Bieterkampf um Alstom: So gut stehen die Chancen für Siemens

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Bieterkampf um Alstom: So gut stehen die Chancen für Siemens

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von Rebecca Eisert

General Electric und Siemens buhlen um Alstom. Die französische Regierung favorisiert eindeutig eine Lösung mit dem deutschen Konzern. Doch abseits von politischem Kalkül sind die Münchener auch wirtschaftlich überzeugender.

Es ist die bisher schwerste und weitreichendste Entscheidung, die Siemens-Chef Joe Kaeser treffen muss. Sollen die Münchener ein Angebot für den französischen Rivalen Alstom abgeben?

Alles deutet darauf hin, dass Kaeser diesen Schritt macht. "Wir werden hart kämpfen, um zu gewinnen", zitiert das Handelsblatt einen Siemensianer. Am 2. Juni soll spätestens die Entscheidung fallen, derzeit prüft ein Team die Alstom-Bücher und hat weitere Informationen angefordert.

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Warum Siemens mehr Informationen will

  • Korruptionsermittlungen

    Die Zeitung "Le Monde" berichtete, Siemens wolle besser die Folgen abschätzen können, die durch Korruptionsermittlungen gegen Alstom in den USA, Brasilien und Großbritannien drohen. Die Strafe gegen Alstom könnte höher ausfallen als bei Siemens seinerzeit für die milliardenschwere Schmiergeldaffäre. Die zahlten 2008 knapp 600 Millionen Euro an die US-Behörden.
    Frankreich reagiert irritiert auf die Forderung. Siemens habe die gleichen Daten bekommen wie GE. Alstom-Chef Kron werde höflich antworten, das Begehren aber abschmettern, hieß es. Die Schritte gehörten zum üblichen Geschacher bei Großübernahmen. GE wolle laut Gebot alle offenen Forderungen gegenüber Alstom übernehmen, betonte eine Alstom-Sprecherin.

Die französische Regierung sähe es gerne, wenn die Deutschen mit Alstom zusammengingen. Das, was Siemens vorhat, ist nämlich keine klassische Übernahme.

Der Siemens-Plan

Aus Alstom und Siemens werden zwei getrennte "europäische Champions" nach dem Vorbild des deutsch-französischen Airbus-Konzerns. Siemens würde die Energie-Geschäfte der Franzosen übernehmen. Derzeit bietet Kaeser dafür 10,5 Milliarden Euro - legt in den nächsten Tagen vielleicht aber noch eine Schippe drauf.

Das Thema Energie mit den Bereichen Turbinen für alle Kraftwerkstypen außer der Nuklear-Energie, erneuerbare Energien und Stromübertragungstechnik würde mit Siemens verschmelzen.

Unternehmenskreise äußern sich euphorisch zu diesem Vorschlag. Man ergänze sich hervorragend, die Stärken des einen glichen die Schwächen des anderen aus.

Siemens etwa ist Marktführer bei Offshore-Turbinen und genießt bei Technologien für Gastkraftwerke einen hervorragenden Ruf, Alstom gilt dagegen als führende bei Lösungen für Kohlekraftwerke. Deshalb hat Siemens auch eine Arbeitsplatzgarantie von drei Jahren gegeben.

Hinter den Kulissen heißt es, man könne sich sogar vorstellen, nach dem Zusammenschluss noch mehr Arbeitsplätze zu schaffen. Von einem Arbeitsplatzabbau in der Sparte sei definitiv nicht die Rede.

Das beruhigt die Gewerkschaften - auf beiden Seiten des Rheins.

Transport für Alstom

Part zwei sieht vor, einen großen "Transport-Champion" zu schaffen. Dafür gibt Siemens seine Bereiche aus dem Lok- und Waggonbau an die Franzosen ab und will zusammen mit der Zugsparte der Franzosen einen schlagkräftigen Anbieter von Transporttechnologie schaffen. An diesem Unternehmen würde Siemens auch nur 20 Prozent halten, die Entscheidungsmacht läge in Frankreich.

Da dann auch deutsches Personal unter französischer Führung stünde, gibt es in diesem Punkt voraussichtlich noch Verhandlungsbedarf. Aus Siemens-Kreisen ist aber zu hören, dass es keine schwerwiegenden Differenzen gäbe. Nach der Aufteilung würde nicht nur die Produktion von ICE und TGV bei den Franzosen liegen, sondern auch der Bau von U- und Stadtbahnen.

Die französische Bahn SNCF und die Pariser Verkehrsbetriebe unterstützten den Siemens-Vorschlag. Sie können sich nämlich nicht vorstellen, dass ein "Rest-Konzern" wie er bei einem Aufgehen in General Electric übrig bliebe, ihre Milliarden schweren Aufträge zu handeln weiß. Bei nur noch fünf Milliarden Euro Umsatz wäre die Sparte nach GE-Lösung auch kaum wettbewerbsfähig gegen die Konkurrenz aus China oder Kanada.

Bliebe noch die Signaltechnik der Franzosen. Ein deutsch-französisches Joint-Venture ist die Lösung, die Siemens dafür unterbreitet. Siemens soll daran mehr als die Hälfte der Anteile halten.

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