Besserer Zugang: Deutsche Konzerne schmieden Rohstoff-Allianz

Besserer Zugang: Deutsche Konzerne schmieden Rohstoff-Allianz

, aktualisiert 17. November 2011, 06:52 Uhr
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Für viele Firmen ist flüssiges Kupfer Gold wert. Aber es sollte bezahlbar bleiben.

von Klaus StratmannQuelle:Handelsblatt Online

Die Sorge um den künftigen Zugang zu Rohstoffen treibt viele deutsche Firmen in eine neue landesweite Allianz. Jetzt haben sich zwölf Konzerne zusammengeschlossen, wie das Handelsblatt erfuhr. Und das ist nur der Anfang.

BerlinNamhafte deutsche Konzerne wollen künftig gemeinsam um den Zugang zu knappen Rohstoffen kämpfen. Im Frühjahr soll die "Allianz zur Rohstoffsicherung" starten. Zwölf Unternehmen haben nach Informationen des Handelsblatts aus Wirtschaftskreisen ihre Beteiligung an der Allianz fest zugesagt, darunter erste Adressen der deutschen Wirtschaft wie BASF, Evonik und Thyssen-Krupp, aber auch größere Mittelständler. Die Allianz steht weiteren Unternehmen offen. Unterstützt wird das Vorhaben von der Bundesregierung, koordiniert vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI).

Die pure Not treibt die Unternehmen zur Kooperation. Die Situation an den Rohstoffmärkten ist angespannt. Preissteigerungen an den Börsen sowie eine wachsende Zahl von Handelsbeschränkungen verunsichern die Unternehmen. In der Allianz wollen sie ihre Kräfte bündeln.

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Daraus soll sich später eine global agierende Rohstoffgesellschaft entwickeln. Die Gesellschaft soll Vorkommen erkunden, sich an Explorationen beteiligen und dabei "marktübliche Renditen" erzielen. Die Initiatoren wünschen sich keine Kapitalbeteiligung des Bundes, wohl aber eine "politische Flankierung".

Unter den zwölf Unternehmen befinden sich Dax-Konzerne, aber auch mittelgroße Unternehmen, die nicht an der Börse notiert sind. Die Bundesregierung will die Bemühungen der Wirtschaft politisch flankieren.

Politik und Wirtschaft eint die Angst vor Versorgungsengpässen. Handelsbeschränkungen durch wichtige Rohstoffexporteure wie China sowie stark steigende Preise machen vielen Unternehmen im rohstoffarmen Deutschland zu schaffen. Vor Monaten entstand daher die Idee, bei der Rohstoffsuche und -beschaffung eine Allianz zu schmieden.


Offen für weitere Interessenten

Mittlerweile sind die Pläne weit gediehen. Sie basieren auf einem Konzept, das die Unternehmensberatung Boston Consulting Group für den Rohstoffausschuss des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) erarbeitet hat. Ziel ist es, eine global agierende, gewinnorientierte Rohstoffgesellschaft zu gründen, die der deutschen Industrie einen unabhängigen Zugang zu kritischen Rohstoffen ermöglicht. Den Kern bilden Unternehmen wie BASF, Evonik und Thyssen-Krupp

Über die zwölf Firmen hinaus, die bereits fest dabei sind, dürfte sich der Kreis der Akteure noch vergrößern: "Die Rohstoff-Allianz wird auch nach ihrer Gründung offen sein für weitere Interessenten", sagte Ulrich Grillo, Vorsitzender des BDI-Rohstoffausschusses und Vorstandschef der Grillo-Werke AG, dem Handelsblatt. "Wir haben das grundsätzliche Interesse vieler Unternehmen bereits geweckt", sagte er.

Am Anfang stehe die Beteiligung der Unternehmen, um die Allianz ins Leben zu rufen. Dazu soll sich jedes Unternehmen finanziell beteiligen - mit Beträgen von jeweils mehreren Hunderttausend Euro. Wenn es später um konkrete Explorationsprojekte gehe, "stehen ganz andere Beträge im Raum", sagte Grillo.

Ursprünglich sollte am heutigen Donnerstag die Gründungsversammlung der Allianz stattfinden. Doch die Detailverhandlungen ziehen sich in die Länge. Die Akteure sind jedoch zuversichtlich, dass die Allianz im kommenden Frühjahr die Arbeit aufnehmen kann. Rückendeckung für das Vorhaben kommt von politischer Seite. Kanzleramt, Wirtschaftsministerium, Auswärtiges Amt und Entwicklungshilfeministerium unterstützen die Idee, sollen aber nicht Gesellschafter der Allianz werden: "Wir wünschen uns ausdrücklich keine Kapitalbeteiligung des Bundes, würden es allerdings begrüßen, wenn die Bundesregierung die Arbeit der Allianz unterstützen würde", sagte Grillo. Die Bundesregierung habe das Thema "längst erkannt und aufgegriffen".


Hilfe von der Deutschen Rohstoffagentur

So hat die Bundesregierung kürzlich eine Rohstoffpartnerschaft mit der Mongolei vereinbart. Gespräche über eine vergleichbare Vereinbarung mit Kasachstan laufen. Erst Anfang November haben sich Vertreter Kanadas und Chiles im Rahmen eines vom Bundeswirtschaftsministerium veranstalteten Symposiums für Investitionen deutscher Unternehmen in ihren Ländern ausgesprochen. Auch Australien wirbt derzeit offensiv um das Engagement deutscher Firmen bei der Erschließung neuer Rohstoffquellen.

Die Ausgangsvoraussetzungen für die Rohstoff-Allianz erscheinen somit günstig. "Deutsche Unternehmen genießen in vielen Ländern eine hohe Wertschätzung für ihr technisches Können und für die langfristige Ausrichtung ihres Engagements", sagte Grillo. Der Unternehmer ist davon überzeugt, dass die Lage im Rohstoffsektor trotz intensiver Explorationsaktivitäten in einigen rohstoffreichen Ländern schwierig bleibt. Eine Entspannung halte er für unwahrscheinlich, sagte Grillo.

Fachlich begleitet werden die Aktivitäten der Wirtschaft von der seit gut einem Jahr bestehenden Deutschen Rohstoffagentur (Dera), die bei der Bundesanstalt für Geowissenschaft und Rohstoffe angesiedelt ist. "Die Deutsche Rohstoffagentur ist bereit, die Arbeit der Allianz fachlich zu unterstützen. Wir könnten beispielsweise gemeinsam mit der Allianz ein Projekt-Screening durchführen", sagte Volker Steinbach, Leiter der Dera.

Er warnt aber davor, kurzfristig Erfolge zu erwarten. Exploration und Nachweis der Wirtschaftlichkeit eines Vorkommens seien langwierig. "Wenn wir heute einen Versorgungsengpass diagnostizieren, dauert es in der Regel zehn Jahre, ehe der Bergbau beginnen kann und somit eine neue Rohstoffquelle für die Nutzung zur Verfügung steht", sagte er.

Quelle:  Handelsblatt Online
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