Bilanz der Porsche Holding: Porsche macht Profit – und wartet auf Piëch

Bilanz der Porsche Holding: Porsche macht Profit – und wartet auf Piëch

, aktualisiert 21. März 2017, 11:14 Uhr
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VW-Patriarch steht vor dem finalen Rückzug: Ferdinand Piëch, über Jahrzehnte Vorstands- und Aufsichtsratschef bei Volkswagen, verhandelt mit den anderen Mitgliedern der Familienstämme Porsche und Piëch über den Verkauf seiner Anteile an der Porsche SE.

von Stefan MenzelQuelle:Handelsblatt Online

Die Holdinggesellschaft der Familien Porsche und Piëch macht wieder Gewinne. Es sind die Volkswagen-Anteile, die wieder Geld bringen. Trotz guter Zahlen dreht sich in Stuttgart alles um einen Mann: Ferdinand Piëch.

StuttgartEs hätte eine Routineveranstaltung werden können. Weil der Volkswagen-Konzern im vergangenen Jahr trotz der Dieselaffäre wieder vergleichsweise ordentlich verdient hat, geht es auch mit der Familienholding Porsche SE aufwärts. Doch an diesem Dienstag ist alles anders. Die Zahlen rücken in den Hintergrund, auf dieser Bilanzpressekonferenz dreht sich eigentlich alles um Ferdinand Piëch.

Der VW-Patriarch steht vor dem finalen Rückzug. Ferdinand Piëch, über Jahrzehnte Vorstands- und Aufsichtsratschef bei Volkswagen, verhandelt mit den anderen Mitgliedern der Familienstämme Porsche und Piëch über den Verkauf seiner Anteile an der Porsche SE – und damit an seiner Verbindung zum Volkswagen-Konzern. Piëch hält knapp 15 Prozent an der Porsche SE.

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„Wir haben keine weitere Kenntnis zum Stand der Verhandlungen“, sagte Porsche-SE-Vorstandschef Hans Dieter Pötsch zu den Gesprächen der Familienstämme Porsche und Piëch. Bei einem Verkauf der Piëch-Aktien würde sich „nichts Wesentliches ändern“, weil die Anteile in der Familie bleiben würden.

Der Übergang der Verantwortung von der dritten auf die vierte Generation sei eine „Angelegenheit der Familie“. Der Vorstand der Porsche SE habe dabei das „nötige Vertrauen“ in die Familie, dass sie die richtigen Entscheidungen treffen werde. Auch künftig werde die Holdinggesellschaft ihre Rolle als Ankeraktionär des Volkswagen-Konzerns fortsetzen können.

Immerhin: Nach dem Verlust von 308 Millionen Euro im Jahr 2015 schreibt die Gesellschaft der Familien Porsche und Piëch wieder schwarze Zahlen, wie die Porsche SE am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz in Stuttgart mitteilte. Für das vergangene Jahr weist das Unternehmen einen Gewinn von knapp 1,4 Milliarden Euro aus. Die Porsche SE ist eine reine Holdinggesellschaft, in der die beiden Familien ihre Beteiligung am VW-Konzern gebündelt haben. Die kleine Holding mit 30 Mitarbeitern gibt es seit dem Jahr 2007 und hat keinen direkten Bezug zum Sportwagenhersteller, der wiederum eine Tochter des VW-Konzerns ist. Nach dem Milliardenverlust von 2015 hatte Volkswagen im vergangenen Jahr wieder schwarze Zahlen geschrieben.

Vorstand und Aufsichtsrat der Porsche SE hatten bereits Anfangs März vorgeschlagen, dass eine Dividende in Höhe von 1,01 Euro je Vorzugsaktie und 1,004 Euro je Stammaktie ausgeschüttet werden soll. Das entspricht exakt dem Niveau des vorangegangenen Jahres. Die Porsche SE wird rund 308 Millionen Euro an seine Aktionäre überweisen. Das entspricht in etwa der Dividendensumme, die die Familienholding vom Volkswagen-Konzern bekommen wird. Porsche-SE-Vorstandschef Hans Dieter Pötsch bezeichnete die Holding am Dienstag als „stabilen Ankeraktionär“ für Volkswagen, „nicht zuletzt in der Dieselkrise“.

Die Porsche SE hält 52 Prozent der Stimmrechte an Volkswagen, die reine Kapitalbeteiligung liegt bei gut 30 Prozent. Dieser Unterschied kommt durch die Herausgabe der Stammaktien mit Stimmrecht und der stimmrechtslosen Vorzugsaktien bei Volkswagen zustande. Porsche SE und Volkswagen sind zudem eng miteinander verwoben. Der VW-Vorstandsvorsitzende Matthias Müller sitzt auch im Vorstand der Porsche SE. Der Aufsichtsratschef von Volkswagen, Hans Dieter Pötsch, ist wiederum Vorstandsvorsitzender der Porsche SE.

Und es gibt noch eine weitere personelle Doppelung: Manfred Döss sitzt im Porsche-Vorstand und ist zugleich Chefjustitiar in Wolfsburg bei VW. Die Aussichten sind gut, dass sich Ferdinand Piëch recht bald mit den anderen Mitgliedern über seinen Rückzug verständigt. Die Porsche SE hatte am Freitag bestätigt, dass der 79-Jährige über den Verkauf eines „maßgeblichen“ Anteils nachdenkt. Piëch würde dann wahrscheinlich auch seinen Sitz am Aufsichtsrat der Porsche SE freimachen. Auf der Hauptversammlung Ende Mai wird über die neue Zusammensetzung des Porsche-Aufsichtsrats entschieden, ein möglicher Nachfolger von Piëch im obersten Porsche-Kontrollgremium muss bis Mitte April benannt sein.


VW-Patriarch gilt in der Familie als isoliert

Die Familien Piëch und Porsche verfügen über ein Vorkaufsrecht für die Anteile von Ferdinand Piëch. Grundsätzlich gilt im Familienverbund die Regel, dass die Anteile zunächst der Familie angeboten werden müssen, wenn ein einzelnes Familienmitglied verkaufen will. Die Familienholding Porsche SE wird mit etwa 16 Milliarden Euro bewertet. Das Grundkapital verteilt sich je zur Hälfte auf Stamm- und Vorzugsaktien. Der Anteil der Familien ist etwa acht Milliarden Euro wert, weil sie eben auch nur die Hälfte des Grundkapitals stellen. Ferdinand Piëchs Anteile sind demnach gut eine Milliarde Euro wert. Die Stimmrechte der börsennotierten Porsche SE liegen ausschließlich bei der Familie.

Die Porsche SE hat liquide Mittel von etwa 1,3 Milliarden Euro. Dieser Betrag könnte ausgeschüttet werden und für den Kauf der Anteile von Ferdinand Piëch verwendet werden. Weil die Vorzugsaktionäre die Hälfte des Grundkapitals bei der Porsche SE stellen, blieben also bei den beiden Familienstämmen rund 650 Millionen Euro, die sie für Kauf der Anteile von Ferdinand Piëch nutzen könnten. Der Rest ließe sich durch Finanzierungsmodelle wie etwa eine Verpfändung der Porsche-Aktien vergleichsweise leicht aufbringen.

Die Finanzierung gilt wegen des vergleichsweise kleinen Betrages von etwa einer Milliarde Euro als das kleinere Problem. Entscheidend bleibt, dass sich die Familien wirklich einigen und dass Ferdinand Piëch am Ende tatsächlich verkauft. Familiensprecher Wolfgang Porsche hatte Anfang März auf dem Autosalon in Genf gesagt, dass die Familie alles tun müsse, um die Anteile zusammenzuhalten – sollte jemals ein Familienmitglied verkaufen wolle.

Seit dem Frühjahr 2015 gilt der VW-Patriarch innerhalb des Familienverbundes als isoliert. Ferdinand Piëch wollte damals den VW-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn absetzen, konnte sich damit aber in der Familie nicht durchsetzen. In der Folge trat der 79-Jährige zurück und verzichtete auf den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden bei Volkswagen.

Die Spannungen innerhalb der Familie haben sich während der vergangenen Wochen noch einmal verschärft. Auslöser sind Äußerungen, die Ferdinand Piëch im Dezember gegenüber der Staatsanwaltschaft Braunschweig gemacht haben soll. Darin behauptet er angeblich, dass er das Präsidium des Volkswagen-Aufsichtsrates viel früher als zuvor bekannt über die drohende Dieselaffäre informiert haben soll. Die Aufsichtsräte, darunter Piëchs familiärer Gegenspieler Wolfgang Porsche, weisen diese Darstellung zurück.

Das Schicksal der Porsche SE ist eng mit Volkswagen verbunden. Geht es den Wolfsburgern schlecht, bekommt das auch die Porsche SE zu spüren. Nach dem Bekanntwerden des Dieselskandals ist auch die Aktie der Familienholdung massiv eingebrochen. Ähnlich wie bei Volkswagen verlangen jetzt auch Porsche-Vorzugsaktionäre Entschädigungszahlungen für die Kursverluste.


„Dann geht die Welt für uns auch nicht unter“

Die im Dieselskandal erhobenen Anlegerklagen gegen die Porsche SE werden vor dem Oberlandesgericht Stuttgart (OLG) in einem Musterverfahren behandelt. Die Holding hatte die Entscheidung des Landgerichts Stuttgart bestätigt, stellvertretend für alle Klagen auf Schadensersatz ein Musterverfahren auf der Ebene des OLG zu verhandeln.

Nach Angaben der Porsche SE liegen 156 Klagen mit Schadensersatzforderungen von 899 Millionen Euro im Zusammenhang mit der Dieselaffäre vor. Die Porsche SE halte die Klagen für unbegründet und rechne mit deren Abweisung, sagte ein Sprecher. Wären die Kläger vor Gericht erfolgreich, hätte das auch wieder Auswirkungen auf den Wert der Porsche SE. Die Familienholdung würde niedriger bewertet, und die Anteile von Ferdinand Piëch wären weniger wert.

Bei Volkswagen wird ein möglicher Verkauf der Piëch-Anteile auch an außenstehende Investoren gelassen gesehen. „Dann geht die Welt für uns auch nicht unter“, sagte ein VW-Manager. Die beiden Familienstämme besäßen immer noch die klare Mehrheit an der Porsche SE.

Quelle:  Handelsblatt Online
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