Bilanzbetrug: Olympus ist nur die Spitze des Eisbergs

Bilanzbetrug: Olympus ist nur die Spitze des Eisbergs

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Fragliche Unternehmens-Kultur in Japan - Tepco, Toyota und Olympus, die Wahrheit scheint es schwer zu haben

Der Bilanzbetrug bei dem Kamerahersteller steht für die großen Kontrollschwächen in vielen japanischen Unternehmen.

Die Wahrheit hat es schwer in japanischen Unternehmen. Jahrelang leugnete der Autobauer Toyota jeden Zusammenhang zwischen klemmenden Gaspedalen und tödlichen Unfällen. Auch der Versorger Tepco enthüllte im Frühjahr das Ausmaß des Atomdesasters in Fukushima nur scheibchenweise. Und der Optikspezialist Olympus räumte erst nach wochenlangen Dementis am vergangenen Dienstag Bilanzfälschungen in großem Stil ein. Bei mindestens vier Firmenübernahmen wurden noch aus den Neunzigerjahren durchgeschleppte Investmentverluste versteckt, wie der neue Chef Shuichi Takayama zugab.

In Luft aufgelöst

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Um diese zu tarnen, zahlte das Unternehmen für eine 1,9 Milliarden Dollar teure Firmenübernahme die Horrorprovision von knapp 700 Millionen Dollar an ominöse Berater.

Die Chronologie des Olympus-Skandals

  • 14. Oktober 2011: Der Chef geht

    Der aus Großbritannien stammende Olympus-Chef Michael Woodford wird entlassen. Er will sich damit nicht abfinden und erzählt führenden Wirtschaftszeitungen, der Grund seien seine Zweifel an mehreren zu teuer erscheinenden Übernahmen gewesen. Er habe Verwaltungsratschef Tsuyoshi Kikukawa zum Rücktritt aufgefordert und sei dafür gefeuert worden. Kikukawa wird kommissarisch Konzernchef.

  • 19. Oktober 2011: 687 Millionen Beraterhonorar

    Olympus betont, bei den Übernahmen sei alles rechtens gelaufen, Woodford sei wegen Management-Differenzen entlassen worden. Zugleich räumt das Unternehmen ein, dass beim Kauf des britischen Medizintechnik-Spezialisten Gyrus 687 Millionen Dollar an einen Berater gezahlt wurden - ein Drittel des Kaufpreises. Noch einen Tag zuvor hatte Kikukawa die Summe auf 391 Millionen Dollar beziffert.

  • 20. Oktober 2011: Hauptaktionär fordert Aufklärung

    Der größte Olympus-Aktionär, der Versicherungskonzern Nippon Life, fordert Aufklärung über die Deals.

  • 21. Oktober 2011: Olympus will aufklären

    Olympus lenkt ein und kündigt die Bildung einer unabhängigen Kommission an, die die Deals unter die Lupe nehmen soll. Die Übernahmen werden aber immer noch verteidigt. 24. Oktober: Olympus greift Woodford persönlich an: Er habe dem Unternehmen schaden wollen und habe überhaupt Japan nicht gemocht.

  • 26. Oktober 2011: Kikukawa tritt ab

    Firmenpatriarch Kikukawa gibt den Vorsitz des Aufsichtsrates ab. Neuer Konzernchef wird Shuichi Takayama. Inzwischen ermittelt auch das FBI, weil der Finanzberater beim Gyrus-Kauf einen Standort in den USA hatte.

  • 8. November 2011: Die Bombe platzt

    Olympus räumt ein, dass bei den fraglichen Übernahmen Verluste aus den 90er Jahren versteckt wurden. Kikukawa sei daran beteiligt gewesen, sagt der neue Chef Takayama. Die Aktie stürzt um 29 Prozent ab. Die Börse in Tokio will prüfen, ob Olympus vom Markt genommen werden muss.

Inzwischen hat die Polizei in Tokio mit Ermittlungen gegen das Unternehmen begonnen, die Börse in Tokio hat den Konzern auf ihre Kontrollliste für eine mögliche Streichung vom Kurszettel gesetzt. Prompt stürzte die Olympus-Aktie um weitere 17 Prozent auf den tiefsten Stand seit 1980. Damit haben sich seit Bekanntwerden der Affäre Mitte Oktober mehr als drei Viertel des Unternehmenswertes in Luft aufgelöst.

Korpsgeist in Chefetagen

Nippons Firmen, lange wegen ihrer Verquickung mit dem Staat und untereinander als Japan AG verspottet, sind trotz mancher Veränderungen noch immer weit von einer guten Unternehmensführung entfernt. Bilanzmanipulationen wie bei Olympus gibt es zwar überall. Doch Vorkehrungen, die solche Missstände verhindern sollen, fehlen in Japan ganz oder funktionieren nicht richtig.

Formal unabhängige Verwaltungsräte wie in den USA verstehen sich nach wie vor kaum als Kontrolleure, sondern nicken bei den wenigen Board-Sitzungen ab, was der Vorstand ihnen vorsetzt. Dadurch können Manager Fehler verheimlichen und die Interessen der Aktionäre vernachlässigen.

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