Eurer zu ersaufen.

Also: Warum nicht Frauen den Männern gleichstellen? Warum sie zu Objekten der berauschten Begierde machen, statt zu Partnern auf alkoholbefreiter Augenhöhe?

Warum nicht Schülern den bestmöglichen Abschluss ermöglichen, statt sie zu früh zum Trinken zu verführen? Weil die Dummen am meisten saufen? Wenn die das wüssten!? Mehr Bier leisten können sich auf jeden Fall die Ausgebildeteren.

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Warum nicht Leberkrebskranken wieder einen Lebenssinn geben? Ihr Hobby, so es denn nicht Alkohol ist, unterstützen während der Therapie? Mit dem Wert von "61 Kästen Bier" könnten man soviel bewegen.

Warum nicht seriös werden, liebe Bierbrauer, und die Gesellschaft voranbringen, statt sie von ihrem Wege abzulenken? Oder schreibt Euch genau das Euer innerer Kompass vor? Fühlt Ihr Euch dann wie ein König? Traurig.

Es gibt soviel Inspirierendes, womit Ihr der Jugend vorangehen und jungen Erwachsenen ein wirkliches Ziel geben könntet. Mit all den Millionen, die momentan inhaltsleer im Äther verpuffen. Lebt doch einfach selbst, was Ihr in Euren Spots den Menschen andient. Danke. Das wäre super.

Dem Autor via Twitter folgen: @leadculture.

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